Eva Herman und die Loveparade
28. Juli 2010 | Von hofnarr.florian | Kategorie: GesellschaftDie Tragödie in Duisburg ist noch keine Woche alt. Die tiefen Wunden, die die tödliche Massenpanik während der Loveparade hervorgerufen hat, sind noch lange nicht verheilt und die Verantwortlichen noch nicht bestraft. Es wird noch einige Zeit dauern, bis dieser Vorfall auch nur ansatzweise verarbeitet sein kann – besonders für die Hinterbliebenen der Opfer.
Doch für eine Frau scheint dies alles keine Rolle zu spielen. Schon einen Tag nach der Katastrophe rieb sie ordentlich Salz in die frischen Wunden. Es geht um Eva Herman, die beim Kopp-Verlag einen Kommentar zur Loveparade veröffentlichte. Die Ex-Journalistin hat sich mittlerweile scheinbar in eine christliche Fanatikerin verwandelt, der es an jeglichem Realitätsbezug fehlt. In ihrem Artikel vergleicht sie die Loveparade mit dem biblischen Sodom und Gomorrha. Für alle Nicht-Bibel-Leser: Die zwei Städte Sodom und Gomorrha sind Gegenstand einer Erzählung im Alten Testament, die durch Gott unter einem Regen aus Feuer und Schwefel begraben werden, weil sie der Sünde „anheim gefallen“ waren.
Jetzt hat sich Gott also die “Sündiger” der Loveparade vorgenommen. So sieht es zumindest die ehemalige Sprecherin der “Tagesschau”: „Für die Zukunft wurden jedoch Weichen gestellt: Denn das amtliche Ende der »geilsten Party der Welt«, der Loveparade, dürfte mit dem gestrigen Tag besiegelt worden sein! Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen! Grauenhaft allerdings, dass es erst zu einem solchen Unglück kommen musste.“
Auch die Schuldigen sind für sie schnell gefunden. Nein, nicht die Organisatoren oder die Politik, sondern die 68er: „Wer sich betrunken und mit Drogen vollgedröhnt die Kleider vom Leib reißt, wer die letzten Anstandsnormen feiernd und tanzend einstürzen lässt, und wer dafür auch noch von den Trägern der Gesellschaft unterstützt wird, der ist nicht weit vom Abgrund entfernt. Die Achtundsechziger haben ganze Arbeit geleistet! Sie wussten, was sie erwartet, haben sich freiwillig dazu entschieden, hierher zu kommen. Viele Mädchen haben den Busen blank gezogen, manche sind fast völlig nackt. Sie wiegen sich in ekstatischer Verzückung im ohrenbetäubenden Lärm, Begriffe wie Sittlichkeit oder Anstand haben sich in den abgrundtiefen Bassschlägen ins Nichts aufgelöst“, schreibt Herman.
Eine rächende transzendente Macht hat also dem sündigen Verhalten auf der Loveparade Einhalt geboten? Die einundzwanzig Toten waren ein Opfer für eine “grauenhafte”, aber notwendige Sache?
Sicherlich nicht. Zuerst einmal ist die Freizügigkeit, die auf der Loveparade ausgelebt wird, wirklich nicht jedermanns Sache. Wer sich aber an diesem Event nicht beteiligen möchte, der kann ihm fern bleiben. Das ist der Vorteil einer liberalen Gesellschaft. Jeder kann tun und lassen, was er möchte. Die einen tanzen auf der Loveparade, die anderen beten im Kloster. Jedem das Seine.
Die Schuld auf die 68er zu schieben ist absurd. Die Opfer mussten sterben, weil die Feier miserabel organisiert war und nicht, weil sie ihre T-Shirts auszogen und nackte Haut zeigten. Zur Schuldfrage kann man sich sehr gut beim Spiegelfechter informieren. Herman aber verkennt die Realität und argumentiert in ihrer kleinen christlich-fanatischen Welt.
Der rächende Gott, der von Herman angeführt wird, ist Bestandteil des Alten Testaments und heutzutage nur noch bei wenigen Christen Teil ihres Glaubens. Es ist doch bezeichnend, dass selbst der trauernde Papst von einem „barmherzigen, himmlischen Vater“ spricht, dem er die Opfer der Katastrophe anvertrauen möchte. Das Oberhaupt der katholischen Kirche übt keine Kritik am angeblich sündigen Verhalten der Jugendlichen, sondern trauert um die Opfer. Das hätte Eva Hermann besser auch getan.
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