Provider-Wechsel schwer gemacht
22. März 2009 | Von hofnarr.florian | Kategorie: GesellschaftUpdate: Nachdem der neue Home-Server geliefert wurde, läuft alles einwandfrei!
Die Auswahl an DSL-Anbietern ist riesig. Früher gab es nur die Telekom und jetzt überschwemmen jede Menge Marken das Fernsehen, Magazine und Radio mit ihrer Werbung. Die Konkurrenz ist groß und auch deswegen erwartet man schon länger eine Konsolidierung im deutschen DSL-Markt. Doch bisher blieben große Übernahmen aus, auch aufgrund der Finanzkrise. Nun will jedoch der spanische Anbieter Telefónica die Nummer Zwei auf dem deutschen Markt werden.
Auch einer der Hofnarren kämpfte sich bis vor kurzem durch den Dschungel von DSL-Anbietern: Ich hätte es wissen müssen. Die Werbung von 1&1 auf der Rückseite unserer Fernsehzeitschrift war auch einfach zu verlockend. DSL 6000 mit allem Schnick-Schnack für 29,99 € im Monat. Natürlich versprach der Telefonberater, dass alles ganz glatt laufen wird und ohne Probleme umgeschaltet werden kann.
Gründe für den Wechsel von Arcor zu 1&1 gab es genug. Arcor konnte uns hier in Hamm nur noch DSL 2000 anbieten, 1&1 aber dank Telefónica-Netz DSL 6000. Bei drei bis vier gleichzeitig surfenden Nutzern eine richtige Erlösung. Endlich parallel auf Youtube Videos gucken und ein wenig im Internet spielen. Mit einer Bandbreite von 2000 nicht besonders schön. Außerdem zahlten wir bei Arcor deutlich zu viel nach meinem Gefühl. Oft variierte der monatliche Betrag von 50 bis 80 Euro. Ein neuer, billigerer Tarif wäre möglich gewesen, aber nur inklusive zweier weiteren Jahren Vertragslaufzeit – und das mit maximal DSL 2000. Also entschied ich mich mit meiner Familie für 1&1.
Übernahme von United Internet durch Telefónica?
1&1 gehört zur Aktiengesellschaft United Internet, genau so wie die Marken Web.de und GMX. Das Unternehmen machte im Jahr 2007 einen Umsatz von 1,487 Milliarden Euro. Derzeit betreut die DSL-Sparte ungefähr 2,8 Millionen Kunden. Allerdings ist ein großer Teil der Kunden gar nicht mehr auf das Netz der Telekom geschaltet, sondern auf das von Telefónica. Telefónica ist in Deutschland mit der Mobilfunkmarke O2 auf dem Markt vertreten, die mit mäßigem Erfolg auch DSL-Anschlüsse anbietet. Bisher haben sich nur etwas mehr als 200.000 Kunden für einen DSL-Anschluss der Marke O2 entschieden. Hinzu kommen aber ungefähr mehr als 1,3 Millionen Anschlüsse, die nur noch nicht als Endkunden vermarktet werden, sondern mittels Hansenet, Versatel und United Internet auf das Netz geschaltet sind.
Das Festnetzgeschäft mit Endkunden fehlt Telefónica selbst größtenteils. Doch genau darin sehen Experten die Zukunft, dank Internetfernsehen (IPTV), Speicherplatz im Netz oder der Vermarktung von Inhalten über alle Endgeräte wie Computer, Handy oder Fernseher hinweg. Einnahmen aus diesen Bereichen gehen aber am Konzern vorbei, da dieser bei Großkunden wie eben 1&1 nur den reinen Anschluss in Rechnung stellt. Deswegen soll Telefónica auch sehr stark am Zukauf von Unternehmen mit vielen solchen Endkunden interessiert sein. Laut der FAZ könnten man United Internet oder Hansenet übernehmen, die ohnehin schon weitgehend das Netz der Spanier nutzen.
Genügend Mittel hätte die Telekommunikationsgruppe, die an der Madrider Börse notiert ist: Mit einem freien Mittelzufluss von mehr als 9 Milliarden Euro hat der Konzern genug Kapital, um Zukäufe meistern zu können. Hansenet mit der Marke Alice und auch United Internet werden jeweils mit rund einer Milliarde bewertet. So könnte Telefónica mit einem Kauf von einem der beiden deutschen Anbieter, Arcor als Nummer Zwei hinter der Telekom überholen.
Ein Hofnarr wechselt zu 1&1
Bei uns überholte Telefónica bzw. 1&1 Arcor schon am gestrigen Samstag. Der alte Vertrag lief aus und der neue Anschluss sollte aktiviert werden. Zuerst dachte ich ja, ich könnte die alte Hardware von Arcor übernehmen und nur schnell die Einwahldaten ändern. Wie töricht! Splitter und Modem kennt man bei der Mediengruppe United Internet gar nicht mehr. Für mich ging eine Welt zu Bruch, als mir der Techniker mitteilte, dass ich jetzt einfach an die DSL-Buchse die Fritzbox anschließe und quasi auch über das Internet telefoniere. Leider hat mir 1&1 natürlich nicht die richtige Fritz-Box zugeschickt, sondern eine kleine „Phone-Box“ statt dem großen Homeserver, den ich aber brauche, da ich eine ISDN-Telefon-Anlage anschließen muss. Also habe ich erstmal das eigentlich falsche Gerät angeschlossen, damit wir wenigstens Internet haben und ein analoges Telefon.
