Bericht: Karl-Theodor zu Guttenberg in Hamm

24. August 2009 | Von hofnarr.florian | Kategorie: Politik
Karl-Theodor zu Guttenberg im Kurpark Hamm

Karl-Theodor zu Guttenberg im Kurpark Hamm

Am Montag kam hoher, gar adliger, Besuch nach Hamm. Karl-Theodor zu Guttenberg gab sich die Ehre, um seine CDU-Freunde für die kommenden Wahlkämpfe zu unterstützen. Für einen Anti-Wahlkämpfer, zumindest versteht er sich als solcher, wurde er mit reichlich Brimborium begrüßt. Sein Einlauf glich dem eines Boxers, wenn dieser kurz vor seinem entscheidendem Kampf mit lauter Musik im Hintergrund zum Ring schreitet. Die Hammer CDU hatte Hans Zimmers bedeutungsschwere Musik vom Film „Fluch der Karibik“ aufgelegt, als der Wirtschaftsminister umrahmt von Oberbürgermeister Hunsteger-Petermann, MdB Laurenz Meyer, dem Landtagsabgeordneten Oskar Burkert und einer Gruppe von Jungen-Unionsmitgliedern, zum Rednerpult schritt. Um diesen eindrucksvollen Tross besser sehen zu können, standen die weitgehend älteren Besucher (60+) auf: Rund 2.000 stehende applaudierende Menschen – und mittendrin Karl Theodor zu Guttenberg, für den bis vor einem Jahr vielleicht 100 Leute gekommen wären. Doch dies war ein Auftritt, wie ihn wohl selbst Gerhard Schröder nicht besser hätte inszenieren können.

Doch zu Guttenberg würde sich wohl nie selbst, ganz anders als Schröder, als Wahlkämpfer bezeichnen. Eine solch primitive Art von Politik scheint ihm fremd. Er ist ein Mensch, der für Rationalität und realitätsnahe Politik eintritt. In seiner Rede hob er die Verantwortung hervor, die mit seinem Amt verbunden sei und die er auf keinen Fall wegen des Wahlkampfs vernachlässigen wolle. Er äußere lieber seine unpopuläre Meinung, auch mit dem Risiko sich so den nächsten Schritt auf der Karriereleiter zu verbauen. Danach sieht es aber ganz und gar nicht aus. Die Union wird einen Teufel tun, ihren beliebtesten Mann nach der Wahl abzuschießen.

Mit seinem bayrischen Humor gewinnt Karl-Theodor zu Guttenberg schnell die Herzen und Ohren seiner Zuhörer. Seine Worte strotzen vor Selbstvertrauen und versprühen eine neue Art von Politik, mit der er den Menschen wieder mehr Ehrlichkeit vermitteln will. Das kommt an. Er beruft sich auf den gesunden Menschenverstand, will wieder „Anstand und Stil“ in die Politik bringen. Der Franke erntet reichlich Applaus. Gegen den Inhalt von zu Guttenbergs Rede ist für einen Volkswirt wie mich nicht viel zu sagen. Im Wesentlichen würde wohl fast jeder mit einem solchen Studium die Worte des Ministers unterschreiben. Viel Neues sagte Guttenberg leider nicht. Der informierte Wähler kannte schon alles aus Zeitungen und Fernsehen. Der “Baron aus Bayern”, wie Gerhard Schröder ihn herablassend taufte, zögerte leider, die Namen der nach Staatshilfe schreienden Unternehmen auszusprechen. Manche hatten sich mehr Konkretes erhofft.

Jugendlich waren rar

Jugendliche waren rar im Publikum

Trotz guter Redeinhalte bleibt nach seinem Besuch ein fader Beigeschmack. Die Panoramakulisse, reichlich Sonne und Grün um das Rednerpult  inklusive, verhindern nicht, dass vor allem das Thema Laurenz Meyer das Gesamtbild trübt. Zu Guttenberg und Meyer sind “per Du” und verstehen sich beide als Freunde. Sie haben sich beide in Berlin kennen und auch schätzen gelernt. Nun könnte die Berliner Freundschaft aber ein jähes Ende finden. Meyers Wiederwahl ist akut gefährdet: Per Zweitstimme hat er keine Chance erneut in das Parlament einzuziehen, also muss er es über die Direktkandidatur schaffen. Doch da steht ihm Dieter Wiefelspütz im Weg, dieser gewann in den letzten Legislaturperioden immer deutlich.

So muss sich Meyer prominente Unterstützung für seinen Wahlkampf holen. Und wer wäre da besser geeignet als der beliebteste Politiker Deutschlands? Dieser vergaß nicht, Meyer in den höchsten Tönen zu loben. Er und der CDU-Mann seien sich sehr ähnlich. Die Intention war klar: Laurenz Meyer sollte als CDU-Double von zu Guttenberg erscheinen. Mit einem solchen Ruf lässt sich die Wahl um das Bundestagsmandat ja vielleicht doch noch gewinnen.

Zu Guttenberg brüstete sich damit, sich nicht vor den Karren der Wahlkämpfer spannen zu lassen. Warum aber ließ er sich dann als Stimmungsmacher für Laurenz Meyer instrumentalisieren?

Hier findet man einen Videobericht über die Veranstaltung.

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