Twitter – Revolution oder wertloses Spielzeug?

8. März 2009 | Von | Kategorie: Hingesehen-Features

Twitter ist die Zukunft des Internets. Zumindest behaupten das viele Experten und solche, die sich für welche halten. Grundidee des Dienstes ist es Textnachrichten mit maximal 140 Zeichen zu veröffentlichen. Die so genannten Updates können dann von anderen Benutzern abonniert werden. Ich meinerseits sehe auch nur die Kurznachrichten von Personen, denen ich folge. Zudem kann man auf Updates anderer direkt mittels „Reply“-Funktion reagieren und so Konversationen starten. Außerdem kann man per „Retweet“ Nachrichten anderer weiter verbreiten. Das Prinzip ist also recht simpel.

Das Firmenlogo von Twitter

Das Firmenlogo von Twitter

Die 140 Zeichen lassen nicht viel Platz für tiefgründige Artikel und Texte. Meist begrenzen sich die Meldungen auf Verlinkungen auf Blogs oder Webseiten. Viele benutzen Twitter auch nur als Linkschleuder, um User auf ihre Seiten zu ziehen. Einen großen Teil der Gemeinde machen aber auch Privatmenschen aus, die einfach nur aus dem Nähkästchen twittern. Deren Updates sind meist ziemlich banal und eigentlich ihre Zeichen nicht wert. Doch Twitter macht es einem leicht die Spreu vom Weizen zu trennen. Ganz demokratisch folgt man einfach nur denen, deren Updates einen interessieren. Jeder kann sich seine Startseite also individuell mit Nachrichten füllen. Wer mich nicht interessiert bleibt draußen.

Der größte Vorteil von Twitter gegenüber anderen Diensten ist, dass er exzellent vernetzt und damit wahnsinnig schnell ist. Ein Beispiel gefällig? Die Abmahnung von Markus Beckedahl von Netzpolitik verbreitete sich per Twitter wie ein Wirbelwind und ließ letztendlich sogar die großen Medien auf den Skandal aufmerksam werden. Auch als im Hudson River bei New York ein Flugzeug notlandete, erfuhr die Weltöffentlichkeit davon als erstes über Twitter. Da man den Dienst auch ideal mit Handy, Iphone, Palm oder ähnliches nutzen kann sind die User sehr mobil. Per SMS twittern funktioniert allerdings außerhalb der USA nur über kostenpflichtige Programme wie Twe2.

Viele große Internetunternehmen wie Google glauben an das Prinzip „Twitter“. Nach Branchengerüchten kam Google sogar als Käufer in Frage, allerdings bewahrheitete sich dieses Gerücht nicht. Vor kurzem hatte bereits Facebook Twitter mit rund 500 Millionen Dollar bewertet, allerdings lehnten die Verantwortlichen des Microblogging-Dienstes ein Übernahmeangebot ab. Somit scheint es als bliebe Twitter.com im Moment noch unabhängig. Eine Übernahme ist aber mittelfristig durchaus denkbar. Wie schon Youtube und Flickr kann man sich sicher sein, dass Google, Facebook oder Yahoo auf Dauer zuschlagen werden. Gerade in Verbindung mit Google oder Facebook könnte Twitter noch besser vernetzt werden. Fraglich ist nur, ob dann die Qualität durch fremden Einfluss sinken würde. Diese Unternehmen wollten mit dem Dienst sicher schnell Geld machen.

Doch das Unternehmen mit nur 26 Mitarbeitern möchte im Moment vor allem wachen. Im letzten Jahr stieg die Nutzerzahl um 900 % auf sechs Millionen. Der Microblogging-Dienst erfreut sich in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Mittlerweile „zwitschern“ in Deutschland immer mehr Leute. Eine genaue Zahl ist schwer zu ermitteln, dürfte aber im fünfstelligen Bereich liegen. Deutschland ist das viertgrößte Twitter-Land außerhalb der USA. Doch trotz dieser schönen Zahlen macht der Dienst bisher kaum Umsatz und arbeitet dementsprechend mit sehr viel Verlust. Bisher verzichtet man auf den Einbau von Werbung und lässt den Dienst komplett kostenfrei. Jedoch gibt es erste Ideen die Popularität auch für mehr Umsatz zu nutzen.

Twitter-Mitbegründer Biz Stone sagte der FAZ: „Erste Ideen, um Umsatz zu erzielen, sind Mehrwertdienste, zum Beispiel für Unternehmen, die Twitter für ihre Zwecke nutzen. Wir werden Wege finden, die Nutzererfahrung anzureichern, dabei aber den aktuellen Dienst für private und gewerbliche Nutzer kostenlos zu halten.“

