Murdochs englische Bastion wackelt

20. Juli 2011 | Von | Kategorie: Gesellschaft
Es schreibt: Christopher

Es schreibt: Christopher

Was heute als Abhörskandal international durch die Medien geht, hat in Großbritannien bereits vor mehreren Monaten begonnen. Schon da waren die zwei Entwicklungen, die jetzt zum großen Aufruhr führten, bekannt. Zum einen war bekannt geworden, dass die große Boulevard-Zeitung „News of the World“ – die Sonntags-Ausgabe der „Sun“ – Telefongespräche abhören ließ, um ihre Sensationsgeschichten zu bringen. Zum anderen gab es Kritik an den Plänen des australischen Medienzars Rupert Murdoch, der den Bezahlsender „BSkyB“ kaufen wollte.

Murdochs Unternehmen „News Corporation“ gehörten auf der Insel bereits unter anderem die renommierte Zeitung „Times“ und besagte „Sun“. Mit dem Kauf von „BSkyB“ hätte er seine mediale Kontrolle abermals um ein Vielfaches erweitert. Die Informationsfreiheit stünde auf dem Spiel, hieß es von den Kritikern. Murdoch ist steinreich – finanziell, vor allem aber an Einfluss. Er selbst soll einmal zu seiner Macht in Bezug auf die Meinungsbildung der Leser gesagt haben: „Ich bin nicht den ganzen Weg gegangen, um mich nicht einzumischen.“

Die britische Regierung wurde eingeschaltet, um zu entscheiden, ob der Kauf den Wettbewerb unzulässig einschränken würde. Nach langen Verhandlungen schien „News Corp“ die Zusage für das Vorhaben zu bekommen, wenn auch unter der Voraussetzung, dass „Sky News“ von „BSkyB“ abgespalten würde.

Der Zacken in der Krone

Doch in England, der Krone seines Medienunternehmens, machte jetzt ausgerechnet die auflagenstarke „News of the World“ einen Strich durch die Rechnung. Im Abhörskandal waren erst “nur” Stars als Geschädigte bekannt. Das war zwar Titelseiten wert, einen Aufschrei gab es deshalb aber nicht. Auch über abgehörte Politiker und Mitglieder der Königsfamilie wurde spekuliert. Die Eskalation kam allerdings erst, als bekannt wurde, dass auch Opfer der Londoner Terrorattacken vom 7.7.2005 und das ermordete Schulmädchen Milly Dowler betroffen waren.

Der Aufruhr führte dazu, dass Murdoch das Ende des traditionsreichen Blattes beschloss. Kurz darauf zog er auch das Kaufgebot für „BSkyB“ zurück. Die Kritiker von Murdochs großem Einfluss freuen sich über die unerhoffte Wende. Der 80-Jährige selbst beteuert, von den Verstößen nichts gewusst zu haben. Er sei persönlich enttäuscht gewesen von den Verantwortlichen; dies sei der Grund gewesen, die Zeitung zu schließen.

Diese Aussagen machte er vor einem Parlamentsausschuss. Vor dem musste auch Premier David Cameron noch Frage und Antwort stehen, weil er sich nach Ansicht der Labour-Opposition zu häufig mit Vertretern des Murdoch-Imperiums getroffen hat. Außerdem hatte er letztes Jahr Andy Coulson, einen ehemaligen Chefredakteur der „News of the World“, als seinen Kommunikationsberater eingestellt. Dabei haben sich die Labour-Politiker um Ed Miliband selbst gerne in den Dunstschatten der großen Tageszeitungen gestellt. Die wechselseitige Abhängigkeit von Politik und Medien schien zu groß, als dass es auch anders ginge.

Die Verschmelzung von Medien und Politik

Dieses geladene Verhältnis wird jetzt hinterfragt. Die Presse, zumindest seriöse Blätter wie die „Times“, wurden als Wächter des politischen Geschehens gesehen. Doch das Vertrauen in die Medien hat unter den Vorkommnissen gelitten. Auch wenn es im konkreten Fall eine Boulevard-Zeitung betrifft, hat der Skandal vor Augen geführt, wie systematisch im Kampf um die Auflage auch zu unlauteren Mitteln gegriffen wird.

Die Zeitungen müssen sich daher auf ihre eigentliche Aufgabe besinnen und Aufklärung betreiben. Sie müssen auch sich selbst in ihren Arbeitsweisen und ihrer Bindung zu Politikern hinterfragen. Die Politik ihrerseits ist auf die Kommunikation mit dem Bürger angewiesen. Sie darf sich dabei aber nicht von einzelnen Konzernen abhängig machen.

Ähnliche Beiträge

ANZEIGE

Ein Kommentar
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. Es wurde nicht immer legal gearbeitet bei Zeiten, hier englische?
    Welch Überraschung! Warum werden denn Dedektive für Artikel beauftragt statt Journalisten? Weil es eben nicht immer legal zugeht. Das wusste man aber auch schon länger.

Schreibe einen Kommentar

Bloggeramt.de Blog Top Liste - by TopBlogs.de Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de