Neuseeland-Serie: Haere mai ki Aotearoa! (Teil 2/3)
5. April 2009 | Von hofnarr.christopher | Kategorie: GesellschaftKia ora zu Teil zwei meiner Neuseeland-Berichte! Nachdem ich zunächst von den Flugstrapazen und der halben Weltreise erzählt habe, geht es jetzt mit den ersten Beobachtungen vor Ort weiter. Unter anderem könnt ihr etwas über die “Ureinwohner” des Landes erfahren.
Zum Nachlesen – Teil 1: 11.000 Meter über Afghanistan — Zum Weiterlesen – Teil 3: Zu Besuch im Paradies

Der Autor beim Zeittotschlagen in Melbourne
Zweiter Eintrag: Die ersten Tage in Neuseeland haben einen guten Eindruck hinterlassen. Das Einleben ging sehr schnell, der Jetlag war praktisch mit der ersten richtigen Nacht verflogen. Ob es damit zusammenhängt, dass ich “in die Zukunft” geflogen bin? Schließlich ist man Europa hier ganze zwölf Stunden voraus (mit der Sommerzeit sind es derzeit elf). Sicher hängt es auch damit zusammen, dass Land und Leute sehr locker und offen rüberkommen. Was man von Star-Regisseur Peter Jackson gelernt hat, wird in jedem Supermarkt bestätigt: Barfuß-Laufen ist absolut salonfähig! Als Deutscher wirkt man dadurch schnell mal etwas steif und mürrisch.
Schon in der Ankunftshalle des Flughafens in Wellington werden wir mit den freundlichen Worten “haere mai” (siehe Übersetzungen unten) begrüßt – die Maori-Sprache ist heute, etwa 150 Jahre nach den “Land Wars” zwischen Briten und Maori, wie selbstverständlich als zweite Amtssprache etabliert. Präsent ist sie vor allem auch durch die vielen Orts- und Straßennamen, die Neuseeland ein unverwechselbares Gesicht geben. Allerdings sind es meist die kleineren Gegenden, die diese Namen tragen, die Großstädte wie neben der Hauptstadt Wellington auch Auckland, Christchurch oder Dunedin sind nicht nur in dieser Hinsicht englisch geprägt. Der Terminus “Großstadt” ist bei einer Gesamtbevölkerung von knapp über vier Millionen Menschen jedoch ohnehin im Verhältnis zu sehen.
Mittlerweile steigt übrigens der Anteil eingewanderter Asiaten in der Bevölkerung immer stärker an, besonders in Auckland macht sich diese Entwicklung bemerkbar. Die “Nähe” zum asiatischen Festland wird immer spürbarer, während die alten Bande zur ehemaligen Kolonialmacht in Europa lockerer werden. Zwar ist Queen Elizabeth II. immer noch das Staatsoberhaupt, greifbarer ist gleichwohl die Übermacht fernöstlicher Produkte auf dem Automarkt und den Motorways. Manch einer spricht sogar schon von der “Asian invasion”.
Zurück zum Airport: Bei der Passkontrolle, an der die Ankömmlinge in Neuseeländer/Australier einerseits und alle anderen Nationen andererseits unterteilt werden, erinnere ich mich an Bilder vom Beginn der Dreharbeiten der Trilogie “Der Herr der Ringe“. Als damals die Film-Crew in Wellington gelandet war, hatten Flughafenmitarbeiter die Schalter nämlich anders unterteilt. So bekamen Hobbits, Orks und Zauberer alle ihren eigenen Schalter, an dem Sie empfangen wurden. Und nur ganz gemeine Kiwis würden natürlich sagen, dass zwischen Aussies und Orks nur ein geringfügiger Unterschied bestehe…
Überhaupt ist das “Lord of the Rings”-Flair an vielen Stellen spürbar. Das liegt zum einen daran, dass Neuseeland den Megahit für seine Zwecke marketingtechnisch ausnutzt und damit noch mehr Touristen anlocken will. Zum anderen sind die Landschaften aber auch tatsächlich derart atemberaubend wie sie in den Filmen rüberkommen. Durch die Vielfalt des Landes, von Vulkanen und Gletschern bis zu sattem Grün und großen Seen, konnte die komplette fiktive Welt von “Mittelerde” in seinen Einzelheiten hier abgefilmt werden. Die Drehorte erstrecken sich daher über die ganze Nation – was wiederum der Tourismus-Branche entgegenkommt…
Ich selbst etwa habe jenen Pinienhain gesehen, in dem Arwens (Liv Tyler) Flucht vor den Schwarzen Reitern nach Bruchtal gedreht wurde. A propos Reiten: Meine Tante ritt eine Zeit lang jenes Pferd, auf dessen Rücken zuvor Aragorn (Viggo Mortensen) gesessen hatte. Mittelerde ist klein.
