Robert Basic im Interview: “Mich stört Google Street View überhaupt nicht”
23. August 2010 | Von hofnarr.florian | Kategorie: Hingesehen-FeaturesRobert Basic ist eine der berühmtesten Persönlichkeiten des Web 2.0. Durch den Verkauf seines Blogs Basic-Thinking machte er selbst in den Printmedien Schlagzeilen. Momentan arbeitet er an seinem neuen Projekt Buzzriders (Hingesehen berichtete) und bloggt auf robertbasic.de. Hingesehen befragte Robert zu der aktuellen Debatte um Google Street View.
Hingesehen: Wie stehst du persönlich zu Google Street View? Siehst du es positiv oder negativ?

"Kultfigur des Internets": Robert Basic (Bild via twitter.com/robgreen)
Basic: Mich stört Google Street View überhaupt nicht. Ich betrachte es als ein sehr nutzbares Werkzeug, das sowieso nur ein Vorläufer der “augmented reality”-Welle ist. Das Anreichern der Informationen in unserer Umgebung wird im Zuge der Mobilisierung des Internets zu einem Standard. Street View ist lediglich eine der zahlreichen Grundlagen dafür.
Hingesehen: Denkst du, dass die Privatsphäre unserer Gesellschaft durch Google bedroht wird?
Basic: Google bedroht mit Sicherheit nicht die Privatsphäre, das Haus schärft eher das Bewusstsein. Googles Sicherheitsmaßnahmen würde ich mehr vertrauen, Daten zu schützen, als anderen Unternehmen mit weitaus geringeren Mitteln. Man muss sich aber immer fragen, ob es gut ist, dass ein Unternehmen wie Google für immer und ewig derart viele Informationen “an einer Stelle” sammelt. Niemand kennt die Unwägbarkeiten eines Unternehmens und kann kaum vorhersehen, ob man auf ewig auf Googles Stabilität und Sicherheitsmaßnahmen vertrauen kann.
Hingesehen: Hat es dich schockiert, dass Google auch persönliche Informationen über unverschlüsselte WLAN-Netzwerke gesammelt hat?
Basic: Ich denke, Google hat den Fehler offen erklärt und bereinigt. Ich sehe da keinen Diskussionsbedarf.
Hingesehen: Wirst du dein Heim bei Street View mittels Widerspruch sperren lassen?
Basic: Nein, ich betrachte das als sinnfreie Maßnahme aus meiner eigenen Warte. Wenn es beispielsweise um Sicherheit geht, brauchen Diebe so einen Unsinn nicht, es sei denn, es sind dumme Diebe. Und dumme Diebe fasst man schneller. Beschaffunskriminelle wie auch organisierte Kriminelle gehen eh anders vor. Meine Nachbarn wissen, wo ich wohne. Dritte interessieren sich null dafür. Wer bleibt? Niemand. Nur die Angst vor der Unwissenheit.
Hingesehen: Wie bewertest du den Umgang der Politik, gemeint ist insbesondere Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (hier im Hingesehen-Interview vor der Bundestagswahl), mit der Problematik?
Basic: Ein smarter Schachzug, Google vorzuschieben, um Themen zu setzen, Popularität zu gewinnen, indem man auf Populismus setzt. Mit inhaltlicher Politik hat das nichts zu tun. Verständliche Politspiele, die weder Erklärung noch Diskussion bedürfen. Franz Josef Strauß hätte von Worthülsen gesprochen.
Hingesehen: Brauchen wir deiner Meinung nach eine Reform des Datenschutzgesetzes in Deutschland?
Basic: Des Deutschen Gartenzaun ist mir eh ein Rätsel, seine Neigung zur “Nachbarschaftsliebe” ebenso ein Mysterium. In diesem Rahmen verzichte ich gerne auf ein Argument für und wider der Geodaten-Diskussion in gesetzlicher Hinsicht. Wenn ein Volk exakt reguliert, wie weit ein Ast in des Nachbars Garten wachsen darf, hege ich keine Befürchtungen, dass es keine Änderung des Datenschutzgesetzes geben wird. Ich befürchte eher, dass es ein populistisch getriebenes Gesetzes-Blabla wird. Ich hege keine Hoffnung auf vernunftbegabte Auseinandersetzungen mangels intellektueller Masse seitens der gesetzgeberischen Kräfte im Bereich Internet und durch Internet getriebene Gesellschaftstrends. Man verzeihe mir meinen Pessimismus.
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Ich denke, man sollte nicht auf die Sicherheitsmaßnahmen und auf die Stabilität von Google vertrauen. Durch die enorme Kamerahöhe bekommt man schnell mal einen Einblick in den Garten anderer. Damit wäre das Thema Privatsphäre auch schon angesprochen. Meiner Meinung nach wird die Privatsphäre durch Google Street View verletzt.