Einer der Hofnarren hat in den letzten Wochen selbst Twitter getestet. Das Fazit:
Ich war lange Zeit skeptisch. Für mich reichten 140 Zeichen höchstens für unwichtige Mitteilungen, wie „Ich esse jetzt einen Apfel“. Twitter war für mich Bloggen für Arme. Doch ich überwand meine Skepsis und meldete mich selbst bei dem Dienst an. Ich sammelte recht schnell Followers und habe mittlerweile 46. Ich bemühte mich originelle Updates zu schreiben, was mir sicher nicht immer gelang, aber ich wollte nicht nur Links zu Hingesehen oder privaten Müll twittern. Ich folgte zunächst Bloggern, die ich auch schon vorher kannte und suchte mir dann ein paar interessante Journalisten von FAZ, Handelsblatt, Spiegel und Stern. Zudem folge ich Rainer Calmund und Shaquille O’Neal, die beide echt zu sein scheinen. Stefan Raab zum Beispiel stellte sich als Fake heraus. Neben einigen Prominenten sind aber auch Zeitungen und TV-Sender aktiv. Höhepunkt meiner bisherigen Twitter-Erfahrung waren kurze Nachrichtenaustausche mit Rainer Calmund und Robert Basic, die eigentlich trotz tausender Follower immer antworten. Des Weiteren bin ich dank Twitter auf einige neue Blogs, wie das von Schaps, M4gic oder Caschy gestoßen. Als besonders nervig sind mir Accounts von Shops oder Blogs aufgefallen, die mehreren Hunderten oder Tausenden folgen, um Klicks für ihre Internetpräsenzen abzugreifen. Twitter ist auf keinen Fall Ersatz für Blogs, aber eine nette Ergänzung, die mit der richtigen Liste von Followern durchaus interessante Themen, Gespräche und Kontakte hervor bringen kann.

Es bleibt abzuwarten, wie sich Twitter weiter entwickelt. Dank seiner Vernetzung hat es die Möglichkeit das Internet zu revolutionieren oder aber auch nur mit unwichtigen Nachrichten zu überschwemmen.

Leseempfehlungen zu dem Thema:

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18 Kommentare
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  1. Danke für den Link! Finde, dass dein Beitrag die Thematik auch sehr gut durchleuchtet. Hab das mal bei identi.ca und twitter gezwitschert ;-)

    Gruß

  2. @Dunkelangst: Vielen Dank. Folge dir jetzt auch bei Twitter. ;)

  3. Ich Dir nun auch… ;-)

  4. [...] in der Twitter-Gruppe im SchuelerVZ war, bin ich auf ein tolles Thema aufmerksam geworden. Ein Blogger, der über den Sinn (beziehungsweise Unsinn) von Twitter schreibt. Da dachte ich mir, bevor ich [...]

  5. Ein wirklich schöner, gut durchdachter Artikel zum Thema Twitter :)
    Ich werde den Artikel dann auch gleich mal zwitschern: https://twitter.com/BrightGunnar

    Und in meinen Blogroll werde ich den Blog hier ebenfalls aufnehmen ;)

  6. @ Gunnar: Ich danke dir. Ich folge dir jetzt auch bei Twitter. ;)

  7. “Viele große Internetunternehmen wie Google glauben an das Prinzip „Twitter“.” – Sicher? Komisch, dass für Google-Chef Eric Schmidt laut eigener Aussage Twitter nichts anderes als ein E-Mail-System für Arme ist. (http://www.gulli.com/news/google-kein-interesse-an-2009-03-09/) :D

  8. @ Anonymous: Das könnte aber auch alles nur strategisch sein. Ich denke, dass Google in 1-2 Jahren sich Twitter einverleiben wird. Google könnte Twitter sehr gut in seinen bereits vorhandenen Strukturen einbauen.

  9. Was für eine Nabelschau! Da wird über´s bloggen getwittert und über´s Twittern geblogged, man twittert darüber das über´s Twittern geblogged wurde etc…….

  10. [...] Mh, ok …. also für meinen Teil … nochnicht ganz befriedigend, aber Hier auch noch ein ganz interessanter Link zum “twittern” auf hingesehn.de. [...]

  11. Ich glaube auch dass Twitter immer wichtiger werden wird…meine anfängliche Twittereuphorie ist zwar ein wenig zusammengeschrumpft weil das sooo viel Arbeit ist ^^ , aber der Dienst ist schon echt eine super Erfindung!

  12. danke für den feinen beitrag. er gibt einen ausgezeichneten überblick. ich habe auf der seite des literatur-twitters auf ihn verlinkt.

  13. @Georg: Vielen Dank fürs Verlinken. ,)

  14. [...] Edition Q4 2008). 22. Dezember 2008.Größtes Verzeichnis deutschsprachiger Marken auf TwitterAnalyse des neuen Sozialen Netzwerkes Twitter Video-BerichteElektrischer Reporter: Interview mit Twitter-Mitgründer Biz Stone 8. Oktober [...]

  15. Ich denke, dass Twitter in Deutschland auf dem falschen Weg ist. Viele Twitterer nutzen den Dienst als Werbeplattform und spamen die Plattform zu. Vom Austausch unter Menschen ist nicht mehr viel zu sehen.

  16. [...] Vor anderthalb Jahren habe ich schon einmal über Twitter geschrieben, damals noch unter dem Titel „Revolution oder wertloses Spielzeug“. Mittlerweile bin ich der Meinung, dass der zweite Punkt zutrifft.  Für mich ist der [...]

  17. @Bernhard: Schließe mich Deiner Meinung an. Ich glaube das ist besonders bei großen Unternehmen festzustellen, die Ihren Kram einfach rausblöken. Oft fehlt es dort noch an einem Social Media-Konzept.

  18. thx für den ausführlichen Artikel

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