Kommentar: Friedensnobelpreis für Barack Obama
9. Oktober 2009 | Von hofnarr.christopher | Kategorie: PolitikDer Friedensnobelpreis 2009 geht an US-Präsident Barack Obama. Das hat das norwegische Nobel-Komitee am Freitag bekannt gegeben und begründet die Entscheidung mit “seinen außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen Völkern zu stärken”. Nach nicht einmal zehn Monaten im Amt erhält Obama damit eine der wichtigsten Auszeichnungen, die einem amtierenden Politiker zuteil werden kann.
Obama ist bereits der 21. US-Amerikaner, der mit dem Nobelpreis dieser Kategorie ausgezeichnet wird. Vor ihm reihten sich unter anderem die Politiker Henry Kissinger (1973), Jimmy Carter (2002) und Al Gore (2007) in die Liste ein. Letzter Deutscher war der SPD-Kanzler Willy Brandt im Jahr 1971 für seine Ostpolitik, insbesondere gegenüber der DDR.

Friedenstaube Barack Obama? (Bild via flickr.com/joaobatista)
Die Entscheidung für Barack Obama kommt für alle überraschend: Auf Twitter überschlagen sich die Meinungen, auch Anhänger Obamas sind nicht sicher, ob die Zeit schon reif ist. Selbst die seriösen Medien sprechen von einer Sensation. Das Weiße Haus macht da keine Ausnahme, laut Spiegel Online bestand die erste offizielle Reaktion einzig aus dem Wort “Wow!”. So stellt sich allen die Frage, ob man innerhalb einer derart kurzen Zeit überhaupt genug getan haben kann, um den Preis zu verdienen. Man meint, die Auszeichnung ginge meist an verdiente Persönlichkeiten, die zu einer Veränderung beigetragen haben, deren Ausmaß man sich erst mit der Weisheit der Geschichte bewusst wird. Dabei hat das Komitee in der Vergangenheit großes Gespür für aktuelle Leistungen bewiesen: 1964 etwa wurde Martin Luther King Jr. geehrt – vier Jahre bevor der Civil Rights Act verabschiedet wurde. 1984 war es Desmond Tutu, der den Preis für Beiträge zur Beendigung der Apartheid erhielt – zehn Jahre vor den ersten freien Wahlen in Südafrika.
Hat Obama die Auszeichnung (schon) verdient?
Nun also Obama. Schon während des Wahlkampfs hat er eine radikale Abkehr von der Politik seines Vorgängers George W. Bush angekündigt – und in weiten Teilen hat er diesen Worten bereits, wenn auch nicht Taten, so doch konkrete Pläne folgen lassen. Die Reformen waren auch aufgrund der Wirtschaftskrise aber zunächst einmal innenpolitischer Natur: Neue Regeln für den Handel, Konjunkturpakete für die Bürger und umfassende Änderungen im Gesundheitssystem. Auf den europäischen Beobachter, der vor allem das klare Nein zum Irak-Krieg vernommen hatte, mag sein Wirken daher enttäuschend sein. Zudem fordert Obama für Afghanistan stärkeres Engagement aus der internationalen Gemeinschaft. Ein Pazifist ist der 48-Jährige sicher nicht.
Fest steht jedoch, dass Obama seitdem er im Rampenlicht steht, vielen Menschen wieder Hoffnung gegeben hat. Sein Charisma und sein Optimismus bewegen. Nicht nur in Amerika, sondern auch im Nahen Osten und dem restlichen Globus steht er für eine neue Position der Vereinigten Staaten, die sich nicht mehr als Weltpolizei aufspielen. Er verkörpert durch seine Person (als Farbiger, als Sohn eines Afrikaners, als auf Hawaii und in Indonesien aufgewachsener Mann) den Multikulturalismus von heute. Diplomatisch hat er dem Islam im Nahen Osten die Hand angeboten und plädiert für eine atomwaffenfreie Welt. Dennoch ist der Zeitpunkt der Auszeichnung unglücklich, denn die Zeit allein wird zeigen, ob seine Worte auch dann Bestand haben, wenn die ausgestreckte Hand abgelehnt würde. Konkrete Erfolge hat er (noch) nicht vorzuweisen.
Politisch kann ein Präsident vom Friedensnobelpreis eigentlich nur profitieren. Die böse Schlappe bei der Olympia-Vergabe für 2016, bei der Obama sich vergeblich für seine zweite Heimat Chicago als Austragungsort eingesetzt hatte, ist damit mehr als wett gemacht. Eines lässt sich Amerika aber auch unter seiner Regierung nicht nehmen: Hollywood ruft. 2010 beginnen die Dreharbeiten der Verfilmung von Obamas Leben. Gespielt wird er dann vom Action-Star Denzel Washington.
Ähnliche Hingesehen-Artikel:










Hat er nicht verdient – andere reissen sich das Leben den Lang den A.. auf .-.- für Frieden auf der Welt – und bekommen diese Anerkennung – einerlich ob Sie diese haben wollen,. oder in Wortschwallen wie Reich Ranickii verfallen würden – JAcke wie Hose. Obama hat noch nichts geleistet!
Interessant, diesen Artikel mal fast zwei Monate später zu lesen. Aus Begeisterung und Euphorie wurde – ja was denn nun? Hier habe ich den Obama-Faktor einmal aufgegriffen: http://www.juiced.de/blog/2009/11/18/problematisch-planlose-politiker-2-0/ – dass er verfilmt wird, finde ich eigentlich ziemlich langweilig. Aber mit Denzel Washington perfekt besetzt. Kein anderer könnte ihn so gut spielen, glaube ich. Kurze Frage: “Farbiger” – sagt man nicht eher einfach nur “Schwarzer”?
Diese Frage hat sich Obama als Heranwachsender selbst oft gestellt (verbunden mit der damit zusammenhängenden Identitätsfrage): Schwarz ist er ja nicht, selbst nennt er sich einen Mulatten – also “braun”, wenn man so will.