Live-Blog zum TV-Duell zwischen Rüttgers und Kraft
26. April 2010 | Von hofnarr.christopher | Kategorie: PolitikHier beginnt in wenigen Minuten der Live-Blog zum TV-Duell der NRW-Spitzenkandidaten Jürgen Rüttgers von der CDU und Hannelore Kraft von der SPD.
Ich blogge übrigens aus Paderborn, wo zeitgleich Angela Merkel zu Gast ist. Diesen Auftritt kann ich leider nicht vor Ort verfolgen – Sitzplätze gab’s aber ohnehin nur für CDU-Mitglieder… Florian verfolgt die Sendung aus Münster.
20:17, Christopher: Die Gesprächsstunde beginnt. Moderatoren sind Gabi Ludwig und Jörg Schönenborn. Erster Eindruck: Hannelore Kraft sieht im Blazer aus wie Angela Merkel und Jürgen Rüttgers spricht immer noch kein besseres Deutsch als vor fünf Jahren. Anfangsfrage geht zum Thema Griechenland.
20:22, Christopher: Rüttgers wird auf seinen Ruf als “Arbeiterführer” angesprochen bei gleichzeitiger schlechter Bezahlung in vielen Bereichen. Angespielt wird auf Mindestlöhne. Rüttgers will mit Kritik an Hartz IV punkten: Er habe als einer der Ersten, das Programm kritisiert.
20:24, Christopher: Das Thema Wirtschaft sollte beiden liegen: Kraft ist studierte Wirtschaftswissenschaftlerin, der Jurist Rüttgers konnte schon mehrfach in diesem Feld punkten.
20:27, Christopher: Bislang verläuft das Gespräch sehr harmonisch ab. Erstmals entwickelt sich jetzt ein direkter Dialog zwischen den Kandidaten, allerdings sehr fair. Die Moderatoren halten sich – anders als beim Duell zur Bundestagswahl – zum Glück zurück.
20:28, Florian: Beide Kandidaten wollen bisher auf der sachlichen Ebene punkten. Fakten statt direkte Angriffe. Kommt aber sicherlich noch.
20:30, Christopher: Insgesamt ist das Duell weniger Show. Das liegt allein schon an der rustikalen Einrichtung des WDR-Studios. Thema sind weiterhin Arbeitsplätze und Wirtschaft.
20:32, Christopher: Hannelore Kraft ist, wie von Schönenborn angedeutet, im Zuge des Wahlkampfs durch NRW “getourt” und für je einen Tag in verschiedene Berufe geschlüpft. Der prägnante Titel dafür lautete “TatKraft”… Ob der Wähler es als Anbiederung oder als Menschennähe auslegt, wird sich zeigen.
20:35, Christopher: Themenwechsel auf Familienpolitik. Rüttgers kritisiert indirekt seine rot-grünen Vorgänger im Amt: “Wir mussten ja auf einem sehr niedrigen Stand von Kindergarten-Plätzen anfangen.” Für Rüttgers ist es ein Thema, mit dem er punkten dürfte, ist es doch ein klassisches “CDU-Gebiet”. Kraft kontert mit angestrebter Gebührenfreiheit bis hin zur Hochschule. Sie legt die Problematik als Bildungsaspekt aus.
20:36, Florian: Jetzt kommt es zum direkten Gesprächswechsel zwischen den beiden Spitzenkandidaten. Rüttgers sucht sogar Gemeinsamkeiten.
20:38, Christopher: Besonderes Gewicht kommt in NRW der frühkindlichen Förderung von Migrantenkindern zu. In den klassischen Arbeiterstädten etwa im Ruhrgebiet sind viele Kinder aus der zweiten oder dritten Generation der ehemaligen Einwanderer immer noch in andere Sprachkreise eingebunden.
20:39, Christopher: Jetzt geht es um die viel diskutierten Pläne der SPD (u.a.), dass das aktuelle Schulsystem reformiert werden soll. Kraft meint, die frühe Aufteilung auf die weiterführenden Schulen führe dazu, dass die Kinder in Schubladen gesteckt werden: “Das frühe Aufteilen macht überhaupt keinen Sinn.”
