Qualität statt Seifenopern

31. Januar 2009 | Von hofnarr.florian | Kategorie: Gesellschaft

Oft genug wird in den Medien über das deutsche Fernsehangebot gemeckert, da nehmen wir uns nicht aus. Doch es besteht dabei die Gefahr schwarz zu malen und wir sind der Meinung, dass man nicht nur das Negative hervorheben, sondern auch mal Gutes loben sollte.

In den öffentlich-rechtlichen Sendern läuft mittlerweile viel, was die Rundfunkgebühren nicht mehr rechtfertigt: Soaps, billige Quizshows und nervige Kochsendungen. Man fragt sich, wo da der Bildungsauftrag erfüllt wird und sieht kaum noch den Unterschied zu den Privaten. Rund 204 Euro muss jeder Besitzer eines TV-Geräts jährlich an das ZDF und die ARD sowie ihre regionalen Ableger zahlen. Eine stattliche Summe, die doch eigentlich ausreichen sollte, um ein anspruchsvolles und bildendes Programm zu liefern. Zudem wird die Finanzierung schon lange auch bei ihnen durch Werbeinnahmen aufgestockt.

Ein viel versprechendes Angebot bietet seit einiger Zeit das ZDF am späten Montagabend. Im Rahmen des „Montagskinos“ zeigt das Zweite allerlei hochklassige Hollywood-Werke, wie zum Beispiel „Batman Begins“, „The Italian Job“ oder „Mord und Margaritas“. Letzte Woche lief der 50er-Jahre-Thriller „Lonely Hearts Killer“ und an diesem Montag erwartet den Zuschauer „Mordmotiv: Rache“. Häufig bietet das Programm auch eher unbekannte internationale Beiträge.

Die Filme beginnen jeweils um 22.15 Uhr und laufen damit unter der Woche zu relativ später Stunde. Für viele Zuschauer ist dieser Sendetermin also nicht attraktiv, da sie am nächsten Morgen wieder früh arbeiten müssen. Dabei ist die Qualität der Filme sehr gut. Das hat freilich auch seinen Preis. Das ZDF muss für die Filmrechte hohe Summen berappen. Während auf den meisten Privatsendern diese Filme, soweit auch für Jugendliche unter 16 geeignet, zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr laufen würden, zeigt sie der öffentlich-rechtliche Sender zu später Stunde. Anscheinend kann sich das ZDF diesen Luxus leisten, wohl auch dank der Rundfunkgebühren. Private Sender müssten die teuren Einkäufe wieder durch gut platzierte Werbung, die zur besten Sendezeit natürlich am meisten Geld einbringt, reinholen.

So spürt der Zuschauer einmal etwas von seinen 204 Euro Gebühren: Gute Filme, die nicht durch nervige Werbeunterbrechungen gestört werden. Zu Recht trägt die Reihe den Titel „Montagskino“. Der deutschen Filmindustrie ist das aber nicht genug. Um mit den ausländischen Produktionen konkurrieren zu können, wünschen sie sich eine bessere Präsentation im TV. Produzenten, Regisseure und Darsteller fordern ein regelmäßiges Sendeformat für deutsche Spielfilme. Schon jetzt wird die Industrie finanziell von den Öffentlich-Rechtlichen gefördert.

Der Hofnarr findet die Kritik der deutschen Filmemacher eindimensional. Gute deutsche Werke wie  „Die Fälscher“, das in dieser Woche zu sehen war, finden immer den Weg in das öffentlich-rechtliche Fernsehprogramm, meist sogar zur besten Sendezeit. Das gleiche gilt etwa für „Der Untergang“ und „Das Leben der Anderen“, allerdings sind das allesamt auch international preisgekrönte Werke. Deutsche „Independent-Streifen“ finden selten den Weg in ARD oder ZDF. Gelungene TV-Filme aus Eigenproduktion sind jedoch genau so selten wie bei den Privaten. Wenn deutsche Filmemacher mehr Sendezeit einfordern, müssen sie auch gutes Material produzieren, was einen Sendeplatz rechtfertigt.

Trotz allem ist die Investition des ZDF in das Filmepaket “Montagskino” ein lobenswertes Beispiel. Bieten die öffentlich-rechtlichen mehr Beiträge dieser Qualität, bezahlt der Hofnarr die Rundfunkgebühren sogar gerne – für billige Seifenopern allerdings nicht.

Was denkt ihr: Brauchen wir mehr deutsche Filme im Fernsehen oder seid ihr mit dem derzeitigen Angebot der öffentlich-rechtlichen Sender zufrieden?

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3 Kommentare
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  1. Gute, deutsche Werke wie “Der Untergang”?

    Verzeihen SIe, lieber Hofnarr: War das ein Schabernack ob Ihrer Bezeichnung oder ein ersntgemeinter Ausruf?

    Hochachtungsoll,

    Darian, in Frage stellend seit 1975

  2. Das war durchaus ernst gemeint. Ich halte “Der Untergang” für einen gelungenen Film, der Hitlers letzte Tage authentisch darstellt, zumindest so weit ich das beurteilen kann. Bruno Ganz Darstellung von Hitler fand ich auch sehr überzeugend. International hat das Werk auch gute Kritiken bekommen. Der Film war 2005 für den Oscar als bester ausländischer Film nominiert, gewann den Preis jedoch nicht.

  3. Ich sprach dem Hofnarren die Ernsthaftigkeit der Aussage nicht wirklich ab, jedoch sind international gute Kritiken kein Garant für gute Machwerke in der Empfindung des Einzelnen. Und beurteilen werden es wohl die Wenigsten können, wie es wirklich war. Das ist (neben den Aussagen Über- und Miterlebender) eben der Fantasie der Macher gegönnt: So oder so oder auch so KÖNNTE es gewesen sein. Abgsehen davon scheint der Film in die Reihe der Filme zu passen, die alleine dadurch mit sich Werbung betreiben, sich mit dem Thema “Hitler” zu befassen – heute immer noch ausreichend für die eine oder andere Diskussion. In diesem Sinne:

    Darian

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