Der Politik-Blog Homo Politicus im Gespräch

23. November 2009 | Von hofnarr.florian | Kategorie: Gesellschaft

Malte Krohn und Christian Jung betreiben gemeinsam den Politik-Blog “Homo Politicus“. Malte hat das Projekt ursprünglich ins Leben gerufen, Christian stieß im September 2008 dazu. Beide nutzen auch die Kommunikationsplattform Twitter sehr aktiv. Malte war zudem schon mehrmals als Twitter-Experte bei “Wahl im Web” im ZDF-Infokanal zu Gast.

Malte von Homo Politicus

Malte von Homo Politicus

Christian von Homo Politicus

Christian von Homo Politicus

Hingesehen: Wie groß schätzt Ihr die momentane Bedeutung der Blogosphäre in der deutschen Medienlandschaft ein?

Malte und Christian: Während sich die Blogosphäre noch vor wenigen Jahren alle sechs Monate in ihrer Größe verdoppelt hat, ist ihr Wachstum inzwischen nahezu zum Erliegen gekommen. Trotzdem würden wir nicht von einer Abnahme des Einflusses der Blogospähre sprechen, denn es wird deutlich, dass sich die Blogosphäre immer weiter spezialisiert hat. Besonders großen Einfluss weisen inzwischen weniger die tagebuchartigen Privatblogs, sondern viel mehr die thematischen Spezialblogs auf. Immer häufiger werden Blogger deshalb inzwischen auch von den Medien als Experten für ein Thema akzeptiert. Ein Beispiel ist beispielsweise das von Markus Beckedahl betriebene Blog netzpolitik.org, dass in den verschiedenen Datenskandalen in jüngster Vergangenheit auch für die konventionellen Medien eine entscheidende Rolle gespielt hat.

Hingesehen: Und wie prognostizierst Ihr sie für das Jahr 2015?

Malte und Christian: Man kann davon ausgehen, dass der Einfluss der Blogosphäre in den nächsten Jahren beständig zunehmen wird. Besonders die Spezialisierung der Blogger wird weiter voranschreiten. Interessant bleibt, wie das zukünftige Zusammenspiel zwischen Makro- und Mikroblogging aussehen wird. Denn derzeit wird deutlich, dass Mikrobloggingplattformen – wie Twitter – den konventionellen (Makro-)Blogs einige Anteile abspenstig gemacht haben. Kurze Nachrichten, die früher noch gebloggt wurden, werden inzwischen mehr und mehr auf Plattformen wie Twitter veröffentlicht.

Ob Twitter 2015 noch in der heutigen Form existiert, darüber kann man sich streiten, aber zumindest eins ist klar: Die Kommunikation in Form von kurzen Textnachrichten wird bleiben.

Weiterhin ist anzunehmen, dass die Verknüpfung verschiedener Medienangebote zunehmen wird. In den letzten Monaten haben immer mehr „klassische“ Journalisten eigene Weblogs eingerichtet und auch die Verlage sehen in den Weblogs inzwischen eine ernsthafte Konkurrenz und nicht mehr nur “gelangweilte Hobby-Journalisten”

Hingesehen: Malte war jetzt öfter als „Twitter-Experte“ in der ZDF-Sendung „Wahl im Web“ zu Gast. Glaubt ihr, dass mittels der neuen Medien, wie Blogs und Twitter, besser junge Menschen für Politik begeistert werden können?

Malte und Christian: Die Frage, ob durch die Kombination zwischen “konventionellen” und “neuen” Medien es lediglich zu einer Mobilisierung der sowieso schon Mobilisierten kommt, oder ob man durch das Internet von einer Inklusion politikferner Personenkreise ausgehen kann ist heute noch schwierig zu beantworten. Die Vermischung verschiedener Angebote kann als große Chance gesehen werden, junge Menschen dort abzuholen, wo sie sind. Das heißt es besteht die Hoffnung einer Verstärkung.

Hingesehen: Im Rahmen der Bundestagswahlen gab es ein neues Sendungsformat, „Erst fragen, dann wählen“, das verstärkt auf die Integration von Twitter und andere sozialer Netzwerke gesetzt hat. Sind solche Formate eurer Meinung nach die Zukunft des politischen Fernsehens?

Malte und Christian: Eindeutig. Obwohl man ganz deutlich sagen muss, dass das Format – mit insgesamt knapp sechs Stunden Sendezeit – auch für hartgesottene Politikfans keine leichte Kost war, stellte die Sendung in diesem Wahlkampf die einzige Möglichkeit für den Wähler dar, sich intensiver mit den Spitzenkandidaten der Parteien auseinander zu setzen. Gerade über Twitter war immer wieder davon zu lesen, dass die Zuschauer froh darüber waren, die Poitiker quasi direkt befragen zu können. Hier hat Twitter einmal mehr seine Vorteile bewiesen, indem die Politiker zum Teil immer wieder mit direktem Feedback aus dem Netz konfrontiert wurden, diese sich aber auch darüber freuten, da sie merkten, dass eine Diskussion entstehen konnte.

Hingesehen: Die Piratenpartei errang im September bei den Bundestagswahlen zumindest einen Achtungserfolg. Werden sie sich dauerhaft in der deutschen Parteienlandschaft etablieren können?

Malte und Christian: Schwierige Frage: Vor der Bundestagswahl waren wir noch etwas euphorischer, inzwischen bleibt vor allem abzuwarten, ob die Piratenpartei es schafft ihren Erfolg bei der Bundestagswahl als Ansporn zu nutzen. Doch noch zentraler bleibt die Frage, ob und in welcher Weise sie es schafft sich im kommenden Landtagswahlkampf in Nordrhein-Westfalen zu positionieren. Viele der Piraten-Themen werden auf Bundesebene verhandelt, weshalb die Piratenpartei beweisen muss, dass es sie auch noch außerhalb der Debatten um die Netzsperren und das Urheberrecht gibt. Ansonsten ist eher davon auszugehen, dass die Themen der Piratenpartei mehr und mehr von anderen Parteien (insbesondere der Grünen und der FDP) aufgegriffen werden.

Hingesehen: Könnt ihr vom Bloggen leben?

Malte und Christian: Nein, da wir homopoliticus.de komplett werbefrei betreiben, verdienen wir mit dem Projekt kein Geld.

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