Neuseeland-Serie: 11.000 Meter über Afghanistan (Teil 1/3)

28. März 2009 | Von hofnarr.christopher | Kategorie: Hingesehen-Features

Prolog: Wie die aufmerksamen Hingesehen-Leser wahrscheinlich bemerkt haben, sind in den vergangenen drei Wochen von mir keine neuen Texte mehr gekommen. Von nun an bin ich aber wieder aktiv und der Grund für die Pause bietet sicher auch für euch einige interessante neue Themen, denn während dieser Zeit war ich in Neuseeland. Von der langen Reise über Einblicke in das politische System, die Medienlandschaft und Eigenarten des Landes bis hin zu persönlichen Erfahrungen soll dieses kleine NZ-Special reichen. Der erste Teil ist einer der persönlicheren – viel Spaß!

Hier geht’s weiter… Teil 2: Haere mai ki Aotearoa! Teil 3: Zu Besuch im Paradies

Der Autor beim Zeittotschlagen in Melbourne

Erster Eintrag: Will man nach Neuseeland, sollte man die Zeit großzügig planen. Das fängt bereits bei An- und Abreise an, denn die Flüge dauern jeweils etwa 24 Stunden. Immerhin liegt das Land genau entgegengesetzt sprichwörtlich am anderen Ende der Welt. Auf meiner Rückreise sollten es von Tür zu Tür und mit Stop-Overs sogar ganze 42 Stunden sein, die ich über die halbe Erdkugel unterwegs war. Neuseeland mit seinen atemberaubenden Landschaften und relaxten Einwohnern sind diese Strapazen allerdings Wert.

Bei einer derart langen Fahrt ist der Komfort trotzdem ein wichtiger Faktor. Den zu erreichen ist in einem Flugzeug bei einer Größe von 1,93 Metern aber gar nicht so einfach… Wenn dann noch ausgerechnet bei deinem Sitz die verstellbare Lehne nicht funktioniert, sorgt das für besondere Freude. So passiert bei Flug Nummer eins, von Frankfurt nach Singapore Changi. Die zwölf Stunden Flugzeit sollten gefühlt die längsten des ganzen Urlaubs sein. Immerhin: Das Unterhaltungsprogramm an Bord war äußerst umfangreich und wirklich empfehlenswert. Wer die aktuellen Oscar-Gewinner etwa noch nicht sehen konnte, wurde hier bestens bedient.

Nachdem ich den Mangel an meinem Sitz einem Steward, im offiziellen Sprachgebrauch “Flugbegleiter”, knapp berichtet hatte, kam dieser nach kurzer Zeit mit guten Neuigkeiten für mich wieder. Bedenkt hierbei bitte, dass “kurze Zeit” bei zwölf Stunden gewollt apathischen Rumsitzens relativ ist. Wie dem auch sei, irgendwann kam Joel also wieder und überreichte mir ein Business Class-Set mit der Erklärung: “We’re sorry, we can’t fix your seat.” Für diejenigen, die interessiert, was so ein Set enthält: Es sind wie im Beutelchen für Normalsterbliche Socken, Zahnbürste und -pasta sowie eine Augenbinde, allerdings alles in schönerer Ausführung. Dazu gibt’s Ohrstöpsel, ein Kaugummi und Lipcare, Skincare und Parfüm für den Mann von heute… Das alles sieht in einem kleinen Köfferchen einfach viel besser aus als in einem Synthetik-Beutel.

Doch damit nicht genug: Ob es nun an der asiatischen Höflichkeit des Singapurianers lag oder nicht – mir wurde zusätzlich Champagner und Wein angeboten. Abgesehen davon, dass ich das für übertrieben hielt, wollte ich in elf Kilometern Höhe keinen Alkohol trinken und später wäre mir das Fläschchen im Handgepäck vom Zoll abgenommen worden, also lehnte ich ab. Als Ersatz dafür erhielt ich (und meine beiden Mitreisenden!) Qantas-Schlafanzüge. Joel: “You are wonderful passengers. We really appreciate your understanding.” Hiermit möchte ich sagen: Danke, Joel! Klar ist aber auch, dass Qantas auf diesem Weg eben doch noch eine positive Erwähnung “gekauft” hat.