Das eigentliche Problem ist nämlich, dass an diesem Anschluss unser Geschäft und unsere private Wohnung mit zwei Nummern dran hängen, deswegen auch die ISDN-Anlage. Natürlich ging auch das DSL erstmal nur sporadisch. Da man aber auch darüber telefoniert, ging das Telefon ebenso nicht. Mein Vater, der das Geschäft leitet, fand es nicht so witzig, dass er dort nicht erreichbar war oder die Gespräche alle zwei Minuten abbrachen.
Schon etwas älterer Beitrag zu 1&1
Ich habe dann bei der Technik-Hotline angerufen, um die DSL-Leitung in den Griff zu bekommen. Natürlich musste ich das Handy nehmen, da ja das Festnetz nicht ging. „0,14 €/Min aus dem Festnetz. Mobilfunkpreise können abweichen.“ Naja wird schon nicht so teuer, dachte ich da noch. Nach 15 Minuten inklusive Warteschleife und ewigen Minuten im Menü, was mittels Sprachbefehlen gesteuert wird, bekam ich dann die Lösung. Fritzbox updaten und der Techniker startet die Leitung neu. Außerdem ist es normal, dass 48 Stunden nach Freischaltung alles nicht funktionieren kann. Also abwarten und Tee trinken! Leider war nach diesem Gespräch mein Handy-Prepaid-Guthaben von 15 auf 8 Euro geschrumpft – so viel dazu, dass Mobilfunkpreise abweichen können.
Mittlerweile scheint sich die DSL-Verbindung stabilisiert zu haben. Das neue Gerät, der Homeserver, kommt aber erst in einer Woche. Das bedeutet, dass wir eine Woche oben in der Wohnung kein Telefon haben, im Laden nur ein Telefon und kein Fax oder EC-Karten-Leser, der läuft nämlich auch über die ISDN-Anlage. Natürlich habe ich das sofort bei 1&1 angemerkt. Nun soll ich einen Antrag auf Gutschrift stellen. Ich hoffe erstmal, dass der Homeserver wirklich in einer Woche kommt. Dann sehen wir weiter. Vielleicht ist bis dahin 1&1 schon ein Bestandteil von Telefónica?
Ist es eigentlich auch möglich, dass es ein Provider-Wechsel einwandfrei funktioniert? So ganz ohne Probleme? Also mir ist das noch nie passiert…
Hofnarr Christopher: Ich für meinen Teil habe bei meinem Familienanschluss kürzlich auch einen Provider-Wechsel miterlebt. Sowohl beim Wechsel zu 1&1 vor einigen Jahren als auch jetzt bei der Umstellung auf Telekom kam es anscheinend unvermeidlicherweise zu Problemen. Ahnliches (sogar ein kompletter Ausfall der Telefonanlage über mehrere Wochen) berichten weitere Bekannte. Unverständlich, zumal die Komplikationen wohl bei allen Anbietern auftreten.
Artikel zum Thema:
- Kein gutes Quartal für United Internet
- United Internet schreibt rote Zahlen
- Ein anderer Leidensbericht zu 1 und 1
- In der ZDFmediathek gibt es unter der Nummer 726146 einen Beitrag zum Thema
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genau aus solchen gründen bin ich schon immer bei t-online geblieben und da auch recht zufrieden
@ Frank: Dafür zahlt man aber auch um einiges mehr bei der Telekom. Aber genau mit deinem Argument macht die Firma ja gerade auch fleißig Werbung.
Genau aus solchen Gründen bin ich bei orange geblieben und da auch recht zufrieden. Die Tarife sind nicht wirklich teurer als bei anderen französischen Anbietern, allerdings muss man sich für billigere Tarife immer für ein Jahr verpflichten und ein Jahr bleib ich hier nicht mehr. 8Mega Geschwindigkeit für 29,89Euro monatlich hab ich momentan. Schneller ginge das bei den miesen Leitungen hier eh nicht.
@ stanze: Acht Megabit sind doch sehr ordentlich. Ich habe jetzt nur 6000. Die Mindestvertragslauf ist auch zwei Jahre. In Deutschland ist die Situation auf dem Land noch viel schlimmer. Mal sehen, was das Konjunkturpaket Zwei da ändern kann.
“DSL-Buche”
Ich kaufe ein “s”.
@ Max: Kennst du nicht die berühmte DSL-Buche, auf der das Internet wächst? Ok ich habe dein “s” mal eingefügt. Danke für den Tipp.
irgendwie schwankt der downstream bei 1&1 16000 bei mir extrem. ich wohne in einer großen stadt. oftmals hänge ich bei 3mbit rum, gelegentlich komme ich über 10mbit. der upstream ist hingegen stabil.
ist euch sowas auch bekannt?
@ Daniel: Ich bin da auch kein Experte. Aber es könnte einmal an der Hardware liegen oder auch an 1&1. Ruf da am besten Mal an. Vermutlich ist der Verteiler überfüllt. Das Problem hatte ich auch früher einmal.
So ein Providerwechsel kann wirklich ewig dauern, ich war froh dass ich auch noch ein UMTS Modem habe, wäre sonst 3 Wochen ohne Internet gewesen.