25 Jahre Volksverblödung
8. Januar 2009 | Von hofnarr.florian | Kategorie: Gesellschaft
Seit nun 25 Jahren strahlen die Privatsender Sat.1 und RTL ihre Programme in die Bundesrepublik Deutschland. Eigentlich hätte man ja erwarten können, dass sich die Sender in diesem Viertel Jahrhundert weiter entwickelt haben und nun reifer sind – dem ist aber nicht so. Während zu Beginn des Privatfernsehens das neue Medienangebot oft mit einem Augenzwinkern konsumiert wurde, sind RTL und die ProSiebenSat.1 Media AG heute, vor allem für junge Menschen, meinungsbildende Organe. Die ProsiebenSat1-Gruppe hatte 2008 einen Marktanteil von 29,4 %. Die RTL Media Group 26,8 %.
Leider nutzen die beiden größten Privatsendergruppen ihren Einfluss in Deutschland nicht zum Positiven, sondern überfluten die deutsche Bevölkerung mit einer Masse von niveaulosen TV-Formaten. Anstatt zu informieren oder wenigstens einigermaßen anspruchsvolle Unterhaltung zu liefern, bestimmen Soaps, Gerichtssendungen, Talkshows und weiterer TV-Müll das Programm.
Das Schlimme daran ist, dass es sich anscheinend lohnt solche Sendungen zu produzieren und zu senden. Vor allen nachmittags findet das seichte „Blabla“ anscheinend großen Anklang, sonst würde man ja auf andere Formate umsteigen. Wer heute den Fernseher einschaltet, meidet entweder die Privatsender oder geht ein hohes Risiko ein zu verblöden. Denn was in letzter Zeit so über den Fernseher flimmert kann einfach nicht gesund sein. Um euch zu zeigen, dass wir nicht blind auf die Privaten eindreschen hier ein kleiner, beispielhafter Ausschnitt aus dem Programm der Sendergruppen:
Die Ultimative Chart Show; RTL
Bereits seit 50 (!) Ausgaben grinst der Traum aller Schwiegermütter, Oliver Geißen, in diesem Format das RTL-Publikum aus dem Fernseher an. Anscheinend ist der Pool für neue Chart-Listen unbegrenzt, denn es ist kein Ende der Sendung in Sicht. Auf dem Sofa und in Videos kommentieren zahlreiche „Promis“ die aktuellen Chart-Listen.
Dauergast bei Geißen auf dem Sofa ist die Grünen-Politikerin Claudia Roth, die sich auf der Suche nach Wählerstimmen anscheinend für nichts zu schade ist. Sie möchte gekonnt jugendlich und frisch herüberkommen und Ausrufe wie „Volle Kanne!“ gehören deshalb zu ihrem festen Vokabular. Im Bundestag gibt es voll nicht so viel zu tun. Ist ja außer Krieg in Gaza und Finanzkrise alles okay. Aber wen wundert das, wenn sich selbst eine Ministerin bei den Öffentlich-Rechtlichen auf Händen tragen lassen darf…
Das perfekte Promi-Dinner, VOX
Inwiefern sich das normale perfekte Dinner und die Promi-Version unterscheiden, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen – eigentlich auch nicht auf den zweitem. Denn die so genannten Berühmtheiten entpuppen sich meist als irgendwelche Menschen, die vielleicht einmal im Fernsehen waren, mit echten Prominenten kurze Beziehungen hatten oder vor 20-30 Jahren mal berühmt waren. In der letzten Ausgabe waren unter anderem ein Hundecoach von VOX und Okka Gundel zu sehen. Keine Ahnung, wer das ist, aber für VOX ist jeder bekannt, der nicht bei drei auf dem Baum ist. Bei so etwas vergeht dem Hofnarr der Appetit.
The Biggest Loser, ProSieben
Heute Abend startet die neue Abnehmshow mit Kati Witt – eigentlich eine Kandidatin für das Promi-Dinner, aber für VOX zu bekannt. Die Show bedient perfekt den ausgeprägten TV-Voyeurismus. Gemütlich vom Sofa aus, am besten mit einer Tüte Chips in der Hand, kann man sich angucken wie 14 Übergewichtige sich daran versuchen abzuspecken. Vielleicht darf der Gewinner ja in der Magersüchtigen-Show von Heidi Klum mitwirken.
Das Dschungel-Camp RTL
Da sind sie wieder, die B- und C-Promis der Republik. Weil das perfekte Promi-Dinner leider ausgebucht war, müssen sie jetzt in den Dschungel und statt leckerem Menü Würmer und Tierhoden verspeisen. Pech gehabt…
Leider könnte ich diese Rundschau endlos fortsetzen. Die Büchse der Pandora in der Form von Shows des werten Herrn Hugo-Egon Balder habe ich heute einmal zu gelassen und auch Uri Geller bleibt verschont, was aber nicht heißt, dass sie nicht auch weiter durch die Fernsehlandschaft geistern, um uns weiter zu verblöden.
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