Das semantische Internet – unsere Zukunft?

3. Mai 2010 | Von hofnarr.christopher | Kategorie: Gesellschaft
Es schreibt: Christopher

Es schreibt: Christopher

Tim Berners-Lee (Foto rechts) ist ein kluger Mann. Nicht umsonst wurde er zum Knight Commander of the British Empire ernannt, erhielt den Order of Merit und ist Fellow of the Royal Society. Warum das alles? Nun, in gewisser Weise ist er dafür verantwortlich, dass ihr, liebe Leser, diesen Text, den ich zuhause am Computer schreibe, überhaupt lesen könnt. Berners-Lee gilt als Begründer des World Wide Web. Er erfand die “Internet-Sprache” HTML (Hypertext Markup Language), entwickelte den ersten Browser und die erste Webseite.

Und mit heute gerade mal 54 Jahren ist der gebürtige Londoner noch lange nicht fertig. Bereits im Jahr 2001, sechs Jahre vor dem Erscheinen des iPhones mit all seinen Apps, schrieb Berners-Lee in der Fachzeitschrift “Spektrum der Wissenschaft” von seiner Idee eines “semantischen Web”, das die Orientierung im so unübersichtlichen Internet vereinfachen sollte. Daten, die bis dato vom Rechner lediglich angezeigt wurden, sollte schon in naher Zukunft Bedeutung gegeben werden, damit das Gerät selbst sie “versteht”.

Tim Berners-Lee, eine Ikone des Internet (Foto via flickr.com von "Silvio Tanaka")

So genannte “Agenten” würden wie ein Super-Suchmaschine die benötigten Daten vorab so gut filtern, dass eine eigene Auswahl gar nicht mehr nötig wäre. Der Vorteil: Das mühselige Durchsuchen der Google-Ergebnisse mit all den Streuverlusten würde wegfallen bzw. zumindest verkürzt. Klingt nach Zukunftsmusik? Genau das ist es eigentlich, wenn dir das mit GPS ausgestattete iPhone auf Anweisung alle Restaurants im Umkreis deines tatsächlichen Standorts anzeigt.

Aber auch am guten alten Computer greift diese Technik mittlerweile. Viel läuft dabei über die Einführung der Extensible Markup Language (XML) und das “Tagging”, das Zuweisen von Stichworten auf Internet-Inhalte. Darauf beruhen nicht zuletzt “social bookmarking”-Seiten wie yigg, del.icio.us und so weiter. Wenn ihr am Ende dieses Artikels die Liste dieser Anbieter seht, könntet ihr einen davon auswählen, ein virtuelles Lesezeichen setzen und diesem Text ein Stichwort zuweisen. Wer später auf der bookmarking-Seite nach diesem Begriff sucht, findet möglicherweise uns.

Computer, die konkrete Fragen beantworten – Zukunftsmusik?

Berners-Lees Idee ging soweit, dass auch die Personensuche durch das semantische Netz erleichtert werden sollte. Wer war nochmal die Frau, die ich bei der letzten Party kurz kennen gelernt hatte? Noch muss man dafür die behaltenen Paramater (wie etwa Nachname, Wohnort und Beruf) eingeben und sich dann aus den gegebenen Treffern etwas passendes zusammenreimen. Dieser letzte Schritt könnte bald automatisiert aufgrund der Vorauswahl geschehen, indem nur nach genau der Kombination der Worte gesucht wird (und zwar logischer als Google das heute anbietet). Ist dies gegeben, stellt sich die Frage des Datenschutzes. Hallo, liebe Piraten! Berners-Lees Antwort darauf: Der Schutz, die digitale Unterschrift, die ohnehin besteht, müsste lediglich auf die neuen Verknüpfungen, die die Semantik herstellen sollen, erweitert werden. Optimalerweise könnte jeder User diese Einstellungen natürlich selbst vornehmen.

Im November 2008 nahm sich die Zeitschrift “Spektrum der Wissenschaft” des Zukunftsentwurfs erneut an und schaute nach dem aktuellen Stand. Das iPhone war da bereits erschienen, die Autoren beschränkten sich jedoch auf die Nutzung des WWW allgemein. Dabei betrachten sie unter anderem die Seite “Friend of a friend”, die übrigens vom W3C (World Wide Web Consortium), dessen Gründer und Vorsitzener Berners-Lee ist, gestartet wurde. Der Nutzen dieses Angebots beschränkt sich weitestgehend auf Funktionen, die man eher Facebook oder StudiVZ zuschreiben würde: social networking, das Vernetzen von sozialen Kontakten. Die Besonderheit von “foaf” ist jedoch, dass die eingstellten Informationen nicht demselben Code, sprich denselben Dateiformaten, entsprechen müssen. Im Gegenteil arbeiten die Betreiber hier sogar daran, die Profile verschiedener “social web”-Seiten miteinander synchronisieren zu können. Es enstünde eine Art Meta-Verzeichnis aller Teilnehmer.

Screenshot der Seite foaf-project.org

Ein weiteres Arbeitsfeld betrifft die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Bereits jetzt gilt das Lexikon als Vorreiter der Interaktivität, weil jeder Nutzer seine eigenen Beiträge oder Ergänzungen hinzufügen kann. Das Wissen der Vielen wird hierbei propagiert. Das Programm “DBpedia” versucht jetzt, die Navigation in der Seite zu präzisieren. Die Millionen von Artikeln sollen dadurch besser zugänglich gemacht werden. Genauere Suchanfragen wie “Suche alle Filme, die vor 1990 für den Best Picture Academy Award nominiert wurden und länger als drei Stunden laufen” (Beispiel aus dem Aufsatz in “Spektrum”) wären dann möglich.

Das erinnert an ein anderes Projekt, das im Artikel noch keine Beachtung erhielt, aber einen ähnlichen Weg einschlägt: Wolfram. Wolfram ist eine Suchmaschine, aber anders als Google reagiert sie nicht nur auf Stichwörter, sondern auch auf konkrete Fragen (in englischer Sprache). Fragt man “ihn” zum Beispiel, wann er online gestellt wurde, antwortet er mit der exakten Zeit sowie der genauen Angabe, wie lange dieser Zeitpunkt schon zurückliegt. Als Extra wird neben der örtlichen Zeit der Betreiber (in Chicago) die entsprechende Zeit hier in Deutschland angegeben.

Für uns sind diese Beispiele wahrscheinlich nur die Vorboten für weitere Entwicklungen dieser Art, die unseren Alltag bald erleichtern könnten. Der Release des großen Bruders vom iPhone, des iPads, mag zwar nicht bahnbrechend gewesen sein, aber er bestätigt den Trend in diese Richtung.

Zum Thema: Veranschaulichung des “semantischen Web”

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  1. Interessanter Artikel!

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