Krise vorbei, alles wieder gut?
14. August 2009 | Von hofnarr.florian | Kategorie: WirtschaftDas Statistische Bundesamt hat neue Zahlen zum Wirtschaftswachstum in Deutschland veröffentlicht: Die deutsche Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal um 0,3 Prozent. Also ist die Krise vorbei und alles wieder gut? Ginge es nach großen Teilen der Politik, sind die neuesten Wirtschaftszahlen ein klares Indiz für das Ende der Wirtschaftskrise. Von jetzt an soll es wieder aufwärts gehen. Die deutsche Wirtschaft, so schreiben die Chef-Statistiker, habe im zweiten Quartal mit 0,3 Prozent im Plus gelegen – preis-, saison- und kalenderbereinigt. Es ist aber Vorsicht geboten: Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind noch sehr frisch und keinenfalls endgültig. Erst rund vier Jahre nach einem Quartal kann die Veränderung des Bruttoinlandsprodukts mit großer Sicherheit bestimmt werden. Auch kann die Behörde nachträglich noch die Prognose revidieren. Geschähe dies, könnte aus einem Wirtschaftsplus ganz schnell ein Andauern der Rezession werden: Ein schmaler Grat zwischen Krise und Wirtschaftsaufschwung.
Desweiteren spielen in die Daten viele Sondereffekte ein, die das Bild verwischen. Die preisbereinigten Importe beispielsweile sind erheblich stärker zurückgegangen als die Exporte. Durch den Überhang der Exporte wird die deutsche Wirtschaftlage ins Plus gehoben. Dies ist jedoch ein Trugbild, weil Deutschland dadurch reicher wirkt, dass es weniger Geld ausgibt.
Auch die viel diskutierte Abwrackprämie spielt in den aktuellen Bericht positiv hinein. Die fünf Milliarden Euro, die der deutsche Staat zur Ankurblung der Automobilindustrie in die Hand genommen hat, wirken sich natürlich auch auf das Bruttoinlandsprodukt aus. Rund 0,25 Prozent des BIP macht die Summe aus und die eigentliche Wirkung könnte noch deutlich höher sein. Gleiches gilt im Prinzip auch für alle anderen Konjunkturmaßnahmen. Das ist natürlich auch deren Aufgabe, aber das Problem liegt in der Langfristigkeit:Die gesamten staatlichen Investitionen „pushen“ die Wirtschaft jetzt, bleiben sie aber bald aus, stürzt die Wirtschaft eventuell wieder in ein tiefes Loch.
Außerdem prophezeien viele Wirtschaftsexperten, dass Deutschland noch eine weitere Welle der Verwüstung droht. Ähnlich wie bei einem Tsunami ist die Schlammlawine, die vom Land zurück ins Meer rollt, wesentlich verheerender als die erste eigentliche Welle. Noch ist der Arbeitsmarkt durch Kurzarbeit und staatliche Interventionen geschützt, doch schon im Oktober nach der Bundestagswahl könnte Politik und Wirtschaft die Realität einholen. Kurzarbeitergeld ist keine langfristige Lösung. Irgendwann werden sich Unternehmen von Mitarbeitern trennen müssen, wenn sie gezwungenermaßen ihre Kosten senken müssen. Im Prinzip kann das viele Unternehmen treffen. Besonders gefährdet sind die Autofirmen, die nach Ablauf der Abwrackprämie wieder mit der kalten Realität konfrontiert werden.
Dann droht Deutschland eine fatale Kettenreaktion. Der Aufwand für Sozialleistungen wird extrem ansteigen und der sowieso hoffnungslos verschuldete Staat, wird keine andere Option haben, als sich andere Mittel und Wege zur Geldbeschaffung zu suchen. Dies könnte durch eine weitere Mehrwertsteuererhöhung geschehen oder auch über einen angehobenen Beitrag zur Arbeitslosenversicherung. Beide Beispiele würden die wirtschaftliche Situation zusätzlich belasten. Höhere Belastung und mehr Arbeitslose führen zu geringerem Konsum, was die Binnenkonjunktur stark belasten würde. Diese ist aber momentan der wichtigste volkswirtschaftliche Motor. Eine solche Situation könnte zu einem Teufelskreis führen, aus dem man nur schwer ausbrechen kann.
Noch scheint die Politik dieses, leider nicht wirklich unrealistische, Szenario fast völlig außer Acht zu lassen. Hinter vorgehaltener Hand kursieren in Politikkreisen aber längst Szenarien von Steuererhöhungen. Öffentlich redet davon natürlich niemand. Vor den Wählern werden nur große Steuerversprechungen gemacht – besonders von der CDU/CSU. Nach den Wahlen wird dem Wähler aber vermutlich schnell klar werden müssen, dass das alles nur heiße Wahlkampfluft war.
Das alles ist dem Wahlkampf geschuldet. Wer will schon schlechte Nachrichten verkünden und Stimmenverlust riskieren? Da macht sich ein Ausruf vom Ende der Krise doch viel besser.
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Wie immer…abwarten. Zu Beginn weiß man ja im Prinzip gar nichts!
Sehe ich genauso: abwarten. Das die Politik, so kurz vor der Wahl, diese Möglichkeit lieber nicht hören will, ist klar
)