20:41, Florian: Kraft kritisiert, Rüttgers lobt die Arbeit der vergangenen Legislaturperiode. Wie unerwartet.
20:41, Christopher: Kraft: “Selbst CDU-Bürgermeistern würden mittlerweile gerne Gemeinschaftsschulen aufmachen.”
20:42, Christopher: Rüttgers: “Jedes Kind soll die Möglichkeit zum sozialen Aufstieg haben.” Durch Studiengebühren?? Seine Befürchtung ist, dass die Wohlhabenderen eigene Privatschulen gründen würden und nur der ärmere Rest auf die Gemeinschaftsschulen ginge.
20:43, Florian: Vielleicht wäre das Duell mit den Grünen, der FDP und den Linken interessanter gewesen. Was denkt ihr?
20:46, Christopher: Es geht um die Schulpolitik und die inhaltlichen Unterschiede werden etwas vehementer vertreten. Beide sind aber immer noch sachlich und korrekt, fast schon zurückhaltend. Heißt auch: Wirklich punkten tut so niemand. Redeanteil bisher: 12:30 Minuten Rüttgers, 12:20 Kraft.
20:50, Christopher: Ludwig: “Warum halten Sie an der Hauptschule fest, Herr Rüttgers?” Weil auch diese Schulen ernst genommen werden müssten, lautet seine Replik. Absolut richtig – die Frage ist wohl einzig die, welcher Weg am effektivsten ist. Eine komplette Reform oder Veränderungen im aktuellen System?
20:51, Florian: Beide Kandidaten berichten von persönlichen Erfahrungen an Schulen und versuchen Nähe zum Volk zu vermitteln.
20:52, Christopher: Kraft räumt Fehler in der letzten Regierungsphase der NRW-SPD ein. Seitdem habe man diese allerdings gründlich analysiert und jetzt ein neues Programm.
20:54, Florian: Kraft geht nicht auf Rüttgers Kritk an der Finanzierbarkeit der Gemeinschaftsschule ein. Schade, hätte ich interessant gefunden.
20:55, Christopher: Viele fordern, dass Bildungspolitik Bundessache werden sollte. Kraft geht in die andere Richtung, will diese Verantwortung sogar an Städte und Kommunen abgeben. Ihr Argument ist, dass die Eltern entscheiden könnten, ob ihr Kind das Abi in 12 oder 13 Jahren macht.
20:56, Christopher: Rüttgers meint, dass die wachsenden Zahlen von Studienanfängern seien ein Beleg dafür, dass Studiengebühren nicht abschrecken. Kraft verweist darauf, dass die Ersti-Zahlen prozentual nicht gestiegen seien.
20:59, Christopher: Kraft macht auf Moralapostel: Seine Regierung habe massenhaft Geld für eigene Versammlungen und Stellen in der Staatskanzlei “vergeudet”. Bloß keinen Bereich nennen, an dem wirklich eingespart würde! Das würde schließlich bei potenziellen Wählern schlecht aufstoßen.
21:02, Florian: Beide konkretisieren ihre geplanten Einsparungsmöglichkeiten sehr vage. Niemand will sagen, wo er einsparen will, um keine Wähler zu verprellen.
21:05, Christopher: Für Kraft sind Einsparungen in den Kommunen vor allem Einsparungen an kulturellen Einrichtungen: “Dort entscheidet sich, ob unsere Gesellschaft zusammenhält, ob Integration gelingt.”
21:07, Christopher: Nächstes Thema: Energie. Die SPD will weiter Steinkohle fördern, obwohl der Preis dafür auf dem Weltmarkt niedrig ist. Allerdings soll es der energetischen Sicherheit dienen, die Abhängigkeit vom Gas anderer Länder soll niedrig gehalten werden. Ein weiterer Grund: Es ist eine Alternative zur Kernkraft. Ob die allerdings viel umweltfreundlicher ist, ist umstritten.
