Uni Bonn: Heißer Herbst – Abkühlung nicht in Sicht
4. Dezember 2009 | Von hofnarr.christopher | Kategorie: Uni-LebenVon Nadine Dannenberg (campus-web.de)
Einen „heißen Herbst“ hatten die Organisatoren des Bildungsstreiks versprochen. Und mittlerweile zweifelte wohl niemand mehr daran, dass dieser tatsächlich eingetreten ist. Seit nunmehr knapp zwei Wochen werden in ganz Deutschland Hörsäle oder (wie zwischenzeitlich zum Beispiel in der Uni Köln) sogar die Aula von streikenden Studenten besetzt. Ihre Forderungen: Abschaffung des Bachelor/Master-Systems in der jetzigen Form, Abschaffung der Studiengebühren sowie mehr Mitspracherecht in allen Hochschulbelangen.
Auch Bonn blieb nicht verschont: Bereits am 18. November, dem ersten Tag des bundesweit organisierten Streiks, besetzten Studenten den Hörsaal 1 der Universität und halten diese Besetzung seitdem aufrecht. Wenn auch mit kleinen Unterbrechungen. In der tagtäglich stattfindenden Vollversammlung arbeitete man einen Forderungskatalog aus, den man mit dem Rektorat und den zuständigen Gremien offen diskutieren will.
Nach einer turbulenten Woche der Besetzung (campus-web berichtete) konnte man zumindest die Forderungen an den Rektor übergeben. Da es jedoch bisher noch keine direkten Reaktion gibt und es zu keiner offenen Diskussion kam, harren die protestierenden Studenten weiterhin im Hörsaal 1 aus. Dabei erhalten sie nach eigenen Angaben viel Zuspruch.
Als Beleg dient ihnen dabei eine Unterschriftenliste, die seit einigen Tagen im Hörsaal ausliegt und auf welcher man seine Solidarität mit den Besetzern und ihren Forderungen ausdrücken kann. Doch nicht nur auf Seiten der Studentenschaft findet sich Unterstützung: Bereits in der letzten Woche hatten die Protestierenden auch Solidaritätsbekundungen von namhaften Organisationen wie zum Beispiel dem Ortsverband der Partei „Die Linke“ bekommen.
Diese waren es auch, die einen erneuten Höhepunkt des Streiks auslösten: Zu einer Stadtratssitzung am Donnerstagabend reichten sie einen Eilantrag ein, der forderte, dass sich der gesamte Stadtrat mit den Studenten solidarisieren solle. Am gleichen Abend fand – wie zuvor angekündigt worden war – das erste Abendplenum mit Beteiligung von Dozenten statt. Hierbei wurde deutlich, dass auch das Lehrpersonal keineswegs glücklich mit der aktuellen Situation im Bildungssektor ist und sich möglichst rasche Veränderungen wünscht.
Nach dem Plenum erreichte den Hörsaal die Nachricht, dass der Antrag auf Solidarisierung abgelehnt worden sei. Ein spontaner Demonstrationszug zum Stadthaus wurde organisiert, wo man mit knapp 80 Beteiligten die Stadtratssitzung aufsuchte. Die Studenten strömten friedlich in den Sitzungssaal und versuchten, eine offene Diskussion zur Bildungspolitik anzuregen. Das Wort wurde ihnen zwar nicht erteilt, dafür wurde aber spontan eine Debatte zur Bildungspolitik in die Tagesordnung aufgenommen und dem Antrag auf Solidarisierung wurde schließlich statt gegeben. Spätestens seit diesem Abend haben die Studenten auch die Aufmerksamkeit der öffentlichen Medien wieder auf sich gezogen.
Aufgrund dieses breiten Interesses ist es auch nicht verwunderlich, dass die Motivation der Besetzer nach wie vor ungebrochen ist: Der Hörsaal blieb auch am Freitag weiterhin besetzt, die Arbeitsgruppen arbeiten an weiteren Aktionen. Als nächstes großes Ereignis steht nun der Dies Academicus in der nächsten Woche (Mittwoch, 2. Dezember) an. Und schließlich folgt am 10. Dezember auch noch die Kultusministerkonferenz hier in Bonn, zu der Protestierende aus ganz Deutschland erwartet werden.
Am Samstagmorgen jedoch fand die Besetzung erst einmal wieder ein jähes Ende. Die noch übrigen zehn Studenten wurden in den frühen Morgenstunden (nach eigenen Aussagen ohne jegliche Vorwarnung) von der Polizei aufgesucht und mussten das Gebäude über das Wochenende räumen. Dabei wurde wohl auch Strafanzeige gestellt.
Im Internet wurde unmittelbar darauf angekündigt, dass der Bildungsstreik trotzdem in der nächsten Woche weiter gehen werde – solange bis die Forderungen der Studenten Gehör finden und erfüllt werden. Man kann also davon ausgehen, dass die Besetzung am Montagmorgen wieder aufgenommen wird. Der „heiße Herbst“ scheint noch länger auf eine Abkühlung warten zu müssen…
Hingesehen berichtete auch von den Protestaktionen an der Uni Paderborn sowie an der WWU Münster.
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So erreicht man zwar nichts, bekommt aber immerhin schonmal Aufmerksamkeit und das ist besser als gar nichts.