Jusos vs. Junge Union in NRW
8. Mai 2010 | Von hofnarr.florian | Kategorie: PolitikAm Sonntag wird in NRW gewählt. Die Wahlen im ehemaligen Hoheitsgebiet der SPD werden wegweisend für die Zukunft der Bundesrepublik sein, da es auch um die Mehrheit im Bundesrat geht.
In den letzten Wochen wurde von allen Parteien der Wahlkampf forciert. Jürgen Rüttgers und Hannelore Kraft zeigen auf fast jedem Fernsehsender ihr wunderschönes Lächeln, kein Dorf ist zu klein, kein Mensch zu unbedeutend, um nicht von einem Besuch eines Spitzenpolitikers beehrt zu werden. In diesem Wahlkampf ist die „Nähe zum Volk“ so wichtig wie selten.
Wie noch nie zuvor nutzen die Parteien das Internet für ihren Wahlkampf – besonders SPD und CDU. Im Netz ist der Kontakt zum Wähler unkompliziert und einfach. In Netzwerken wie Facebook und StudiVZ sind die Parteien omnipräsent. Man kann man mit der Basis und auch den Kandidaten Kontakt aufnehmen und in Diskussionen treten. Auch die Webseiten wirken frisch und jugendlich – im Gegensatz zu einigen anderen Parteien. Insbesondere junge Kandidaten wirken authentisch, wenn sie per Twitter, Facebook und Co kommunizieren. Auch ältere Politiker schrecken vor dem Netz nicht zurück, scheinen aber selbst oft wenig Ahnung davon zu haben und lassen die Betreuung von Mitarbeitern übernehmen. Wie im realen Wahlkampf liefern sich Kraft und Rüttger auch online einen spannenden Wettlauf um Anhänger. Jürgen Rüttgers ist in den Sozialen Netzwerken in Sachen Anhänger aber immer noch vor Hannelore Kraft.
Besonders tatkräftig sind die Jugendverbände der beiden großen Parteien CDU und SPD im Netz. Beide Organisationen warten in den sozialen Netzwerken mit diversen Wahlplakaten und Fotomontagen auf, die jeder Nutzer als Profilbild nutzen kann, um somit seine Unterstützung für Rüttgers oder Kraft auszudrücken. Besonders auffällig ist dabei, dass beide Gruppen versuchen möglichst cool und locker herüber zu kommen. Ein Hauch Obama scheint bei beiden Wahlkämpfen mit zuwehen.
Die Junge Union NRW
Die jungen Christdemokraten versuchen vor allem die SPD und deren potentielle Zusammenarbeit mit den Linken zu diaboliseren. Auf ihre eigenen Inhalte gehen sie weniger ein. Das Motto „Keine Experimente! Jürgen Rüttgers!“ scheint auch hier angesagt zu sein.
In ihrem Imagefilm möchte sich die Junge Union jugendlich, offen und cool präsentieren.Oob das gelingt, kann jeder Leser selbst entscheiden.
Die Jusos NRW
Der Jugendverband der SPD hat mit einem NRW-Jusos-Unterstützer-Portal ein Angebot ins Leben gerufen mit dessen Hilfe Unterstützer ihr eigenes Portrait mit einem Wahlspruch versehen und bei sozialen Netzwerken vorzeigen können. Zur Auswahl stehen: „Am 9. Mai: Mit beiden Stimmen SPD!“, „Frauenpower statt Männerwirtschaft!“, „Studiengebühren abschaffen!“, „ICH entscheide die Wahl am 9 Mai!“, „KRAFT ja! Atomkraft nein!“, „facebook.de/mitentscheiden“ und „Kein SEX mit Nazis! Am 9. Mai SPD!“ (s. Bild rechts). Inwieweit der Geschlechtsverkehr mit Nazis etwas mit deren verfassungswidrigen Verhalten zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Vielleicht gilt auch hier das Motto: “Sex sells”.
Zudem bieten die Jusos einen besonderen Service. Sie bieten an, Wähler persönlich am Sonntagmorgen mit frischem Kaffee zu wecken.
Fazit: Die Wahlkämpfe der beiden großen Jungparteigruppen haben eines gemeinsam: Sie versuchen Wähler mit kurzen, einprägsamen Sprüchen und vielen Bildern für sich zu gewinnen. Allzu oft lassen sie detaillierten Inhalt vermissen und bevorzugen prägnante Phrasen. Will man zu bestimmen Themen detaillierte Erläuterungen finden, muss man lange suchen. Beide versuchen mehr die konkurrierenden Parteien schlecht zu machen als sich selbst in ein positives Licht zu rücken. Der Trend geht weg von langem Inhalt und hin zu Bildern und provokanten Phrasen. Es besteht die Gefahr, dass in unserer Demokratie nicht mehr Wahlprogramme, sondern lockere Sprüche Wahlen entscheiden. Eigentlich sollten gerade die Jugendorganisationen diesem Trend entgegen wirken und mehr auf Inhalte setzen.
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