21:09, Florian: Kraft will an der Steinkohle festhalten. “Akt der Vernunft!”, nennt sie es. Ohne Subventionen ist unsere Kohle aber viel zu teuer. Das CO² sollte man auch nicht vergessen.
21:10, Christopher: Rüttgers hat seinen “Redevorsprung” auf eine halbe Minute ausgebaut. Ob ihm das dadurch auch in den Umfragewerten bzw. im Wahlergebnis gelingt?
21:13, Christopher: Für Rüttgers ist Die Linke eine Partei “radikaler Extremisten”. Mit diesen dürfe die SPD nicht koalieren. Kraft schränkt ein und verweist auf schwarz-rote Zusammenarbeit mit den Linken in einigen Kommunen. Dennoch meidet sie die Thematik: “Unser Ziel ist es, die Linke unter fünf Prozent halten. (…) Allerdings ist die Linke derzeit nicht regierungsverantwortlich.” Rüttgers: “Und damit ist immer noch alles offen. Jeder weiß also, woran er ist.”
21:14, Florian: Kraft will Rot-Rot-Grün nicht ausschließen. Angst vor dem Ypsilanti-Komplex?
21:14, Christopher: Rüttgers wird wiederum auf die Grünen angesprochen. “Mit denen möchte ich nicht regieren. (…) Im Gegensatz zur Linken sind sie allerdings eine demokratische Partei.” Die Tür steht also offen.
21:16, Christopher: Kraft: “Herr Rüttgers nimmt für Gespräche Geld.” Wäre dieser Skandal also auch noch untergebracht. Jetzt die Schlussstatements.
21:17, Christopher: Beide heben noch einmal die Bedeutung dieser Wahl hervor. “Sie wird richtungsweisend” – das ist allerdings wahr.
21:18, Christopher: Kraft spricht den Wähler direkt an. Ihre Stichworte: gerechter, sozialer, sich um die Kinder kümmern, handlungsfähige Kommunen schaffen, gebührenfreie Bildung bieten, ebenso sichere Arbeit mit fairem Lohn. Der Mensch soll im Mittelpunkt stehen.
21:20, Christopher: Rüttgers nennt NRW ein “schönes Land”, das stabil bleiben und in dem es aufwärts gehen soll. Er verweist auf Erfolge seiner ersten Legislaturperiode als Ministerpräsident. Weiter hebt er bevorstehende wirtschaftliche Entscheidungen hervor. Soziale Aufstiegschancen durch die Schule, später dann sichere Arbeitsplätze sind sein Ziel.
21:21, Christopher: Das war’s. Ein ereignisarmes TV-Duell geht zu Ende. In unserer eigenen Abstimmung (mit allerdings noch wenigen Stimmen) liegt Kraft eindeutig vorne: Alle Teilnehmer hielten sie für überzeugender. Und ihr? Stimmt ab und schreibt eure Meinung in den Kommentaren! Danke fürs Mitlesen und guten Abend.
Wer wirkt beim TV-Duell überzeugender?
- Hannelore Kraft (91%, 10 Votes)
- Jürgen Rüttgers (9%, 1 Votes)
Total Voters: 11
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Zunächst einmal großes Lob für euren Blog!
Ich finde, dass dieses TV-Duell im Vergleich zu jenem vor der Bundestagswahl besser moderiert war und dass die beiden Opponenten sehr sachlich und kompetent – wenn auch wenig kontrovers – diskutiert haben. Zwei Aspekte finde ich jedoch bedauerlich:
1. Frau Kraft konnte erneut ein rot-rot-grünes Bündnis nicht explizit ausschließen.
2. Das Thema Hochschule ist für meinen Geschmack etwas zu kurz gekommen.
Einen Sieger kann ich übrigens nicht so wirklich ausmachen. Ich denke beide haben sich ordentlich präsentiert, aber meiner Meinung nach konnte keiner großartig auftrumphen.
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