Flughafen Singapore Changi

Während wir mit der praktisch unvorstellbaren Geschwindigkeit von 1.000 Stundenkilometern erst über Osteuropa, dann an Kabul und später am Himalaya vorbei fliegen, herrscht im Flugzeug künstliche Nacht. Beim Trip über die Zeitzonen ein unvermeidlicher Vorgang, will man trotz der eingeschränkten Beinfreiheit etwas Ruhe finden. Als sich Singapur langsam auf der Erdoberfläche abzeichnet, ist es dort Abend, 26°C warm und es herrscht extrem hohe Luftfeuchtigkeit. Von weitem sehen die vielen Wolkenkratzer, umrandet von tropischem Wald, wirklich beeindruckend aus – aus der Nähe entpuppen sie sich allerdings zum Großteil als DDR-Nostalgie-Nachbauten. Noch erkennt man nicht, dass dies das Land mit der höchsten Millionärsdichte der Welt ist.

Der Flughafen wirkt gemütlich, kein Vergleich zu Tokio, wo ich beim ersten Flug nach Neuseeland Zwischenhalt machte. Sogar ein paar Liegen gibt es hier. In der Technik-Metropole stehen natürlich zudem kostenlose Internet-PCs zur Verfügung, Deutschland liegt nur einen Klick zurück. Wer vor 20, 50 oder gar 100 Jahren eine Reise diesen Ausmaßes unternahm, hätte von dieser Vernetzung der Welt nichtmal zu träumen gewagt.

Die Kontrollen in Singapur sind schärfer als in Frankfurt, was nicht verwundert, wenn man weiß, dass es hier immer noch Körperstrafen gibt. Bis vor einigen Jahren waren sogar Kaugummis komplett verboten. Sauberkeit wird ebenso groß geschrieben wie Disziplin, ständig wird der blanke Boden nachpoliert. Durchreisenden wird der Aufenthalt so angenehm wie möglich gemacht.

Nach nur zwei Stunden verlasse ich das Land vorerst schon wieder. Weiter geht’s nach Melbourne, dieser Acht-Stunden-Flug ist allerdings weniger ereignisreich. Wohl auch weil ich diesmal in einem verstellbaren Sitz etwas mehr Schlaf finde als zuvor. Während der fünf Stunden, die ich in Australien bin, macht sich der Jet Lag trotzdem langsam bemerkbar. 22 Uhr wäre es in Deutschland, hier ist es 8 Uhr morgens. Ich habe kaum australische Dollar (die ihren neuseeländischen Kollegen übrigens sehr ähneln) zur Hand und es steht “nur” noch ein Drei-Stunden-Hüpfer rüber über die Tasmanische See zum Zielort Wellington bevor. Heißt also vor allem: Zeit totschlagen.

Kurz vorm letzten Abflug haben wir noch einmal Glück: Direkt vor uns parkt ein weißer Koloss. Ein A380 (Foto), das größte Flugzeug der Welt, zudem erst seit 2008 unterwegs. Das beeindruckt selbst die Kenner, neben uns steht eine Pilotencrew, die von dem Anblick ebenso in den Bann gezogen wird wie die meisten Touristen.

Nach der Landung in “Windy Wellington” kann ich endlich sagen: Zurück in Neuseeland!

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5 Kommentare
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  1. Hallo,
    schöner Bericht über den Flug, der immerhin 30 Stunden dauert. Wir sind damals über Las Vegas geflogen und haben ein paar Tage Pause gemacht. Nein wir haben dort nichts gewonnen.

    Über Neuseeland berichte ich übrigens auch in meinem Blog (http://www.neuseeland-blog.com), vielleicht mag der ein oder andere ja mal vorbeischauen!

  2. Hallo Chris
    Du hast Euren Flug sehr eindrucksvoll beschrieben. Jemand der diesen langen Flug schon einige Male gemacht hat kann alles gut nachvollziehen (und fuehlt die steifen Knochen in seiner Erinnerung noch einmal). Freue mich schon auf die Fortsetzung

  3. Hallo Chrissy
    Was fuer ein toller Bericht von dir! Man kann richtig deinen Flug mit deinem Bericht miterleben und fuehlen. So ein Flug ist wirklich unheimlich lang und schlaucht ganz schoen. Ich kann es kaum abwarten, deinen naechsten Bericht zu lesen. Well done :-)

  4. Danke für die interessante Schilderung Eures Flugs nach Neuseeland…Da möchte man auch bald einmal wieder ins Flugzeug steigen! Wann kommt der nächste Teil??

  5. [...] aus Neuseeland (drei Teile): 11.000 Meter über Afghanistan var flattr_uid = '41038'; var flattr_tle = 'Bericht aus Sheffield: Sprechen Sie Erasmus?'; var [...]

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