Porsche: Geplatzte Träume
8. Mai 2009 | Von hofnarr.florian | Kategorie: WirtschaftIn Zeiten der Wirtschaftskrise zerplatzen viele Unternehmensträume wie Seifenblasen. Bisher schien es, als sei Porsche immun gegen die Krise. Doch nun ist die Flaute auch in Stuttgart angekommen. Porsche ist jäh aus dem Traum, zum weltweiten Autoriesen aufzusteigen, gerissen worden. Dabei hatten es sich die Manager Wendelin Wiedeking und Holger Härter so schön ausgemalt. Der Sportwagenhersteller, der von den Familien Porsche und Piëch kontrolliert wird, wollte den mehrfach größeren Volkswagen-Konzern übernehmen. Porsche erhielt mit dem Kauf von 51 Prozent der Anteile die Mehrheit. Dieser Erwerb kostete ungefähr 23 Milliarden Euro.
Die Stuttgarter wollten ihren Anteil sogar noch auf 75 Prozent aufstocken. Dieses Vorhaben scheiterte aber an der unsicher gewordenen Kredit-Finanzierung. Aufgrund der Finanzkrise und mangelnden Vertrauens in Porsche verlängerten die Banken die Kredite nicht. Nun hat Porsche ein großes Finanzierungsproblem. Trotz Rekordgewinn im letzten Jahr (mehr Gewinn als Umsatz) drücken nun neun Milliarden Euro Schulden die Bilanz. Die daraus resultierenden Zinsabgaben machen es nicht gerade leichter.
Einheit statt Übernahme
Die Porsche-Holding muss also gezwungenermaßen ihr Eigenkapital erhöhen. Dieses soll von den Stamm- und Vorzugsaktionären kommen. Bankenkreisen zufolge soll diese Kapitalerhöhung einen Umfang von fünf Milliarden Euro haben. Neue Investoren will man zunächst nicht mit ins Boot holen.
Die Machtverhältnisse zwischen Porsche und VW drohten sich aus Sicht der Stuttgarter sogar nahezu umzukehren. Porsche-Miteigentümer und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch befürwortete eine Übernahme des Sportwagenherstelles durch den Volkswagen-Konzern. Dieses Szenario lehnten die Inhaber-Familien jedoch ab. Nun einigte man sich auf einen Kompromiss auf Augenhöhe, der jedoch noch viele Fragen offen lässt.
Porsche will mit Volkswagen einen gemeinsamen, integrierten Autokonzern schaffen. Dabei sollen die zehn Einzel-Marken unter einer einheitlichen Führungsgesellschaft operieren, teilte Porsche am Mittwoch nach einem Treffen der Eigentümerfamilien mit dem Firmenvorstand mit. Die Eigenständigkeit aller Marken soll gewahrt bleiben. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe wird die Einzelheiten der Fusion in den nächsten vier Wochen erarbeiten. In die Verhandlungen werden auch das Land Niedersachsen und die Arbeitnehmer eingebunden.
In den Verhandlungen wird es rau zugehen, denn es geht um Macht und die will bekanntlich jeder wirtschaftliche Akteur haben. Niedersachsen will seine Sperrminorität nicht verlieren und die Arbeiter von VW wollen ihr großes Mitspracherecht nicht einbüßen. Zudem stellen sich noch kleinere Fragen, die den Bürger aber brennend interessieren: Wo soll der Hauptsitz des Konzerns sein – Stuttgart oder Wolfsburg? Und wie wird die neue Führungsgesellschaft heißen?
Die Machtfrage
Doch den großen Showdown fechten Porsche-Manager Wendelin Wiedeking sowie seine rechte Hand Holger Härter gegen VW-Chef Martin Winterkorn mit Ferdinand Piëch als Rückendeckung aus.
Eigentlich sind Wiedekings Referenzen exzellent. Er machte Porsche zum profitabelsten Autohersteller der Welt. Natürlich verdiente er dadurch auch sehr gut, aber die Eigentümer der Familien Piëch und Porsche bekamen den größten Teil des großen Kuchens ab. Dennoch sind sie ihm nicht dankbar, sondern nehmen ihm die gescheiterten Übernahmeversuch von VW übel. So gaben sie Ferdinand Piëch wieder Teile der Zügel in die Hand und stießen so ihren Manager vor den Kopf. Martin Winterkorn gilt als dessen würdiger Nachfahre. Er machte bisher wenige Fehler. Zwar ist er kein Strahlemann wie Wiedeking, aber vielleicht ist gerade das sein größter Vorteil.
Wer letztendlich den Machkampf für sich entscheiden kann, ist noch nicht abzusehen. Doch sicher ist, dass niemand allzu schnell Macht einbüßen möchte. Irgendwer wird am Ende dennoch als Verlierer dastehen.
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Bin mal gespannt wie es endet. Mir persönlich wäre Porsche als eigenständiges Unternehmen dennoch lieber!
Schaut zu diesem Thema auch mal unter born-to-be-reporter.de!
Ganz aktuell zu diesem Thema die Karikatur der Woche!
Und wenn DU mehr wissen möchtest über Fusionspläne von VW dann gibt es einen interessanten Artikel im Themenbereich Wirtschaft: “Der pfiffige Winkelzug – Ferdinand Piech der listige Fuchs”
Viel Spaß beim Lesen!
Euer born-to-be-reporter TEAM
Wir haben zwar eine kleine Link-Kooperation gestartet, aber etwas mehr Bezug zum Thema und etwas weniger Werbung in eurem Kommentar wäre schon wünschenswert!
Ist mir irgendwie immernoch ziemlich ungreifbar, wie es sein kann, dass eine Firma, die eine andere übernehmen wollte nun von eben dieser übernommen wird. Oder jedenfalls eine Fusion dabei herauskommt…