Kersten Naumann: “Beendigung von Kriegen ist die größte Herausforderung”
21. September 2009 | Von hofnarr.christopher | Kategorie: Abgeordnete im InterviewDieses Interview ist ein Beitrag aus unserer Sonderreihe zur Bundestagswahl 2009. Die komplette Übersicht der teilnehmenden Mitglieder des Parlaments findet Ihr hier.

Schon in der DDR politisch aktiv: Kersten Naumann von der Linkspartei
Name: Kersten Naumann
Partei: Die Linke
Bio: Geboren am 7. Dezember 1958 in Bad Frankenhausen; verheiratet, zwei Kinder
Wahlkreis: Kyffhäuserkreis
Im Bundestag: von 1998 bis 2002 und seit 2005
Gremien: Vorsitzende des Petitionsausschusses
Beruf: Agraringenieurin
Hingesehen: Was ist Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung in der kommenden Legislaturperiode?
Kersten Naumann: Die größten Herausforderungen sind die Beendigung von Kriegen und die Verhinderung von neuen Kriegen im Nahen Osten und in Afghanistan sowie die Meisterung der Wirtschafts- und Finanzkrise, und zwar nicht auf Kosten des kleinen Steuerzahlers.
Hingesehen: Wird im Wahlkampf zu oft Politik mit dem Ziel der der Wiederwahl auf Kosten von Nachhaltigkeit gemacht?
Naumann: Seit zig Jahrzehnten wird inzwischen Politik mit bzw. auf Kosten der Nachhaltigkeit gemacht. Wirklich nachhaltige ökologische und wirtschaftliche Kreislaufprozesse wurden nicht erreicht. Die Linke streitet für die Einheit von sozialer, ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit. Sie tritt für den Vorrang demokratischer Politik über die Wirtschaft und für einen ökologischen Wandel ein. Die nachhaltige Bewahrung und Wiederherstellung einer lebenswerten Umwelt ist eine zutiefst soziale Angelegenheit und zentrale Säule von Gerechtigkeit.
Hingesehen: Wie soll das Bildungssystem in Deutschland zukünftig aussehen?
Naumann: Die Linke tritt für das Recht auf gebührenfreie und gute Bildung für alle Kinder und Jugendlichen ein – unabhängig vom Geldbeutel und vom Bildungsstand der Eltern. Bildung ist keine Ware, sondern ein Menschenrecht. Jede und jeder muss sich umfassend bilden, individuell entwickeln und an der Gesellschaft teilhaben können. Um die Bildungsmisere zu beheben, muss das Bildungssystem in Deutschland grundlegend reformiert werden.
Hingesehen: Ist durch das Gesetz zur Sperrung von kinderpornografischen Inhalten im Netz der Weg zu weiterer Internet Zensur geebnet?
Naumann: Die in Deutschland jetzt geplanten Sperren mit dem Ziel der Bekämpfung von Kinderpornographie sind verhältnismäßig leicht zu umgehen. Dagegen ist die Gefahr groß, dass bei flächendeckendem Routineeinsatz von Internetsperren weitere Begehrlichkeiten geweckt werden, um unliebsame und politisch nicht gewollte Seiten zu sperren. Ergebnis wäre eine aufgestoßene Tür in Richtung politischer Zensur des Internet. Das Europaparlament und die französische Nationalversammlung haben Internetsperren mit unterschiedlicher Zielsetzung (Urheberrecht,
Filesharing) bereits abgelehnt.
Hingesehen: Was muss unternommen werden, um die Krisenherde im Nahen Osten wieder zu stabilisieren?
Naumann: Die Linke hat bereits in mehreren Anträgen die Bundesregierung aufgefordert, sich im Rahmen des Nahost-Quartetts mit eigenen Initiativen für eine politische Lösung des Konflikts einzusetzen. Die Linke sieht sich in einer Doppelverantwortung und ist mit beiden Seiten solidarisch – mit Israel und den Palästinensern und den Palästinenserinnen. Denn eine einseitige Parteinahme in diesem Konflikt wird nicht zu seiner Lösung beitragen. Maßstab ist das internationale Völker- und Menschenrecht, das für alle Staaten und Konfliktparteien zu gelten hat, was auch die Achtung und Umsetzung der UN-Sicherheitsratsresolutionen einschließt.
Hingesehen: Sind ihrer Meinung Steuererhöhungen zur Entlastung des Bundeshaushaltes vermeidbar?
Naumann: Die Linke lehnt es ab, dass die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise auf die Allgemeinheit abgewälzt werden. Wir wollen deshalb die Steuern auf hohe Einkommen, hohe Erbschaften und Konzern-Gewinne erhöhen. Eine Börsenumsatzsteuer muss eingeführt werden. Damit der Staat von den Krisenlasten nicht erdrückt wird, handlungsfähig bleibt und ehrgeizige Investitionsprogramme finanziert werden können, wollen wir auf alle Privatvermögen von mehr als einer Million Euro eine jährliche Millionärssteuer von fünf Prozent erheben.
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“Die größten Herausforderungen sind die Beendigung von Kriegen und die Verhinderung von neuen Kriegen im Nahen Osten und in Afghanistan”
Nun das hört sich doch sehr gut an. Aber ist das realistisch? Wie will die Linke denn einen Bürgerkrieg mit vielen zivilen Opfern in Afghanistan verhindern, falls die deutschen Truppen so schnell abgezogen werden, wie sich die Linke das wünscht? Wer soll das dann entstehende Machtvakuum füllen? Die Afghanen können dies noch nicht leisten. Würde ein schneller Abzug nicht die Taliban enorm stärken? Ein erstarkter Terrorismus wird die ganze Region in noch größere Unruhe versetzen! Was wird aus dem afghanischen Nachbarland Pakistan, wenn dort die islamischen Gotteskrieger durch ihren Sieg in Afghanistan die Oberhand gewinnen? Wer garantiert, dass diese nicht die pakistanischen Atomwaffen gegen den ungläubigen Westen, gegen den Erzfeind Israel oder Indien einsetzt? Bereitet die Linke nicht womöglich indirekt (und ungewollt) eine große Katastrophe mit vielen Opfern vor? Das Vorhaben der Linke birgt ein sehr großes Gefahrenpotential!!!
Bewerten wir die Linke doch mal :
Populimus: Sehr gut.
Realismus: Mangelhaft
Gefahrenpotenial der Forderungen: hoch bis sehr hoch