Hans-Joachim Fell: “Für tiefgründige qualifizierte Beschreibungen ist oft zu wenig Raum”

2. Juli 2009 | Von hofnarr.florian | Kategorie: Abgeordnete im Interview

Dieses Interview ist ein Beitrag aus unserer Sonderreihe zur Bundestagswahl 2009. Die komplette Übersicht der teilnehmenden Mitglieder des Parlaments findet Ihr hier.

Hans-Joachim Fell, Pressefoto

Hans-Joachim Fell, Pressefoto

Name: Hans-Joachim Fell

Partei: Bündnis 90/Die Grünen

Bio: Geboren am 7. Januar 1952 in Hammelburg, Kreis Bad Kissingen; römisch-katholisch; verheiratet, drei Kinder

Wahlkreis: Bad Kissingen/Haßberge/ Rhön-Grabfeld

Im Bundestag seit:1998

Gremien: Unterausschuss ERP-Wirtschaftspläne [Enterprise-Resource-Planning; Anm.d.Red.], Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Beruf: Gymnasiallehrer für Physik und Sport zuletzt am Humboldt-Gymnasium Schweinfurt.

Hingesehen: Was ist Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung der kommenden Legislaturperiode?

Fell: Den Abbau der gigantisch aufgetürmten Schulden mit dem ökologischen und sozialen Umbau der Gesellschaft zu verbinden.

Hingesehen:  Wird im Wahlkampf zu oft Politik mit dem Ziel der Wiederwahl auf Kosten von Nachhaltigkeit gemacht?

Fell: Ja, die Polemik ist zu viel. Sie wird aber auch durch eine Mediengesellschaft geschürt, die mehr Wert auf kurze, teilweise polemische Aussprüche legt. Für tiefgründige qualifizierte Beschreibungen ist oft zu wenig Raum.

Hingesehen: Wie soll das Bildungssystem in Deutschland zukünftig aussehen?

Fell: Wesentlich ist der ungehinderte Zugang aller zur Bildung und Verbesserung des gesamten Bildungsniveaus. Dazu gehört die Abschaffung der Studiengebühren genauso wie der garantierte Kindergartenplatz, ein Schulsystem, wo die Schulen im Wettbewerb um die beste Bildung wetteifern.

Hingesehen: Ist durch das Gesetz zur Sperrung von kinderpornografischen Inhalten im Netz der Weg zu weiterer Internet-Zensur geebnet worden?

Fell: Nein.

Hingesehen: Was muss unternommen werden, um die Krisenherde im Nahen Osten wieder zu stabilisieren?

Fell: Ein wesentlicher Punkt neben Demokratisierung, besserer Bildung und Bekämpfung des sozialen Gefälles ist die weltweite Umstellung auf Erneuerbare Energien. Erdöl ist die Triebfeder der Kriege, der Korruption, der fehlenden Rechtsstaatlichkeit und der Ausbeutung.

Hingesehen: Sind Ihrer Meinung nach Steuererhöhungen zur Entschuldung des Bundeshaushalts vermeidbar?

Fell: Entscheidend ist es, Konjunkturprogramme ohne Staatsverschuldung zu schaffen, damit Steuereinnahmen durch neue Jobs generiert werden. Nur dann sind pauschale Steuererhöhungen vermeidbar. Solche Konjunkturprogramme ohne Staatsausgaben sind möglich, vor allem um den ökologischen Umbau mit neuen Arbeitsplätzen zu schaffen. Das von mir als Autor initiierte Erneuebare-Energien-Gesetz hat eine neue Branche mit hunderttausenden neuer Jobs geschaffen. Wir wollen weitere solcher Programme.

Der Abbau der gigantisch aufgetürmten Schulden mit dem ökologischen und sozialen Umbau der Gesellschaft zu verbinden.

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