Erdbeben, Tsunami, Atom-GAU – Ereignisse in Japan zusammengefasst
13. März 2011 | Von hofnarr.christopher | Kategorie: Hingesehen-FeaturesDie verheerende Naturkatastrophe in Japan bewegt die Welt. Hingesehen verfolgt die Ereignisse bereits seit Freitag und versucht das Durcheinander der Informationen zu ordnen.
Tag 8
Update: Die japanische Regierung hat erstmals Fehler im Umgang mit der Atomkrise eingestanden. Rückblickend hätten Informationen noch effizienter verarbeitet werden können, sagte Regierungssprecher Yukio Edano.
Die erste Woche nach dem Erdbeben ist vergangen. Die offiziell bestätigte Zahl der Toten steigt weiter auf 6.539 Opfer. Auch die Zahl der vermissten musste erneut angehoben werden, 10.354 Menschen werden demnach noch vermisst.
Der Leiter der US-Militärhilfe ist Medienberichten zufolge “vorsichtig optimistisch”, dass eine vollständige Kernschmelze doch noch abgewendet werden kann. Der Einsatz von Militärhubschraubern und Wasserwerfern gestern soll die Reaktoren erreicht haben. Die Aktion zur Kühlung des Systems wird daher heute wiederholt werden.
In den Notunterkünften wird die Lage derer, die ihre Häuser und Hab und Gut verloren haben, immer schlimmer. Bei Temperaturen um den Nullpunkt werden Kälte und mangelnde Nahrungsversorgung immer stärkere Probleme.
Die japanische Bevölkerung wird währenddessen dazu aufgerufen, Strom zu sparen. In seinem Aufruf appellierte der Handelsminister auch an die Unternehmen im nicht von der Katastrophe betroffenen Westen des Landes. Sie sollen die Produktion erhöhen, um die Ausfälle der Firmen im Osten aufzufangen.
Tag 7
Update: Nach Deutschland, den übrigen EU-Staaten, Russland und China hat nun auch US-Präsident Barack Obama eine Sicherheitsüberprüfung der Kernkraftwerke in seinem Land angeordnet.
Die offizielle Zahl der Toten steigt auch an diesem Tag weiter an. Von 5.178 Opfern in Folge des Erdbebens und Tsunamis ist nun die Rede, 8.606 Menschen sind noch als vermisst geführt. Die Hoffnung, noch Lebende zu bergen, ist nach so vielen Tagen sehr gering.
Obwohl die Strahlung rund um das AKW Fukushima-Daiichi nicht nachgelassen hat und die Lage nach wie vor nicht unter Kontrolle ist, besteht auch wieder etwas Grund zur Hoffnung: Die Notstromleitung zum AKW soll nach Angaben des Betreibers Tepco fast fertig sein. Die Kühlung der Reaktoren könnte damit wieder in Betrieb genommen werden.
Tepco soll für die Rettungsarbeiten am AKW einen Freiwilligenaufruf gestartet haben, dem unbestätigten Berichten zufolge rund 20 Menschen mit Erfahrung in der Kernenergie Folge geleistet haben.
Tag 6
In den offiziellen Angaben ist heute von insgesamt 4.277 Toten durch das Erdbeben und den Tsunami die Rede. Etwa 8.200 Menschen wurden darüber hinaus bislang als vermisst gemeldet.
Experten der franzözischen Atomaufsicht IRSN rechnen in den nächsten 48 Stunden mit einer Kernschmelze in Fukushima I. Spiegel Online zufolge hat Japan trotzdem russischen Nuklearexperten, die Erfahrungen aus der Tschernobyl-Katastrophe 1986 haben, die Einreise verweigert.
Der Wind im Nordosten Japans hat indes im Vergleich zu gestern gedreht und würde radioaktive Partikel aus Fukushima wohl nicht nach Süden Richtung Tokio, sondern aufs offene Meer tragen.
Bundespräsident Christian Wulff hat unterdessen zu Spenden aufgerufen und dabei das Deutsche Rote Kreuz empfohlen, das die Spenden gezielt weiterleiten könne.
Nach der Entscheidung in Deutschland sieben Meiler vorübergehend vom Netz zu nehmen und die Überprüfung der Atomkraftwerke in der EU will auch Russland seine Kraftwerke einem Sicherheitscheck unterziehen. Auch China, das im großen Stile auf die Kernenergie setzen wollte, hat die Bewilligung weiterer Kernkraftwerke vorerst ausgesetzt. Davon sind 28 geplante AKW betroffen.
