Stimmenfang auf Amerikanisch

5. Januar 2012 | Von | Kategorie: Politik
Es schreibt: Christopher

Es schreibt: Christopher

Das Parteisymbol der amerikanischen Republikaner ist ein Elefant in den Landesfarben. Ursprünglich war der als Symbol der Durchschlagskraft gedacht, mittlerweile lässt er sich viel besser auf die Trägheit gegenüber einer globalisierten Welt übertragen. Das war 1854 bei der Gründung noch anders, als sie sich für die Abschaffung der Sklaverei einsetzte. Dieser Tage sind die Republikaner mal wieder auch in Deutschland in den Schlagzeilen, denn die Vorwahlen haben begonnen. Alles dreht sich um die Frage: Wer wird Barack Obamas Herausforderer?

Der US-Wahlkampf ist ein langwieriger und extrem teurer Vorgang, schon seit Jahrzehnten. Er ist zum Inbegriff der Showpolitik geworden. Wer gut aussieht und einflussreiche Freunde hat, hat bessere Chancen als ein verschulter Idealist. Bis, so sahen es einige Beobachter, die Auswahl der Demokraten 2008 nur noch zwei Möglichkeiten offen ließ – eine Frau und einen Schwarzen. Eine Abkehr vom mittlerweile institutionalisierten Präsidentschaftsfindungsprozess war das mitnichten, dennoch gibt es einen Wandel. Selbst in Amerika hat die Show in den letzten Jahren zunehmend an Glanz verloren. Hohe Arbeitslosigkeit, schlangestehende Menschen vor sozialen Hilfseinrichtungen und allgemeine wirtschaftliche Zwänge haben bei einigen zum Umdenken geführt.

Die offensichtlichste Gruppierung, die das belegt, ist “Occupy Wall Street”. Der Protest gegen die internationale Börsenwelt ist ihr Steckenpferd, doch darüber hinaus gibt es kaum gemeinsame Positionen. Das Gefühl, dass ein Prioritätenwechsel weg von absurder Profitgier hermuss, äußert sich im Ruf nach Veränderung. Der wahre “change”, den Obama vor vier Jahren ankündigte, steht noch bevor. Doch es hat auch eine vermeintliche Rückbesinnung auf traditionelle Werte stattgefunden und das spielt den konservativen Republikanern in die Karten. Die extreme Tea Party hat aus europäischer Sicht erstaunlich viele Anhänger gefunden.

Die Tea Party manövriert sich selbst aus dem Rennen

US-Präsident Obama weiß noch nicht, gegen wer im Herbst antreten wird (Foto via flickr.com vom Nutzer "jurvetson")

Die vermuteten und tatsächlichen Kandidaten Sarah Palin, Herman Cain, Rick Perry und Michele Bachmann haben sich dabei schon früh selbst disqualifiziert (die Links führen zu ihren “Aussetzern”). Die Alaska-Scheinheilige, der Pizzamagnat und das Superhirn stellten ihre Unzulänglichkeiten öffentlich zur Schau. Bachmann, die tiefe Vorbehalte gegenüber Homosexuellen hat und die Auffassung vertritt, dass nicht alle Kulturen gleichwertig seien, zog ihre Kandidatur nach der ersten Abstimmung zurück. In ihrer Heimat Iowa wurde sie Letzte. Die Tea Party hat mit dem Verlust dieser Charaktere an Zugkraft verloren. Aber sie hat abermals vor Augen geführt, dass Religions- und Meinungsfreiheit für viele im “land of the free” nicht mehr sind als schöne Worte.

Die erste Vorwahl in Iowa entschied Mitt Romney hauchdünn vor Rick Santorum für sich. Ein wichtiger Sieg der Parteimitte gegenüber den Noch-Konservativeren. Romney, wie Cain ein ehemaliger Unternehmer, könnte gegen Obama vor allem mit Wirtschaftskontakten punkten. Die nächsten Vorwahlen finden am 10. Januar in New Hampshire, am 21. Januar in South Carolina und am 31. Januar in Florida statt. Es ist der Auftakt zu einem Wahlmarathon, der erst am 26. Juni in Utah enden wird.

Das letzte Wort ist daher noch lange nicht gesprochen. Im Gegenteil: Das überhöhte Medienereignis Wahlkampf geht jetzt erst richtig los.

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