Interview mit der Partei Bibeltreuer Christen
4. Juni 2009 | Von hofnarr.christopher | Kategorie: PolitikDie Interview-Reihe zur Wahl des Europa-Parlaments am kommenden Sonntag findet mit diesem Hingesehen-Gespräch mit der Partei Bibeltreuer Christen (PBC) ihren Abschluss. Von der PBC stellte sich Dr. Detleff Karstens (68), Kandidat bei dieser Wahl und Mitglied des Bundesvorstands der Partei, zur Verfügung. Dabei ging er auch einigen sehr kritischen Fragen nicht aus dem Weg, sodass es genügend Anregungen für weitere Diskussionen geben dürfte.
Hingesehen.net: Zentrales Ziel der PBC ist es, die christlichen Werte in der Politik zu vertreten. Warum ist das notwendig? Geschieht das nicht schon zum Beispiel durch die CDU, also die Christdemokraten?
Dr. Detleff Karstens: Die Christdemokraten haben in der Gründungszeit der Bundesrepublik Deutschland unter dem Eindruck der Folgen der Gottlosigkeit des Nationalsozialismus die christlichen Werte hervorgehoben. Die Väter und Mütter des Grundgesetzes haben einen entsprechenden Abschnitt in die Präambel eingefügt: „In der Verantwortung vor Gott und den Menschen …“.
Heute fehlt es an Konsequenz bei der Durchsetzung christlicher Werte. Deshalb bezieht die Partei Bibeltreuer Christen klar Position und bringt dies auch in ihrem Namen zum Ausdruck. Beispiele sind das Lebensrecht ungeborener Kinder und die immer noch unzureichende Förderung von Familien mit Kindern.
Warum lehnen Sie den EU-Vertrag von Lissabon so vehement ab?
Die demokratische Transparenz der EU-Entscheidungen ist gering, denn die Kommissare werden nicht gewählt sondern von den Mitgliedsregierungen entsandt. Ein Hinweis auf Verantwortung vor Gott und den Menschen wie in der Verfassung der BRD fehlt völlig.
Ein Staat mit Gesetzen direkt aus der Bibel, das erinnert nicht nur an das europäische Mittelalter, sondern auch an die Schari’a des Islam. Ist ein solches Vorgehen überhaupt noch zeitgemäß?
Die Vermutung, wir wollten einen „Gottesstaat“ wie einige muslimische Gruppierungen, trifft nicht zu; sondern stehen voll hinter der demokratischen Grundordnung unseres Staates. Wir treten aber ein für die Werte der Bibel.
Die Maßstäbe in der Bergpredigt Jesu sind zeitlos gültig, ebenso die Früchte der Gottesbeziehung, welche Paulus im Brief an die Gemeinde in Galatien (Kap. 5, Vers 22 ff.) beschreibt.
Während der Wirtschaftskrise wurde in den Medien häufig das unmoralische Verhalten der Investmentbanker angeprangert. Meinen Sie, dass dadurch auch in der Gesellschaft eine stärkere Rückbesinnung auf Werte wie Rücksicht und Verhältnismäßigkeit stattfindet?
Diese Chance ist vorhanden und sollte genutzt werden. Wir sollte auch diejenigen Banken beachten, welche ihrer Aufgabe treu blieben und nicht dem giergetriebenen Streben nach Gewinn verfielen.
Die EU sollte nicht länger „freien Kapitalverkehr“ fordern und deshalb z.B. das VW-Gesetz angreifen, sondern besser dieses Gesetz als Vorbild für eine EU-Gesetzgebung zum Schutz gegen „Finanzhaie“ nehmen.
Angenommen die PBC würde mitregieren: Wie würde es mit der Toleranz gegenüber anderen Religionen oder dem Atheismus aussehen? Einerseits wurden mit der Bibel auch schon Kriege begründet, andererseits wird Nächstenliebe gepredigt. In Ihrem Grundsatzprogramm sprechen Sie auch von “antigöttlichen Praktiken”, gegen die sie vorgehen wollen.
Wenn Jesus sagte „In Demut achte einer den Anderen höher als sich selbst“, so gebietet das Toleranz. Kriege sind in der Regel durch Macht- oder Wirtschaftsinteressen begründet. Glaubensunterschiede werden gern vorgeschoben. Sie dienen oft auch nur zur Kennzeichnung der Gruppen, deren Machthaber sich bekriegen (wie im Dreißigjährigen Krieg) oder die (wie in Ruanda) Angst voreinander haben und sich damit zu schützen glauben. Ein aktuelles Bespiel hierfür ist die heutige Lage in Nigeria.
