Ist Steinmeier ein zweiter Schröder?

10. April 2009 | Von hofnarr.florian | Kategorie: Politik

Wenn Gerhard Schröder etwas kann, dann ist es Wahlkampf. Legendär ist sein Auftritt während der Oder-Flut, als er in Gummistiefeln den perfekten Krisenkanzler mimte. Dieser Auftritt und seine Ablehnung des Irak-Kriegs bescherten ihm überraschend seine zweite rot-grüne Mehrheit im Bundestag. Vor dem 22. September 2002 lag lange eine Regierungskoalition aus FDP und CDU lange Zeit scheinbar uneinholbar vorne. Edmund Stoiber zeigte sich sogar am Wahlabend noch siegessicher, musste sich dann aber dem Hannoveraner geschlagen geben.

Gerhard Schröder mitten im Wahlkampf

Gerhard Schröder mitten im Wahlkampf

Das alles ist jetzt bereits sieben Jahre her. Obwohl Gerhard Schröder 2005 abgewählt wurde, sein Bundestagsmandat niedergelegt hat und seitdem nicht mehr viel mit Politik am Hut hat, prägt er noch immer das Bild der Sozialdemokraten. Nicht zuletzt weil sein alter Kanzleramtsminister, Frank-Walter Steinmeier, ihn als Kanzler beerben möchte. Daran hat natürlich auch der Ex-Regierungschef ein großes Interesse. Erstens auf Grund freundschaftlicher Verbundenheit, zweitens aus partei-internem Zusammenhalt. Aber auch ein gewisses eigenes Interesse schwingt dort mit. Würde Steinmeier mit Schröder als treibende Kraft im Hintergrund Kanzler, könnte der ehemalige Kanzler zur Legende der Sozialdemokratie aufsteigen.

Sein unrühmlicher Abschied im Jahre 2005 schmeckt dem Machtmenschen Schröder so gar nicht. Weil er aber eine Rückkehr in die aktive Politik ausschloss, wählt er den Umweg über Steinmeier, um seinen Status wieder anzuheben. So taucht Gerhard Schröder langsam wieder aus seiner politischen Versenkung auf. Wiederbelebt hat ihn neben Steinmeier besonders Franz Müntefering, ebenfalls ein alter Weggefährte. Ende März sprach dieser zwar Steinmeier seine volle Unterstützung aus, zugleich erklärte Müntefering aber wehmütig, er sähe gern wieder Merkels Amtsvorgänger Schröder im Amt. „Ich wünschte mir, er wäre es noch, gerade jetzt in Zeiten der Krise”, sagte er.

Viele inhaltliche Schnittpunkte

In dieser Aussage offenbart sich Steinmeiers Problematik. Für viele ist er nur ein zweiter Schröder. Er vertritt die gleichen Positionen wie sein alter Lehrmeister und war während dessen Amtszeit an allen großen Reformen beteiligt. Darunter fällt auch die Agenda 2010, die vor allem im linken Flügel der SPD umstritten ist. Aber er war auch gegen den Irak-Krieg, was ein großer Pluspunkt aus heutiger Sicht ist. Inhaltlich ähnelt er seinem Mentor also stark.

Der Charakter und die Mentalität der beiden unterscheiden sich jedoch sehr. Der Instinkt gesteuerte Schröder war immer für eine Überraschung gut und schlug auch mal mit der Faust auf den Tisch. Der Wahlkampf war für ihn die Krönung von Politik. Steinmeier ist da viel rationaler. Inhaltlicht auf Korrektheit bedacht – einer der lieber schweigt als etwas Falsches zu sagen. Er fährt selten aus der Haut und legt Wert auf Details. Für Schröder war im Wahlkampf die Sache selbst oft unwichtig, die Botschaft an die Wähler zählte.

Dennoch versucht Steinmeier seinen alten Lehrmeister auf Wahlkampfveranstaltungen, zumindest optisch, zu imitieren. Er krempelt die Hemdärmel hoch und redet, nein schreit fast so laut, dass seine Stimme heiser wird. Aber auch inhatlich ist er deutlich aggresiver geworden. Er trieb eine Verlängerung der “Abwrackprämie” vorran, die unter Wirtschaftsweisen umstritten, aber beim Volk beliebt ist. Dies ist zwar nicht die Aufgabe eines Außenminister, wohl aber die eines Kanzlers. Sich für einen solchen zu halten ist eigentlich noch ein bisschen früh. Doch so eine Vorgehensweise mag die SPD-Basis – ob es auch zu Steinmeier passt, ist fraglich.

Doch er will Kanzler werden und dies geht am besten mit Joker Schröder in der Hinterhand. Sein alter Mentor entwickelt sich immer mehr zur letzten Trumpfkarte des aktuellen Außenministers. Dabei hat Steinmeier bei seiner fachlichen Kompetenz einen Schröder und dessen wenig rationale Wahlkampfstrategie gar nicht nötig. Er muss sich also durchaus nicht in Schröders Schatten verstecken. Doch im Wahlkampf zählt Kompetenz und Sachkenntnis wenig. Da zählen hochgekrempelte Hemdärmel, heisere Stimmen und Kanzler in Gummistiefeln.

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9 Kommentare
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  1. Ich glaube schon das Steinmeier mit der Verantwortung umgehen könnte. Was mir nicht so gefällt ist das er von der SPD kommt.
    Ich bin der Meinung, dass es damals eine schlechte Entscheidung war Angela Merkel zur Bundeskanzlerin zu wählen. Sie hatte es sicherlich nicht einfach, aber Länder müssen nun mal von Männer regiert werden.

