Magath: Geld regiert die Bundesliga-Welt
6. Mai 2009 | Von hofnarr.christopher | Kategorie: SportDie Feststellung, dass auch und in besonderem Maße die Bundesliga vom schnöden Mammom regiert wird, ist wahrlich nicht neu. Nicht umsonst wurde Bayerns Einkaufstour im Sommer 2007 mit dem Deutschen Meistertitel belohnt: Für rund 70 Millionen Euro kamen Topstars wie Franck Ribéry, Luca Toni und Miroslav Klose. Im Winter wurde für weitere 12 Millionen Euro nachgelegt, in Person des bisher mittelmäßig aufgetretenen Brasilianers Breno.
Spätestens mit Wegfall der Gehälterobergrenze Anfang der 70er-Jahre wurde es zur Binsenweisheit, dass – trotz aller Beteuerungen – meist nicht die sportliche Perspektive, sondern finanzielle Aspekte ausschlaggebend für Wechsel innerhalb der Liga sind. Ein besonders emotionales Beispiel hierfür ist etwa der Brasilianer Ailton, der bei Werder Bremen seine ersten Schritte in Europa machte, dort zum Top-Torjäger reifte – und im Herbst 2003 für viel Geld bei Schalke 04 unterschrieb. Das Ende der Geschichte ist bekannt: Ailton trumpfte im letzten Jahr an der Weser auf wie nie zuvor, erzielte 28 Liga-Tore und holte das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal. Unter Tränen verließ er Werder und fand weder auf Schalke noch bei seinen zahlreichen weiteren Stationen (darunter Hamburg, Duisburg und Altach) auch nur annähernd zu alter Form zurück.
Ist Geld mehr Wert als ein Meistertitel?
Dieser Entwicklung setzt nun Felix Magath mit seinem Weggang aus Wolfsburg, aller Voraussicht nach zu Schalke 04, eine neue Krone auf. Zwar wurde er in seiner Doppelfunktion als Manager und Trainer des VfL zu Beginn der Amtszeit 2007 noch belächelt, schließlich war ein sechster Tabellenplatz bis dahin das beste Ergebnis des Werksklubs. Doch schon im ersten Jahr wurde dieser Rekord mit Platz 5 und der damit erreichten UEFA-Cup-Qualifikation verbessert. In dieser Saison führen die “Wölfe” die Bundesliga seit sechs Spieltagen an und demütigten Rekordmeister Bayern gar mit 5:1. Vier Spiele vor Saisonende stehen sie damit kurz vor ihrem ersten Titel.
„Wir haben die uns gesteckten sportlichen Ziele wesentlich schneller erreicht, als wir es gemeinschaftlich im Sommer 2007 bei meinem Amtsantritt formuliert haben“, wird der Trainer in der offiziellen Pressemitteilung zum Wechsel vom Verein zitiert.
Was spricht also gegen ein Bleiben? Der Erfolg ist da, Magath hat alleinige Entscheidungskraft im sportlichen Bereich, die Stimmung ist enthusiastisch und Geld sollte durch VW im Rücken doch auch da sein. Aber halt, angeblich liegt gerade da der Hund begraben. Medienberichten zufolge forderte Magath vom VfL für eine vorzeitige Vertragsverlängerung eine Verdopplung (!) seiner derzeitigen Bezüge, die auf etwa 2,5 Millionen Euro pro Jahr geschätzt werden. Anscheinend ist Schalke – mit Investor Gazprom – eher dazu bereit, diese Summe zu stemmen.
Wie reagiert die Mannschaft?
Gegenüber seiner aktuellen Elf hat der 55-jährige Fußball-Lehrer seinen Abschied schon angekündigt. Wie diese die durch die Spekulationen entstandene Unruhe verarbeiten wird, darf hingegen kritisch beobachtet werden. Ausgerechnet im wichtigsten Saisonendspurt der Vereinshistorie packt der “Alleinherrscher” seine Koffer und sorgt für Medienwirbel. Zudem darf der Rest der Führungsriege schonmal schauen, wie die beiden frei werdenden Stellen besetzt werden.
Bis zum letzten Wochenende hatte der Trainer und Sportdirektor in Personalunion nach jedem Wolfsburger Sieg erklärt, dass Bayern die Meisterschaft gewinnen werde. Dadurch hat er bewusst auf die Euphoriebremse getreten und versucht, den Druck von seinen Spielern zu nehmen. Nach dem Erfolg gegen Hoffenheim zuletzt änderte sich die Parole, kurz nachdem die Gerüchte um den Schalke-Wechsel an Fahrt gewannen. Die Frage lautet jetzt: Reichen die Konditionsstunden von “Quälix” aus oder hätte man besser auf einen Psychologen setzen sollen?
Magaths Deutschland-Tournee
Der FC Schalke wird übrigens bereits Magaths achte Trainerstation in der Elite-Klasse des deutschen Fußballs. Über Hamburg, wo er als Aktiver noch den Europapokal gewonnen hatte (durch sein Tor gegen Juventus 1983), Bremen, Nürnberg, Frankfurt, Stuttgart, München und eben Wolfsburg führt der Weg jetzt erstmals ins Ruhrgebiet. Der Erfolg gibt Magath Recht: Zweimal holte er mit Bayern das Double, mit Stuttgart wurde er Vizemeister und schaffte damit überraschenderweise die Qualifikation für die Champions League. Doch ob ein – meist unfreiwilliger – Wandervogel endlich für Ruhe bei den Königsblauen sorgen kann?
