Von Show und Kommerz beim All-Star-Game
17. Februar 2009 | Von hofnarr.florian | Kategorie: SportWenn sich jedes Jahr die besten Basketballer der nordamerikanischen Profi-Liga treffen, geht es nicht wirklich um das Gewinnen. Vielmehr steht die Show im Vordergrund. Die NBA, so der offizielle Liganame, präsentiert sich und ihre Stars für die internationale Medienlandschaft, um im großen Stil die Werbetrommel zu rühren.
So auch dieses Jahr in der Wüste Arizonas in Phoenix. Schon Tage vor dem dreitägigen Basketballspektakel ist die Stadt nicht wieder zuerkennen: Überdimensionale Poster mit Porträtaufnahmen der Superstars der Liga schmücken Hochhäuser und zahlreiche Fans bevölkern die Wüstenstadt. Das „Allstar Weekend“ setzt sich aus mehreren Veranstaltungen zusammen, deren Höhepunkt das Spiel der besten Spieler des Westens gegen die besten Spieler des Ostens am Sonntagabend ist. Das Event wurde in 215 Länder live im Fernsehen übertragen. Auch in Deutschland zeigte das ZDF seit langem wieder NBA-Basketball. Über 300 akkreditierte Pressemitglieder sorgten für den nötigen Medienrummel, den die Liga und ihr Commissioner David Stern sich wünschten, um die nötige Popularität zu erreichen.
In diesem Jahr ist das Medienspektakel nötiger denn je, weil auch die NBA die Folgen der Finanzkrise zu spüren bekommt. Ihre Prognosen für das nächste Jahr wurden herunter geschraubt und einige Teambesitzer planen, sich noch in den nächsten Tagen von teuren Spielern zu trennen, um die Gehälter zu reduzieren. So will der Besitzer der Phoenix Suns, Robert Sarver, rund 40 Millionen Euro einsparen. Deswegen könnte es passieren, dass vor dem Ende der Transferphase am kommenden Donnerstag noch viele Superstars, wie zum Beispiel Amaré Stoudemire, den Club wechseln werden. Die Finanzkrise macht also auch nicht vor dem Profisport halt. Die Gehaltsdimensionen sind andere als in Europa. Stoudemire zum Beispielt verdient rund 15 Millionen Dollar pro Jahr und ist damit nicht einmal Topverdiener. Um die Gehälter wenigstens ein wenig zu begrenzen, gibt es einen so genannten „Salary Cap“, der momentan bei 58,68 Millionen Dollar jährlich liegt. Für jeden Dollar, den ein Team mehr an Gehältern ausgibt, muss es einen weiteren an Steuern zahlen.
Expansion nach Europa und Asien
David Stern möchte schon seit langem seine Liga nach Europa und Asien expandieren. Mittlerweile absolvieren immer öfter Mannschaften Vorbereitungsspiele in Asien und Europa. In einigen Jahren könnte es laut Stern sogar passieren, dass es feste Mannschaften auf anderen Kontinenten gibt, die am Spielbetrieb teilnehmen. Schon jetzt ist zum Beispiel China sehr attraktiv für den Profibasketball. Dank chinesischer Spieler wie Yao Ming ist die NBA im asiatischen Raum ziemlich populär. Basketballspiele werden dort sogar vom Staatsfernsehen gezeigt. Wie jedes andere Unternehmen sieht auch die Profiliga in China die Möglichkeiten durch die riesige Bevölkerung neue Absatzmärkte zu erschließen.
Anders als in Europa definieren die Amerikaner ihren Sport besonders gerne über individuelle Spieler. Die Gesichter der Stars werden viel mehr ausgenutzt und benutzt als man es zum Beispiel von der deutschen Fußball-Bundesliga kennt. Schon im Vorfeld des Duells von Ost und West wurde es als Duell der wohl aktuell besten Spieler der Welt, Kobe Bryant und LeBron James, bezeichnet. Zwischen ihnen sollte sich ein heißes Duell um die so genannte MVP-Trophäe, Auszeichnung für den besten Spieler, entwickeln. Zumindest war das die Wunschvorstellung der Liga-Funktionäre, denn die beiden sind die absoluten Aushängeschilder der Liga. Auch der alternde Centerspieler Shaquille O’Neal dürfte Stern gefallen haben, denn mit dem Gewinn der Co-MVP-Trophäe zusammen mit seinem alten Teamkollegen Kobe Bryant gab es eine weitere Pressemitteilung, die um die ganze Welt ging. Zu gemeinsamen Lakers-Zeiten waren sich die Stars nicht immer grün gewesen. Das ergebnis des Spieles selbst war eher unwichtig. Der Westen spielte sich einen großen Vorsprung herraus und so gab es im vierten Viertel leider keine Spannung mehr, aber dafür viele spektakuläre Dunks und Aktionen. Bei einem der Höhepunkte des Events, dem Dunking-Wettbewerb, gewann Nate Robinson, der lediglich 1,75 Meter groß ist. Mittlerweile wurden bezüglich dieses Wettbewerbs viele kritische Stimmen laut, weil Teilnehmer Rudy Fernandez, aus Spanien, relativ wenige Punkte von der Jury für seine Versuche beim Wettbewerb erhielt. Zwei TV-Kommentatoren, die beiden ehemaligen Spieler Reggie Miller und Kenny Smith, machten sich sogar über Fernandez Dunks und dessen Erinnerungsgeste an Fernando Martín, erster Spanier in der NBA, lustig. Insgesamt wirkte dieser Teil des Wochenende sehr inszeniert, da er als Duell zwischen Robinson und Dwight Howard dargestellt wurde, die dann auch in das Finale einzogen.
Werbung im US-Sport
Sponsoren spielen im amerikanischen Sport eine große Rolle. Fernsehübertragungen füllen die vielen Auszeiten mit Werbespots. Hier bietet Basketball ideale Vorrausetzungen für die Vermarktung, viel bessere als zum Beispiel Fußball. In Auszeiten, Viertelpausen und Halbzeit kann ordentlich Geld verdient werden. Zudem wurde in den letzten Jahren verstärkt Werbung direkt in die Übertragung und das Spiel aufgenommen. Besonders Highlights tragen dann als Prefix einen Firmennamen oder die Kommentatoren weisen, allerdings nur bei kleineren regionalen Sendern, selbst auf Produkte hin. Der Sport muss aufpassen, dass es nicht zu viel mit der Werbung wird.
Auch beim Allstar-Wochenende gab es mehr als genug Kommerz. Der „Sprite Slam Dunk Contest“, der „Footlocker Three Point Shoot Out“ und der „Playstation Skillz Challenge“ sind nur einige Beispiele für bestens platzierte Werbung.
Die NBA ist eine Profiliga, die oft mehr den Anschein eines Unternehmens hat. Die deutschen Ligen können in Größe und Umsatz noch einiges von ihr lernen. Aber sollten sie das überhaupt? Was denkt ihr?
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