Tag 5
Update: Immer mehr Arbeiter am AKW Fukushima werden abgezogen. Zunächst waren rund 800 Menschen damit beschäftigt, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Diese wurde später auf 50 – und nun wohl noch weiter – reduziert, da die Strahlenbelastung zu hoch wird. Wie die Reaktoren so noch gerettet werden sollen, ist unklar. Dem Vernehmen nach sind sogar amerikanische Soldaten vor Ort im Einsatz. Es wird überlegt, Hubschrauber einzusetzen, um das AKW aus der Luft zu kühlen.
In der vergangenen Nacht gab es eine weitere Explosion in Fukushima, diesmal war Reaktor 2 betroffen. Damit gab es in allen vor dem Erdbeben laufenden Reaktoren des AKW eine Explosion. Reaktor 4 war am Freitag zu Wartungsarbeiten ohnehin nicht am Netz gewesen. Doch mittlerweile wurde auch dort ein Brand bestätigt. Ebenso sollen Agenturberichten zufolge die Kühlungssysteme in Block 5 und 6 nicht richtig arbeiten.
Ministerpräsident Naoto Kan bestätigte, dass die Strahlungsbelastung rund um das Kraftwerk hoch sei. Laut International Atomic Energy Agency (IAEA) unter Berufung auf japanische Behörden liegt die Belastung am AKW bei 400 Millisievert pro Stunde – der Dosisgrenzwert in Deutschland beträgt ein Millisievert im Jahr.
Auch im südlich gelegenen Tokio wird bereits eine höhere Strahlenbelastung gemessen, die aber noch nicht im gesundheitsschädlichen Bereich liegt. Es soll zu Panikkäufen in der Hauptstadt kommen. In der Großregion leben 37 Millionen Menschen. Immerhin: Die hohen Strahlungswerte in Fukushima seien vermutlich nicht von Dauer, sagte Regierungssprecher Yukio Edano.
Innerhalb Japans soll es Kommunikationssschwierigkeiten bei den offiziellen Angaben geben. Die Agentur Kyodo zitiert Ministerpräsident Kan wie folgt: “Das Fernsehen hat über eine Explosion berichtet. Aber zwei Stunden lang wurde dem Büro des Ministerpräsidenten nichts mitgeteilt. Was zum Teufel ist hier los?”
Der japanische Aktienindex Nikkei stürzte unterdessen wie zu erwarten ab, verlor am ersten Handelstag nach dem Beben 10,6 Prozentpunkte. Weltweit waren teils starke Verluste im Aktienhandel die Folge, in Deutschland litten insbesondere die Stromkonzerne, die AKW betreiben.
Tag 4
Update: Nach Quellen aus Regierungskreisen berichtet Focus Online, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Pressekonferenz um 16 Uhr mit Guido Westerwelle die Aussetzung der Verlängerung der AKW-Laufzeiten bekannt geben will.
In Reaktor 3 in Fukushima hat sich – wie vorgestern schon in Reaktor 1 – eine Explosion ereignet. Sie sei heftiger gewesen als die vorhergegangene, der Reaktorkern sei nach ersten Strahlungsmessungen aber nicht beschädigt. Für den zweiten Reaktor hieß es zunächst, es sei gelungen, die Reaktoren dauerhaft zu kühlen. Dann kam die Meldung, dass die Brennstäbe nicht mehr von Meerwasser umgeben seien. Mittlerweile sei dieser Zustand wieder behoben.
Japan wird weiterhin von teils heftigen Nachbeben erschüttert. Alleine gestern gab es drei der Stärke 6 und mehr. In einer Küstenregion hat die Polizei den Fund von rund 1.000 weiteren Leichen bestätigt. Die Opferzahl steigt damit tragischerweise wie erwartet weiter stark an. Aktuell liegt sie offiziellen Angaben zufolge bei rund 5.000, doch die Behörden gehen davon aus, dass auch diese Zahl noch angehoben werden muss.
Ein Energieexperte des WDR sagte auf Hörerfrage hin, dass aktuell in Deutschland pro Jahr rund 25 Prozent des produzierten Stroms gar nicht ins System gingen und dass die deutschen AKW rund 20 Prozent des Stromverbrauchs produzierten. Ihmzufolge wäre der Bedarf also auch gedeckt, wenn alle AKW abgeschaltet würden.