  2. @Paul: Also wäre die ein Kanzler von der CDU/CSU am liebsten? Seine politische Zugehörigkeit vom Geschlecht des Spitzenkandidaten/Kandidatin abhängig zu machen, halte ich für ziemlich sexistisch und fragwürdig. Was für einen Unterschied macht es, ob wir eine Frau oder einen Mann an der Spitze Deutschlands haben. Entscheidend sollte bei einer Wahl das Programm sein und nicht das Geschlecht!

  3. Ich bin überhaupt nicht sexistisch! Ich befürworte auch die Gleichberechtigung der Geschlechter.

    Allerdings bin ich der Meinung, dass ein Mann durch sein analytisches Denken und der sachlichen Auffassung besser geeignet ist um ein Land zu regieren.

  4. @ Paul: Ich finde, dass man bestimmte Attribute und Eigenschaften nicht nur nach Geschlecht zuordnen kann. Auch Frauen können analytisch Denken und eine sachliche Auffassungsgabe haben.

    Du schließt Frauen ja generell vom Posten des Regierungschef/in aus, also diskriminierst du sie auf Grund ihres Geschlechts und das ist Sexismus.

    Ich will dich nicht persönlich angreifen, aber deine Aussage konnte ich nicht so stehen lassen. ;)
    Irgendwie schweifen wir auch vom Thema ab, auch wenn dieses interessant ist.

  5. Also ich bin nun wirklich kein Freund von Angela Merkel, noch weniger der CDU. Aber eine Frau nur aufgrund ihres Geschlechts als ungeeignet zu bezeichnen, ist nicht nur Geschlechterdiskriminierung, sondern auch zu einfach! Ich finde Merkel’s Politik und ihr Verhalten als Regierungschefin absolut inaktzeptabel, völlig unabhängig von ihrem Geschlecht …

    Als Schröder-Sympatisant (ich denke, das kann man schon so sagen) halte ich Steinmeier durchaus für geeignet. Schröder ist eben so ein Macho-Politiker gewesen, trotz aller aus meiner Sicht sympatischen Ausstrahlung. Und das Macho-Element fehlt bei Steinmeier, was ihn als Person für mich noch sympatischer macht. Wer so lange Kanzleramtsminister war, wird zudem auch mit mehr Verantwortung umgehen können. Kurzum: für mich ist er personell als Kanzler tragbar.

  6. Ich kann deine Einschätzung da durchaus nachvollziehen, Roman. Der Kabarettist Volker Pispers hat vor gut zwei Jahren schon zurecht darauf hingewiesen, dass etwa zwei Drittel (meine ich) der Deutschen Merkel für “besser als erwartet” halten… was dachten die Leute als sie sie gewählt haben?! Merkel hat für mich als Kanzlerin zu wenig Profil und legt zuviel Wert auf gerade vom Volk gewünschte Meinungen.

    Steinmeier halte ich für qualifiziert. Er muss allerdings aufpassen, im Wahlkampf der SPD zwar wieder ein politisches Gesicht zu geben, dabei aber nicht zu “platt” und aggressiv zu werden.

  7. Ich halte Merkel durchaus für eine fähige Kanzlerin. Allerdings hat sie in Zeiten der Wirtschaftskrise zu viele Kompromisse zugelassen. Zum Beispiel die Abwrackprämie, vor allem deren Verlängerung, ist nach meiner Auffassung sinnlos. Auf internatinaler Ebene, besonders in der EU, hat sie einen guten Job gemacht. Somit stehe ich ihr nicht ganz so negativ wie Christopher und Roman gegenüber.

    Herr Steinmeier ist sicherlich auch ein geeigneter Kanzlerkandidat. Ich sehe nur die Gefahr, dass er im Wahlkampf in einen Populismus, wie ihn schon Schröder im Wahlkampf nutzte, abrutscht. Als Außenminister und Kanzleramtsminister hat er eigentlich bewiesen, dass er ein guter, rationaler Politiker ist. Ich würde mir wünschen, dass er sich nicht in einen “schmutzigen” Wahlkampf hinein ziehen lässt. Doch diese Chance hat er wohl schon verpasst.

  8. Nein, Steinmeier ist sicherlich kein Schröder. Steinmeier ist farblos, langweilig, uninteressant. Obwohl, die Deutschen sind eh ‘n dummes Volk, welches trotzdem wieder und wieder ihre verlogenen, korrupten und dilettantischen Führer wählen wird. Von daher, wurschtegal was und wer. Ich bin sowieso für’s Krümelmonster.

  9. @HiPPiE: Kannst du deine Meinung zur deutschen Demokratie mal etwas tiefer begründen und belegen? Einen Führer haben wir hier zum Glück schon lange nicht mehr, der rechte Flügel ist bei den meisten europäischen Nachbarn zudem deutlich stärker als hier. In einer funktionierenden Demokratie wie wir sie haben kann das Volk entscheiden, wer die Macht bekommt. Dazu gehört auch, die Mehrheitsmeinung zu akzeptieren – was bei dir wohl nicht zutrifft. Auch wenn man sicher nicht immer zufrieden mit der Regierung (welcher auch immer) sein muss und es sogar nicht immer sein sollte, haben wir hier doch ein vergleichsweise gut ausgebildetes System. Für mich ist dein Post Jammern auf hohem Niveau (was wiederum nicht deinen Ausdruck betrifft…).

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