Die Nr. 1 im Pott ist Bier
29. Januar 2009 | Von hofnarr.christopher | Kategorie: Sport74.000 Menschen kamen am Mittwochabend zum DFB-Pokalspiel Borussia Dortmund gegen Werder Bremen. Solche Massen sind unter der Woche für Fußball (noch dazu in einem Achtelfinale) wohl nur im Ruhrgebiet zu realisieren. Da kann Manchester City noch so viele Millionen ausgeben. Ein Erfahrungsbericht.
Auf dem Weg ins Stadion
Neben Fußball ist auch der Biergenuss fester Bestandteil des Reviers. Beides wird auch gerne kombiniert – was eine weniger gute Idee ist, da viele Fans zwar trinkfreudig, nicht aber trinkfest sind. Zu den Anfeuerungen des eigenen Vereins (“Die Nr. 1 im Pott sind wir”) und Albereien (“Wollt ihr eure Pommes – Rot-Weiß Essen”) kommt es daher auch an diesem Abend zu den leider üblichen Schmähungen der anderen Mannschaft und ihren Anhängern. Glasscherben säumen den Weg zur U-Bahn. Ich beginne mich zu fragen, ob der einzige Ostklub der Liga, Energie Cottbus, auch mit dem “Nr. 1″-Schlachtruf Anspruch auf die Krone seiner Region erhebt.
Die öffentlichen Verkehrsmittel sind mal wieder hoffnungslos überfüllt, man kommt sich zwangsläufig näher, egal welchen Verein man unterstützt. So ist sicher auch schon die ein oder andere Bekanntschaft entstanden. Der Frauenanteil der Stadionbesucher ist unter der Woche allerdings zumindest gefühlt niedriger… Einen Vorteil hat das Gedränge dann doch: Brandflecken durch fremde Zigaretten (ja, in der U-Bahn) werden umgehend durch verschüttetes Bier gelöscht!
100 Jahre Borussia Dortmund
Vor Anpfiff der Begegnung wird die ominöse Verbindung von Fußball und Religion auf eine neue Spitze getrieben. “100 Jahre BVB” heißt der Anlass für die kuriosen Feierlichkeiten. Zu den Klängen von “O Fortuna” wird im abgedunkelten Signal-Iduna-Park (formerly known as Westfalenstadion) eine geweihte Standarte mit dem Vereinslogo zum Mittelkreis getragen. Kirchenleute in klerikalen Gewändern stehen Spalier und wedeln mit Borussia-Schals. Feuerwerke, ein Opernsänger sowie zur Halbzeit ein Schlagerinterpret vollenden den Kitsch (Foto folgt). Vielleicht sollte man sich in Dortmund mehr auf Standards, denn auf Standarten spezialisieren…
Endlich: Das Spiel
Genützt hat das Brimborium jedenfalls nichts. In der ersten Halbzeit sind die Dortmunder noch drückend überlegen und führen verdient durch Alex Frei mit 1:0. Schiedsrichter Manuel Gräfe ist allerdings derart indisponiert, dass er von beiden Fangruppen als Schieber tituliert wird.
“Zum Ende hin haben wir endlich gut gestanden und dann lief’s ja auch”, bemerkt ein Bremen-Fan nach dem Schlusspfiff vor dem Stadion. Ich denke an Werders Abwehr und nicke zustimmend, werde aber eines besseren belehrt: “Also ich meine jetzt unsere Position im Block – vorher hab’ ich ja nichts gesehen…” Recht hätte er trotzdem gehabt, denn aus einer kompakten Defensive heraus bekommt Werder den Spielfluss unter Kontrolle und dreht die Partie durch Tore von Hugo Almeida und Claudio Pizarro.
Tragischer Unfall
Überschattet wurde die Verantstaltung vom Tod eines Besuchers der “gelben Wand” Südtribüne. Der 20-jährige BVB-Anhänger fiel von einem Zaun und starb sofort. Polizei und Staatsanwaltschaft schließen Fremdeinwirkung derzeit aus.
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Oh man, also S-Bahn fahren an Spieltagen ist nichts, dass ich vermisse. Rein traditionell bin ich für Dortmund, wahrscheinlich weil ich da mal gewohnt habe. Schon bevor ich damals ins Ruhrgebiet zog sagte mein damaliger Deutschlehrer (ein unheimlich viel rauchender Kerl in existentialistischem Schwarz): Dortmund, das sei Bier und Fussball. Bier und Fussball live ist nicht unbedingt die harmloseste aller Kombinationen.
Tut mir leid, dass beim Spiel jemand gestorben ist.