Japan hat unterdessen die EU-Staaten aufgefordert, keine weiteren Hilfstrupps und -güter zu schicken. Aufgrund der logistisch kaum zu überblickenden Lage könnten diese derzeit nicht effektiv eingesetzt werden.
Die Schweizer Regierung wird Pläne zum Bau neuer AKW als Reaktion auf die Ereignisse in Japan zunächst ruhen lassen.
Tag 3
Update: Ein WDR-Reporter, der mehrere Jahre in Tokio lebte, berichtet gerade, dass viele der Japaner, die der englischen Sprache mächtig sind, das Land bereits verließen. Diejenigen, die auf die Berichterstattung der japanischen Sender angewiesen sind, scheinen die Dramatik der Lage – gerade in den AKW – gar nicht zu erkennen, so seine Vermutung.
Die Folgen der Katastrophe sind nach wie vor kaum zu überblicken. Alleine in der Küstenstadt Minamisanriku werden knapp 10.000 Menschen vermisst. Die offizielle Zahl der Todesopfer liegt nach Polizeiangaben heute über 1.000. Die Menschen in Japan bleiben dem Vernehmen nach trotz Nahrungsengpässen und Stromausfällen relativ ruhig.
Weltweit wird jedoch mit Bangen auf die Lage der Atomkraftwerke geblickt. Nach der vermutlich stattfindenden Kernschmelze in Fukushima wurde heute auch Atom-Alarm in den AKW Onagawa und Tokai ausgelöst. Auch hier ist die Kühlung der Brennstäbe nach dem Ausfall des Notstroms das Problem.
Nach Angaben der UNO wurden mittlerweile rund 600.000 Menschen evakuiert. Aktuell stehen die Windvorhersagen im Falle eines Super-GAUs “günstig”, eine kontaminierte Wolke würde auf den offenen Pazifik abdriften und dort abregnen. Ab Dienstag soll sich der Wind allerdings wenden und dann wäre im schlimmsten Fall sogar die 37-Millionen-Metropole der Großregion Tokio betroffen.
Die japanische Wetterbehörde ließ unterdessen verlauten, dass in den nächsten drei Tagen mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent mit einem weiteren Beben der Stärke 7 oder mehr zu rechnen sei. Die Stärke des ersten verheerende Erdbebens wurde von den örtlichen Behörden nachträglich auf 9,0 korrigiert.
Das Auswärtige Amt hat indessen die rund 100 Deutschen in der Krisenregion kontaktiert und wird diejenigen, die dies wünschen, außer Landes bringen. Die Debatte in der Bundesrepublik um die Nutzung von Atomenergie im eigenen Land wird vorsichtig begonnen. Obwohl sowohl Außenminister Guido Westerwelle (FDP) als auch Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und SPD-Chef Sigmar Gabriel betonten, dies sei nicht die Zeit für parteipolitische Diskussionen, fordern einige Politiker eine neue Diskussion zum Thema. Selbst Röttgen äußerte sich in diese Richtung.
Tag 2
Update 2: Offenbar fand die Explosion nicht direkt am Reaktor statt, sondern nur in einem Raum in der Nähe. Der Stahlschutz um den Reaktor sei noch intakt. Nun will die Betreibergesellschaft mit Meerwasser kühlen. Falls diese Informationen stimmen sollten, könnte der GAU doch noch aufgehalten werden. Derweil wird das Gebiet um ein weiteres AKW evakuiert, auch dort gibt es Probleme mit der Kühlung.
Update: Die japanischen Behörden haben offiziell bestätigt, dass es im AKW Fukushima 1 eine Kernschmelze gegeben hat. Das berichtet ARD-Korrespondent Hetkämper. (Quelle: Tagesschau Online)
Die Gefahr eines atomaren Ernstfalls in Japan spitzt sich dramatisch zu. Nach dem verheerenden Erdbeben und anschließenden Tsunami bereitet im Ausland vor allem das beschädigte Atomkraftwerk Fukushima 1 Sorge. Dort war bereits gestern ein Brand ausgebrochen, zudem ist die Notstromversorgung zur Kühlung des Reaktors ausgefallen. Der Reaktor sei dort jedoch noch nicht betroffen gewesen sein. In den letzten Stunden hatte sich der Druck allerdings immer weiter erhöht, sodass leicht radioaktiv verseuchter Druck abgelassen werden musste.