Antigöttliche Praktiken sind Okkultismus, Wahrsagerei etc. Je nach Glaubensüberzeugung kann man sie als Geschäft mit der Dummheit oder als widergöttliche Praxis ansehen. Wir werben dagegen. Wer Jesus kennt, braucht sie nicht.
Warum der PBC-Wahlslogan “Jedes 7. Kind stirbt im Bauch seiner Mutter”?
Ihre Forderung nach der Bestrafung von Schwangerschaftsabbrüchen sieht keine Ausnahmen vor. Was ist beispielsweise mit Opfern von Vergewaltigungen, für die durch eine erzwungene Austragung des Kindes neben dem erfahrenen Leid zusätzliche Schwierigkeiten entstehen?
Es ist nicht richtig, dass wir ausnahmslos die Bestrafung von Schwangerschaftsabbrüchen als Mittel zu Durchsetzung des Lebensrechts Ungeborener wollen. Zu beachten ist auch die psychische Gesundheit der Mutter, weil sie durch einen Schwangerschaftsabbruch beeinträchtigt wird. Vergewaltigungsopfer sind Einzelfälle gegenüber derzeit 115.000 Kindestötungen im Mutterleib pro Jahr und müssen als solche behandelt werden.
Sie fordern weiter, dass homosexuelle Beziehungen unter Strafe gestellt werden sollen (Anm. d. Red.: Wir bezogen uns hierbei auf Absatz 3.5 des Grundsatzprogramms der PBC, das jedoch nur auf Beziehungen zu Minderjährigen abzielt). Warum dieser Schritt zurück? Es wurde schließlich lange dafür gekämpft, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften ihren legitimen Status erlangen.
Das trifft nicht zu. Gegendarstellung von Herrn Dr. Karstens vom 5.6.09: “Das trifft so nicht zu; denn unser Grundsatzprogramm meint hier ausschließlich den Mißbrauch von Jugendlichen und Kindern durch homosexuelle Männer, im Volksmund bekannt als “Knabenschändung”. Ich kenne solche Fälle persönlich und weiß, daß solche Übergriffe an heterosexuell veranlagten Jugendlichen lebenslang als Demütigung im Gedächts bleiben.” (Ende der Gegendarstellung)
Wir akzeptieren und achten Homosexuelle als Mitmenschen. Wir lehnen aber die inzwischen weit verbreitete Werbung für Homosexualität ab. Junge Menschen brauchen Klarheit und innere Werte für ihr Leben. Die Bibel ist dafür der beste Ratgeber. Ein Strafgesetz wie ehemals §175 wäre falsch.
Wir erwarten allerdings dieselbe Toleranz von Homosexuellen. Ein Plakat „Wir sind hier, um eure religiösen Gefühle zu verletzen“ mit einem Schwein am Kreuz daneben, wie jüngst bei einer Demonstration gegen Christen in Marburg gezeigt, ist davon weit entfernt.
Die Ehe von Mann und Frau steht nach dem Grundgesetz der BRD unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung. Dieses Privileg soll erhalten bleiben und nicht durch Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Beziehungen entwertet werden. Zitat aus unserem Wahlprogramm: “Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung. Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht”. Wir lehnen die Auflösung dieses besonderen Schutzes von Ehe und Familie durch die “Gender-Ideologie” (Behauptung einer grenzenlosen “Gleichheit” der Geschlechter) im EU-Reformvertrag (Art. 2) ab.
Im Grundsatzprogramm der PBC heißt es, Sie wollen Israels arabische Nachbarstaaten zwar respektieren, sie aber dennoch mit, Zitat, „allem Einfluss“ zur Anerkennung des jüdischen Staates bringen. Wie soll dieser Einfluss aussehen?
Damit sind alle politisch-diplomatischen Mittel gemeint, nicht jedoch Gewalt, wenn Sie darauf anspielen wollen. Dazu gehört für Gläubige das Gebet für alle Völker im Orient. Dazu gehört auch Aufklärung angesichts zunehmender Holocaust-Leugnung. Das Bestreiten des Existenzrechts Israels durch Hamas und derzeit Iran muss aufhören. Die EU soll ihren Einfluss mit dem Ziel eines friedlichen Miteinander geltend machen und verhindern, dass ihre Hilfsgelder für Kampfzwecke missbraucht werden.
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