Laurenz Meyer vor dem Untergang
1. März 2009 | Von hofnarr.florian | Kategorie: PolitikLaurenz Meyers politische Karriere steht kurz vor dem Aus. Seine Partei, die CDU, hat den Politiker auf Platz 35 der Landesliste zurückgestuft. Damit hat der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion nur geringe Chancen über die Liste erneut in den Bundestag einzuziehen. Bei den letzen nationalen Parlamentswahlen zogen nur die Abgeordneten bis zur Nummer 33 in den Berliner Bundestag ein. Zu verdanken hat der 60-Jährige diesen Platz der Ruhr-CDU. Sein CDU-Bezirksverband Ruhr hat dem Hammer lediglich Platz 13 auf seiner Liste zugewiesen.
Jürgen Rüttgers, Merkels Stellvertreter und CDU-Landeschef, hätte die Autorität gehabt, Meyer einen besseren Listenplatz zu sichern. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla hatte sich dafür eingesetzt. Rüttgers aber hielt sich bei der vorentscheidenden Sitzung des Landesvorstandes am Donnerstagabend zurück. Ein Mitglied schlug vor, Meyer auf Platz 22 zu setzen, anstelle des Abgeordneten Hubert Hüppe. Der Vorstand stimmte aber mit 25 zu 12 klar gegen Meyer und für Hüppe. Meyer könnte noch eine Kampfkandidatur beim abschließenden Listenparteitag wagen, aber dies ist unwahrscheinlich.
Nun ist Laurenz Meyers letzte Chance ein Einzug als Direktkandidat. Allerdings sieht es in seinem Wahlkreis Hamm-Unna II nicht besonders gut für ihn aus. Sein Konkurrent von der SPD, Dieter Wiefelspütz, hat sich in Hamm bisher immer klar durchgesetzt.
Die Medien schreiben allesamt schon vom Untergang des so titulierten Wirtschaftsexperten. Der Westen vergleicht dessen Abgang schon mit dem von Friedrich Merz, der nach einem Konflikt mit Angela Merkel schon vor einiger Zeit ankündigte nicht mehr für den Bundestag zu kandidieren. Anders als Meyer spricht der Hofnarr Merz aber eine Kompetenz zu, die den Titel Wirtschaftsexperte rechtfertigt. Der Sauerländer Merz traute sich vor kurzem, gegen direkte Staatshilfen für angeschlagene Unternehmen auszusprechen.
Party-König statt Wirtschaftsexperte
Meyer dagegen machte in letzter Zeit vor allem durch diverse Gala-Auftritte in seinem Wahlkreis auf sich aufmerksam – anstatt sich in der Wirtschaftskrise als Experte auszuzeichnen. Sucht man nach aktuellen Stellungnahmen des wirtschaftspolitischen Sprechers zur Krise findet man nur wenig. Dabei könnte man doch vermuten, dass eine solche Wirtschaftssituation die Chance für Meyer wäre, sich als Experte hervor zu tun. Lediglich ein Radio-Interview konnten die Hofnarren auftun, indem der CDU-Mann Stellung zu den aktuellen Problemen, speziell Opel, bezieht. Dabei bleibt er leider konkrete Antworten sowie Lösungsvorschläge schuldig und bedient sich lieber Floskeln wie “Langfristigkeit und Dauerhaftigkeit”. Anfang Februar blamierte sich Meyer zudem bei Anne Will, als er Unwahrheiten über Hartz 4 verkündete.
Bereits 2004 besiegelte Meyer eigentlich seinen Untergang, als er seinen Job als Generalsekretär aufgrund einer Affäre über Nebeneinkünfte quittieren musste. Ihm hängt in der Partei zudem der Ruf einer Party-Königs an und wohl auch deswegen schritt Rüttgers nicht für Meyer ein.
Doch die Luft für die NRW-CDU wird auf Bundesebene langsam dünn. Der eigentlich prominent besetzte Wirtschaftsflügel wird bei den nächsten Wahlen erheblich ausgedünnt. Neben Meyer und Merz werden auch Hartmut Schauerte sowie Hildegard Müller nicht mehr für den Bundestag kandidieren. Lediglich der Rheinländer Norbert Röttgen spendet Rüttgers’ westfälischer Unionspartei noch Hoffnung. Der 43-Jährige, derzeit Parlamentsgeschäftsführer der CDU im Bundestag, gilt als eloquent und Talk-Show-kompatibel. Doch auch er liebäugelte bereits 2006 mit einem Wechsel in die Wirtschaft, überlegte es sich aber im letzten Moment noch anders.
Rüttgers möchte der FDP nicht das wirtschaftspolitische Feld überlassen, doch ihm laufen die Experten weg. Auch wenn Meyers Verlust wohl höchstens der Verlust eines bekannten Gesichts und nicht der eines wichtigen Wirtschaftsexperten ist.
Laurenz Meyer ist nun Direktkandidat im Wahlkreis der beiden Hofnarren und äußerte sich in der Lokalzeitung “Westfälischer Anzeiger” nicht realistisch, sondern blauäugig hoffend. „Das kann man schaffen“, tönte er auf dem Titelblatt des Lokalteils. 2005 bekam Meyer übrigens 21.701 Stimmen weniger als der SPD-Kandidat und besonders beliebt ist er in Hamm auch nicht. Er gilt als teils als arrogant. Trotzdem stellte sich der WA, der in Hamm Monopolstatus genießt, hinter den lokalen CDU-Chef. Seine Schlappe sei „für Hamm eine Schwächung“ heißt es im Lokalblatt. Kritische Worte zur Vergangenheit des Politikers sind rar in dem Artikel zu seiner internen Niederlage. Vielmehr scheint es, dass der Chefredakteur des hiesigen Lokalblatts auf einen Direkteinzug von Meyer hofft. Objektiver Journalismus sieht ohne Zweifel anders aus.
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Das von Meyer wusste ich noch gar nicht, ich habe das auch mit der Hartz-4 Sache nicht so mitbekommen…Merz mochte ich damals aber ganz gern und fand es damals schade, dass er so abgesägt wurde.
[...] Das i-Tüpfelchen in dieser munteren Unions-Wortmeldungsparade setzt dann aber Laurenz Meyer (ja, den gibt’s auch noch!): „Für die CDU hat Angela Merkel als Kanzlerin der großen Koalition einen entscheidenden [...]