Vor wenigen Stunden ereignete sich dann eine Explosion. Zunächst hieß es, der Reaktor selbst sei nicht betroffen, mittlerweile hat der japanische Regierungssprecher bestätigt, dass das Reaktorgebäude zerstört ist. Diese Vermutung hatte zuvor auch der ehemalige Leiter der Bundesatomaufsicht Wolfgang Renneberg im ZDF geäußert. Der radioaktiv betroffene Wind wird sich laut Deutschem Wetterdienst wohl nicht weit ausbreiten, allerdings könnten die Philippinen in fünf Tagen von einer radioaktiven Wolke betroffen sein. Die Evakuierungszone um das AKW wurde von zehn auf zwanzig Kilometer ausgeweitet. Es werden Jodtabletten als Akuttherapie gegen die Strahlung verteilt.
Eine Gefährdung Deutschlands kann nach Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) “praktisch ausgeschlossen werden”, heißt es in einer dpa-Meldung. Röttgen hatte vor einigen Monaten die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke in Deutschland der schwarz-gelben Regierung mitgetragen.
Tag 1
Update 2: Im Norden Japans hat es dem Vernehmen nach erneut ein schweres Beben der Stärke 6,6 gegeben.
Update: Nach Angaben der Agentur Kyodo ist das Feuer im AKW Onagawa ist gelöscht und es sei keine Strahlung ausgetreten. Dafür ist die offizielle Zahl der Todesopfer dramatisch nach oben korrigiert worden. Mehrere Hundert Menschen sind umgekommen.
Nach schweren Erdbeben und einem Tsunami versuchen die japanischen Behörden Überblick über das entstandene Chaos zu erhalten. Die Flutwelle war durch das Beben der Stärke 8,9 entstanden und sorgte für verheerende Auswirkungen im ganzen Land. Die Ostküste der Hauptinsel Honschu wurde überflutet, auch die Hauptstadt Tokio ist von dem Beben betroffen. Besonders heftig wurde der Nordosten des Landes getroffen. Offiziellen Angaben zufolge starben acht Menschen, andere Quellen berichten von höheren Zahlen. Immerhin hatten die Frühwarnsysteme funktioniert und viele Menschen verließen die Küstenregionen rechtzeitig.
Die Folgen der Katastrophe gehen jedoch noch weiter und sind derzeit noch nicht absehbar. So hieß es zunächst, dass sich alle Atomkraftwerke abgestellt hätten. Doch mittlerweile gibt es Berichte, dass ein AKW in Flammen steht. Wie es um radioaktive Verstrahlung steht, ist noch nicht geklärt. Eine Ölraffinerie in der Nähe Tokios explodierte. Darüber hinaus werden weitere Nachbeben und Flutwellen werden erwartet. Die Tsunami-Warnung wurde mittlerweile auf 19 Länder ausgeweitet.









[...] Verlängerung der AKW-Laufzeiten bekannt geben will. Die Atom-Diskussion hierzulande war durch die gefährliche Situation in Japan neu angefacht worden. Unter anderem hatte sich Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) aus den [...]
Ein Staat in Mitteleuropa besitzt in seiner präsentablen Hauptstadt öffentliche Verkehrsbetriebe. Und trotz aller Bemühungen kann man dort seit J A H R E N nicht einmal einen halbwegs geordneten S-Bahn-Verkehr für Millionen Nutzer sicherstellen. Nicht einmal auf dem Niveau von 1939!
Dieser Staat will von profitorientierten, frei handelnden Unternehmen Atomkraftwerke betreiben lassen und maßt sich an, deren Sicherheit überwachen zu können?
Wer das glaubt, der meint wohl auch, das das Wort “Rest-”Risiko nicht korrekter mit “hunderttausendfacher Strahlentod” übersetzt werden muss.
Übrigens sprechen wir von Berlin. Und 1939 gab es noch keine Atomkraftwerke.
Warum ausgerechnet 1939?
[...] japanische Notenbank druckte im Zuge der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in Japan (Hingesehen hat die Ereignisse der ersten Woche in einer Chronik zusammengestellt) spontan die Rekordsumme von umgerechnet mehreren hundert Milliarden Euro. Damit erzeugte die [...]