Pelzmesse in Frankfurt sorgt für Großaufgebot der Polizei
16. März 2009 | Von Carsten Brück | Kategorie: GesellschaftAn diesem Samstag waren große Teile einer der bekanntesten Einkaufsmeilen Deutschlands, der Frankfurter Zeil, von Polizeikräften in Kampfmontur gesäumt. Ladengeschäfte wurden mit massiven Stahlbarrieren weiträumig abgesperrt und von Polizisten bewacht.
Wie Ortskundige bereits ahnen, fanden in diesen Tagen wieder die “Fur & Fashion Market Days”, eine internationale Pelzmesse, statt. Wie in den vorigen Jahren rief dieses Ereignis auch dieses Mal wieder Protestanten auf den Plan, die ihrem Unmut über die Pelzindustrie Gehör verschaffen wollten.
Die Demo im Jahr 2008
An unzähligen Ständen, an denen Flyer verteilt wurden, flimmerten den Passanten Fernseher entgegen, auf denen in Endlosschleife Tiere bestialisch gehäutet und zu Mänteln verarbeitet wurden. In Schafskostüme gehüllte Demonstranten verteilten Informationsmaterial und warfen sich zu Gewehrschüssen vom Band theatralisch auf den Boden.
Neben diesen eigenwilligen, aber friedlichen Protesten mussten jedoch auch in diesem Jahr wieder gewalttätige Übergriffe und sogar Ladenplünderungen befürchtet werden. Man wird sich schnell bewusst, dass das anfangs übertrieben wirkende Polizeiaufgebot seine volle Berechtigung hat.
Fernab von gefährlichen Krawallen fielen erstaunlich viele in Lederjacken gekleidete Jugendliche auf, die fröhlich am Schauspiel teilnahmen und den Passanten selbst gemachte Flyer anboten. Angesprochen auf das Material ihrer Bekleidung zogen sie allerdings lachend weiter.
Das Stadtbild von Frankfurt war an diesem Samstag zwar reichlich bizarr, aber irgendwie doch homogen. Die Stände der Demonstranten fielen zwischen den üblichen Straßenpredigern und Alleinunterhaltern erst auf den zweiten Blick auf. Nach anfänglicher Irritation bildeten sich Menschentrauben nicht um Informationsstände sondern um eine Frau mit Schlagzeug und eine Band junger Straßenmusikanten.
Nur die Kampfausrüstung der Polizisten, die nach einigen Stunden wieder in den Einsatzwagen verstaut werden konnte, ließ erahnen, dass an diesem Tag doch etwas anders war. Die gewalttätigen Demonstrationen blieben aus.
Der Autor meint: Es ist beachtlich, dass es in Zeiten von Amokläufen und einer Weltwirtschaftskrise noch genug Menschen gibt, die immer noch einen weiteren Grund für Proteste finden. Die Parole “Pelz ist Mord” verliert meiner Meinung nach einen großen Teil ihrer Schlagkraft, wenn nur wenige Tage zuvor Schüler getötet wurden und Pelzdemonstranten sich gemütlich an einem Currywurststand bedienen.
Trotzdem ist nicht von der Hand zu weisen, dass es weltweit noch viele Betriebe gibt, in denen Tiere unter lebensunwürdigen Bedingungen gehalten werden, nur um industriell verwertet zu werden. Es besteht Handlungsbedarf. Ob aber gerade jetzt die Gesellschaft auch auf dieses Thema mit Protesten sensibilisiert werden muss, ist mehr als fraglich.
Autor: Carsten Brück
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Es wundert mich, das noch jemand demonstriert – nach dem, was ich so in den Versandhauskatalogen der letzten Jahre gesehen habe, dachte ich, das Thema sei total “out”.
Zum Thema Lederjacken: ich trenne ganz simpel nach Nutztier, das auch auf dem Teller landet, also Rind, Lamm, Schwein (was ja im Katalog nur als “pork” auftauchen darf) Ziege. Da fallen logischerweise auch Häute an, wozu sollte man die wegwerfen?
Absolut unnötig finde ich dann irgendwelche Pelze zweifelhafter Herkunft im Zeitalter kuschelig warmer High-Tech-Stoffe – jedenfalls in Deutschland. Wenn Naturvölker ein Tier jagen und auch das Fell verwerten, würde ich das auch akzeptieren, weil es in dem Fall nicht um unnötiges Protzen geht, so wie bei uns.
Was noch fehlt, ist ein Herkunftsnachweis beim Leder, daß also der Käufer, wenn er möchte, Jacke oder Sofa von “glücklichen Kühen” kaufen kann und bewußt Betriebe unterstützt, die ihre Tiere artgerecht halten.
Hallo Carsten,
eine kleine Korrektur: die von dir angesprochenen “Demonstranten” in Schafskostümen hatten nichts mit der Demo zu tun, das waren Flyerverteiler einer Werbeaktion, die eine Reise nach Irland verlosten (entdeckeirland.de). Nichts weiter als ein lustiger Zufall, dass nebenan gerade die Demo gegen Pelze stattfand
Abgesehen davon stimme ich Dir zu: Angesichts des jüngsten Amoklaufs ist die Parole “Pelz ist Mord” alles andere als angemessen. Der Mensch sollte eben doch mehr wertgeschätzt werden als ein Tier.
Gruß
The Luke
Ja, ich sehe das genauso. Wir “verwerten” nunmal in unserer Gesellschaft Tiere, und solange dies nicht unter unnötigen Qualen geschieht, kann ich auch gut damit leben.
Man wird das Gefühl nunmal einfach nicht los, dass Demos für viele einfach ein Besäufnis im Glanz vergangener Tage sind. Egal, was da auf den Bannern steht…
OK, habe die Schafe nicht extra angesprochen, aber das passte wirklich gut, wie gesagt, ein homogenes Straßenbild.