Alfred Grosser erhält deutsch-französischen Medienpreis

30. Juni 2012 | Von | Kategorie: Gesellschaft
Es schreibt: Christopher

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Alfred Grosser ist mit dem Deutsch-Französischen Journalistenpreis 2012 ausgezeichnet worden. Der 87-Jährige wurde als langjähriger Wegbegleiter der freundschaftlichen Beziehungen beider Länder gewürdigt, der seine Zustimmung und Kritik immer unabhängig von parteipolitischen Zuordnungen verteile. Ich selbst durfte aufgrund eines Hingesehen-Interviews zur nationalen Identitätsdebatte in Frankreich an der Zeremonie teilnehmen.

Die Auszeichnungen wurden im Hauptstadtbüro der ARD mitten in Berlin verliehen. Während einige Hundert Meter weiter die lauten Massen zur Fanmeile strömten, fand sich im Foyer einiges an Polit- und TV-Prominenz ein. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Tagesthemen-Gesicht Tom Buhrow, der als ehemaliger Frankreich-Korrespondent zweisprachig durch den Abend führte.

In den einleitenden Worten wurde die freundschaftliche Beziehung Deutschlands und Frankreichs gewürdigt, immer mit Verweis auf den Elysee-Vertrag, der sich im Januar 2013 zum 50. Mal jährt. Es sprachen unter anderem der französische Botschafter Maurice Gourdault-Montagne sowie Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in ihrer Doppelfunktion als Ministerpräsidentin des Saarlandes und Bundesbevollmächtigte für die deutsch-französischen Beziehungen.

Warnende Worte: Europa muss zusammenhalten

Besonders spannend wurde es, als Grosser den Ehrenpreis erhielt. Der Franzose mit deutsch-jüdischen Wurzeln gilt als journalistische Institution und ist unter anderem Träger des Großen Verdienstkreuzes mit Stern und Schulterband. Die vielen Auszeichnungen zeugen jedoch nicht von Konformität, sondern vom Respekt für einen kontroversen Denker.

Tom Buhrow moderierte die Preisverleihung

Auch an diesem feierlichen Abend sprach Grosser deutliche, warnende Worte. Die eingangs gelobte deutsch-französische Nähe sei durch die Finanzkrise ernsthaft in Gefahr: „Beim nächsten Gipfel kann alles vorbei sein.“ Das Fundament für die Entwicklung von Erbfeinden zu Erbfreunden, wie es Gourdault-Montagne ausdrückte, sei die Zivilbevölkerung beider Länder, nicht die Politik. Letztere sei jedoch dafür verantwortlich, die entsprechenden Rahmenbedingungen aufrechtzuerhalten.

Damit das ideelle Projekt Europas fortbestehen könne, müsse auch der Prozess der politischen Vereinigung weitergehen und mehr Kompetenzen nach Brüssel wandern: „Jeder Staat will seine Souveränität behalten. Aber in 20 Jahren wäre kein europäisches Land allein mehr unter den G8.“ Grosser wünscht sich ein Bekenntnis zur Solidarität, wie es Jacques Chirac vor knapp 40 Jahren brachte: „Europäische Angelegenheiten sind von nationalen Angelegenheiten nicht mehr zu trennen.“

Keine Eurobonds? Merkel wird belächelt

Diese Standpunkte wurden in einer abschließenden Diskussion weiter ausgeführt. Dazu debattierte Grosser mit Michaela Wiegel von der FAZ sowie mit Daniel Cohn-Bendit – für Grosser der einzige 68er, der die Moral behalten und die Demokratie dazugelernt habe. Tatsächlich machte der grüne Europapolitiker seinem Ruf als Querdenker alle Ehre, immer wieder fuhr er aufgebracht dazwischen.

Einig war sich die Runde darüber, dass Angela Merkels Ankündigung „Keine Eurobonds, solange ich lebe“ nicht ernstzunehmen sei. Daran führe langfristig gar kein Weg vorbei. Wirtschaftlich wäre ein Ende der Währung schließlich auch für die Exportnation Deutschland noch um ein Vielfaches katastrophaler als etwa ein Ausscheiden eines Mitgliedsstaates.

Germanophobie, Frankophobie: Vorurteilen keinen Platz geben

In der Metadiskussion über die deutsch-französische Medienlandschaft wurde festgestellt, dass es Defizite auf beiden Seiten gibt. Für die Journalisten aus dem jeweils anderen Land sei es etwa viel schwieriger, an Interviewpartner zu kommen. Während in Deutschland das Fernsehen ausgeglichener über Frankreich berichte, sei es dort eher die Presse, die ohne alte Klischees auskomme.

Den denkbar diplomatischsten Abschluss der Diskussion fand der Ehrengast selbst. Auf die Frage, ob er am Abend Deutschland oder Italien die Daumen drücke, antwortete Grosser: „Ich wünsche dem französischen Schiedsrichter viel Glück!“

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Ein Kommentar
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  1. Ich finde der Alfred Grosser hat den Preis verdient. Und schön ist auch, dass der Regierungswechsel in Frankreich die Freundschaft nicht erschüttert hat.

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