Es ist zu erwarten, dass Magath bei Amtsantritt im Sommer von der Tradition seines neuen Vereins schwärmen wird. Zurecht. Der entscheidende Grund für den Wechsel wird allerdings eher auf seinem Kontoauszug zu finden sein.
Lesetipp:
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Meine Meinung zum Magath-Wechsel siehe 11Freunde..
kleine Korrektur: Magath wurde mit Stuttgart nur Vize-Meiste, aber selbst das war überraschend.
Magath wurde nie Meister mit Stuttgart! – er schafft aber Platz 2 und damit die CL-Qualifikation.
Der Vergleich zwischen VW und Gazprom hinkt ein wenig, da VW aktuell ja auf Umweltprämie und ähnliches angewiesen ist wohingegen Gazprom wie alle Energieversorger weltweit ihre Preise weiter künstlich, ohne Angabe von Gründem und mit der Unterstützung der “demokratischen” Politik in Russland in die Höhe treiben können. Man muss als Verein nur die richtigen Geld-QUELLEN anzapfen um sich langfristig immer wieder solche Verstärkungen leisten zu können.
Vielleicht sollte man auch darüber mal schreiben…
BG
@Chrischel und Andreas: Danke fürs aufmerksame Lesen.
Da ist uns wohl ein blöder Fehler unterlaufen. Ich habe es im Text korrigiert.
Zum Thema Gazprom: Die Unternehmen VW und Gazprom sind sicherlich ganz unterschiedlich. Die Gemeinsamkeit in Sachen Fußball ist aber, dass beide Sponsoren große Mengen Geld zur Verfügung stellen. Volkswagen und der Verein Wolfsburg hätten Magath sicher ein größeres Gehalt zahlen können, vermutlich wollten sie es aber nicht – was auch verständlich ist.
Ja mein lieber ! So ist Fussball eben. So ist das im Fussball. Selbst wenn Wolfsburg unter Magath groß rausgekommen ist. So ist Schalke viel Größer ! Das liegt schon alleine am Geld von Gazprrom. Und Geld und Macht stinkt ja net! So kommt eins zum anderen! Nur so 4 Spieltage vor Saisonabschluss plus vermutete Meisterschaft, das ist ein wenig zu unglücklich. Kann einer sagen, was er wolle!
Stichwort: Mannschaftspsyche eben doch!
L.G
Martina
@Chrischel und Andreas: Danke für den Hinweis, ihr habt natürlich völlig Recht und die Meisterschaft war unter Veh. Wie Flo mir intern schon zurecht vorgehalten hat: Und das mir!
@Martina: Mit der Begründung “so ist das halt” wollte ich mich nicht zufrieden geben. Das ist ja schließlich keine feste Gesetzmäßigkeit, Gegenbeispiele wie etwa Marco Bode in Bremen gab es ja auch immer. Paolo Maldini beim AC Milan wäre noch aktueller, allerdings spielt der eben auch bei einem der größten Vereine der Welt.
Was den Saisonendspurt des VfL angeht, kann ich zu Magaths Entscheidung zu diesem Zeitpunkt nur den Kopf schütteln.
In Bremen sind noch weitere Paradebeispiele in Sachen Vereinstreue zu finden. Leute wie Thomas Schaaf, der nun seit fast 37 Jahren für den Sv Werder aktiv ist ( Jugendspieler, Lizenzspieler, Jugend- und Amateurtrainer und jetzt seit 10 Jahren Cheftrainer) und Frank Baumann, der jetzt nach 10 Jahren Profikarriere in Bremen seine Zeit als Spieler beendet hat, zeigen Eindeutig, dass es immer wieder Charaktäre im Fußball gibt die trotz besserer Angebote den Abwanderungsgedanken verdrängen und bei ihrem Verein und in ihrem Umfeld bleiben, weil sie glücklich sind. Sie lassen sich nicht durch das große Geld blenden. Leider gibt es meines Erachtens zu wenige solcher Charaktäe im Profifußball.
Mich würde mal ein Artikel oder Meinungsaustausch über die Frage inwiefern die Gehälter im Profifußball gerechtfertigt sind interessieren.
@Christoph: Richtig ist, dass es solche Charaktere noch gibt. Ob es zu wenig sind, ist wirklich eine spannende Frage – immerhin werden durch die Vermarktung des Fußballs ja riesige Summen eingespielt. Und davon sollten schon am meisten die Spieler und nicht der Vorstand o.a. profitieren. Andererseits leisten Ärzte und Krankenschwestern (diesen Vergleich nutzte Bode übrigens selbst mal) erst einmal wichtigere Arbeit, sie verdienen trotzdem deutlich weniger. So läuft das System, in dem wir leben.
Die Anregung zu einem Artikel darüber habe ich gerne gelesen, kann jedoch nichts versprechen, da in den nächsten Wochen erst mal andere Themen Vorrang haben.