Robert Basic Reloaded: Buzzriders
23. April 2009 | Von hofnarr.florian | Kategorie: Gesellschaft
Am letzten Montag startete offiziell das neue Projekt von Deutschlands bekanntestem Blogger Robert Basic. Es nennt sich Buzzriders und ist eine Mischung aus lokalen News, Kleinanzeigen, Twitter, Blogs und Social Networks. Also summa summarum eine moderne Internetplattform, die in Konkurrenz zu Lokalzeitungen tritt. Der Inhalt soll im wesentlichen von Usern generiert werden.
Jede Gemeinde wird in Zukunft ihre eigene Lokalseite bekommen, auf der die Bürger eigene Kurzmeldungen einstellen und sich untereinander austauschen können. Im Zentrum sollen dabei die Menschen selber stehen. Robert Basic schreibt auf seinem Blog dazu: “Menschen ticken eben lokal. Sie kaufen lokal ein. Gehen lokal aus. Machen lokal Sport. Unterhalten sich auf lokaler Ebene. Kinder, Erwachsene, Mütter, Väter, Großeltern, Freunde, Verwandte, Bekannte, Nachbarn. Das, was wir bisher an Techniken und Gesamtlösungen im Netz anbieten, reicht mir nicht aus, um das Gefüge online genügend gut abzubilden und zu erweitern.”
Zudem soll pro Gemeinde ein fester Lokalreporter einmal pro Tag das örtliche Top-Thema aufbereiten. Daneben wird es noch überregionale News gegen, die aber relativ einfach aufgebaut sind. „Kurze Artikel und viele Leute, nicht wenige Leute und lange Artikel“ – so stellt sich Robert im Gespräch mit Jan Christin vom t3n-Magazin sein neues Projekt vor.
Mozilla als Vorbild
Das Unternehmen hinter Buzzriders wird laut Basic vollkommen offen gestaltet werden – sein Vorbild ist Mozilla. Besonders ist hierbei, dass der Businessplan, die Finanzpläne und die Mitarbeiterpläne für jeden Nutzer einsehbar sind. Das Projekt ist erstmal auf fünf Jahre angelegt. Das Konzept könnte aber nach ein, zwei Jahren, falls nötig, überarbeitet werden.
Das Portal soll sich zum Großteil durch Anzeigen auf den lokalen Seiten finanzieren. Dieses Angebot richtet sich natürlich stark an lokale Unternehmen, die bisher wenig Werbung im Internet schalten, weil sie nicht ihre potenziellen Zielgruppen erreichen konnten. Basic könnte mit seinem Projekt also eine Werbezielgruppe kreieren, für die bisher wenig im Internet, aber dafür in Lokalzeitungen und –Radios gezahlt wurde.
Für ihn selbst spiele Geld aber keine große Rolle: „Ich brauche nicht drei Pferde, drei Yachten und drei Häuser, das ist mir persönlich ziemlich egal. Mir es geht darum, das Internet noch weiter lokal runterzubrechen.”
Dabei ist dieses neue Konzept gar nicht so neu und innovativ wie es scheint. Webpräsenzen wie Myheimat verfolgen schon seit längerer Zeit eine ähnliche Strategie. Basic will aber alle Bereiche des Webs 2.0 in Buzzriders integrieren. Das ist neu, aber keine Revolution.
Der User entscheidet über den Erfolg
Der Knackpunkt seines Projekts liegt in der Rolle der User. Ein großer Teil des Inhalts soll von ihnen unentgeltlich gestemmt werden. Ich stelle es mir unheimlich schwierig vor, eine genügend große Zahl von Menschen dazu begeistern ihre Zeit für diese Plattform zu opfern. In großen Städten mag dies noch funktionieren, aber in kleinen Städten wird das eine schwierige Aufgabe. Komplette Dörfer, die sich über die neue Präsenz freuen, werden die Ausnahme sein. Basic hat hier aber große Vorteile gegenüber anderen Verlegern. Er ist in der Blogosphäre und auch teilweise in den klassischen Medien, dank seines Blogverkaufs auf Ebay, sehr bekannt. So dürfte es ihm wesentlich leichter fallen, bereitwillige Helfer zu finden als anderen. Dennoch ist dieser Teil für mich der Knackpunkt des Konzepts.
Ich habe Robert per Mail einen Vorschlag unterbreitet, wie man dieses Problem versuchen könnte zu lösen: Warum nicht die User für ihren Content belohnen, wenn er gut ist und ankommt. Du könntest zum Beispiel dem Autor eines Beitrags, der 1.000 Leser erreicht hat eine Prämie von 2 € zahlen. Dies dürfte Buzzriders durch Werbung sicher decken können. Auf jeden Fall würde ein Belohnungssystem mehr User dazu animieren guten Content zu produzieren.
Roberts Antwort: „Mir schwebt momentan eine Art Prämiensystem auf Basis von Ohmynews vor, wo Leser Reporter “Punkte” vergeben, die nix anderes, als Bares wert sind, die sich die Leser vorher eingekauft haben gegen Cash. Allerdings, was unklar ist: Wird es tatsächlich längere Artikel geben? Will man gegen die Etablierten antreten, die sich in langen Artikeln seit jeher ergehen. Manchmal muss man drumherum denken, vorbei am Bestehenden. Vieles hängt davon ab, wie man Buzzriders sieht. Tatsächlich das “übliche Lokalblättchen” mit TopDown Berichterstattung oder nicht eher bottom up und short News als Abgrenzung.
Vieles ist offen, nicht gefixt, einiges läuft auf ein offenes Produkt hinaus, das genug flexibel ist, zwei bis drei Modelle zu Beginn an den Start zu bringen und zu sehen, welches prinzipiell am besten läuft. Aber so wie ich Menschen kenne, sind die so individuell, dass ein Mix stets am besten kommt. Jeder ist eben anders.“
Wie die Plattform konkret aussehen wird, werden wir wohl in den nächsten Wochen erfahren. Offizieller Startschuss für das Projekt war bereits am Montag.
Vielen Dank an Sebastian Gerhard für die Bilder via Flickr.
Mehr Infos findet ihr bei Sprechblase oder auch bei Handelskraft sowie bei der Blogbar. Hier bei Hilfe-beim-Leben findet man die Videos des Webmontags.
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basic hats halt geschafft
aber hatte auch gute ideen