Ein Ort, an dem es zwar auch viel zu entdecken gibt, allerdings weniger in Bezug auf Herr der Ringe, ist Rotorua. Schon bei der Anfahrt steigt einem der unverwechselbare Gestank von verfaulten Eiern in die Nase. Der Grund für den Schwefelgeruch sind geothermische Aktivitäten, die es so nur an wenigen Orten der Welt gibt. Weil es dadurch neben dem Geruch auch spektakuläre Geysire zu erleben gibt und zudem Maori-Dörfer wie das mittlerweile zweigeteilte Whakarewarewa locken, ist Rotorua einer der größten Touristenmagneten der Nordinsel. Ein guter Ort, um sich etwas über die alte Kultur erzählen zu lassen.
In “Whakarewarewa – The thermal village” ist allerdings leider zumindest die Musikaufführung sehr touristisch und etwas lustlos geworden. Das ist zwar verständlich, wenn die alten Tänze und Gesänge nur noch für Urlauber rausgekramt werden, aber eben auch schade, weil die “cultural performance” noch vor wenigen Jahren viel authentischer wirkte. Für einen ersten Einblick und zum Beispiel eine Vorführung des hangi (ein “Ofen” unter der Erde) sowie das Naturspektakel der Geysire ist der Ort freilich nach wie vor den Besuch wert.
Ein eigentlich weniger erzählenswerter Ort schafft in Rotorua zudem die Symbiose zwischen amerikanischem Fast Food und Maori-Traditionen. Das ansässige McDonald’s wird im gesamten Inneren und selbst auf dem Parkplatz von Maori-Symbolen und -Schnitzereien verziert. Die entsprechen zwar vielleicht nicht unbedingt höchsten Qualitätsansprüchen (wie es sie andernorts immer noch zu finden gibt) – für das Schnellrestaurant ist die Gestaltung aber durchaus als kunstvoll zu bezeichnen.
Ein weiteres schönes Nebenprodukt der Geothermik ist das heiße Wasser, das sich in kleinen Kratern auf der Erdoberfläche sammelt. Durch diese natürliche Heizung entstand in der Stadt unter anderem ein “Polynesian Spa”, das ich für Hingesehen unter Inkaufnahme von enormen Anstrengungen… na gut, das ich zur persönlichen Entspannung aufgesucht habe. Ein herrlicher Ausblick auf den Lake Rotorua, 40 Grad warmes Wasser, Sonnenstrahlen – der perfekte Ort zum Ausruhen? Fast. Wäre da nicht die Horde von Asiaten, die in enormer Lautstärke (und Anzahl) die Anlage für sich entdecken. Aber gut, wer von uns nimmt nicht auch seine Digitalkamera mit in den Pool. Nach dem Baden habe ich erstmal Kopfschmerzen. Vielleicht sollte ich mal in so ein Spa, die sollen ja ganz gut zum Entspannen sein…
Weiter geht’s in einem letzten dritten Teil – einer Nahaufnahme von Neuseeland, in der ich unter anderem vom politischen System, dem Bezahlfernsehen nach britischem Vorbild und einer Seereise durch die Marlborough Sounds berichten werde… Stay tuned!
Die wichtigsten Maori-Ausdrücke, die Neuseeland-Reisende fast überall im Land wiederfinden. Ursprünglich war die Sprache der Ureinwohner übrigens nicht-literal, die Schreibweisen sind also erst im 19. Jahrhundert mit der Kolonialisierung entstanden. Die Übersetzungen sind meist sinngemäß und nicht wörtlich:
- haere mai – Herzlich willkommen
- kia ora – Hallo, Danke (wörtlich eher: Alles Gute)
- whanau – Familie
- marae – Versammlungshaus
- pakeha – Weißer
- Aotearoa – Land der großen weißen Wolke (i.e. Neuseeland; dabei gab es vor der Ankunft der Europäer keinen einzelnen Begriff, der für das gesamte Land stand)
- iwi – Stamm
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