Volkswirtschaft im Alltag: Pizza oder Bier?

18. Februar 2009 | Von hofnarr.florian | Kategorie: Uni-Leben

Pizza oder Bier? Wer die Wahl hat, hat auch die Qual.

Pizza oder Bier? Wer die Wahl hat, hat auch die Qual.

Jeder kennt das: Man sitzt abends gemütlich mit ein paar Freunden zusammen und bekommt plötzlich Hunger und entschließt sich eine Pizza zu bestellen. Man greift zum Telefon und ordert beim Pizzabäcker seines Vertrauens. Diese Bestellung wäre für die meisten Menschen nichts Besonderes, für einen Wirtschaftswissenschaftler ist es aber ein äußerst komplizierter Prozess. Bevor er sich dazu durchringen kann eine Pizza zu erwerben, durchläuft der Kaufwunsch eine Reihe von Systemen und Prüfungen. So prüft ein „Wiwi“ zuerst immer seine Opportunitätskosten. Das ist per Definition der Wert der zweitbesten Handlungsmöglichkeit. Dabei wird der entgangene Nettonutzen (entgangener Nutzen minus entgangene Kosten) der Alternative zur Rate gezogen. Dabei unterscheidet man zwischen Tangibles (unmittelbar in Geld bewertbar) und Intangibles (nicht unmittelbar in Geld bewertbar).

Meine beste Handlungsalternative wäre nichts zu essen und stattdessen Bier zu kaufen. Also wie hoch sind meine Opportunitätskosten? Der Kauf einer Pizza kostet mich fünf Euro. Außerdem bezahle ich für den Anruf bei dem Lieferservice Telefongebühren. Nicht zu vergessen ist natürlich der mit der Bestellung verbundene Aufwand. Die Kartons müssen später entsorgt werden und dem Lieferanten die Tür geöffnet werden. Außerdem bestelle ich natürlich nicht alleine, sondern mit ein paar Freunden zusammen. Also muss ich von jedem das Geld einsammeln, alle Bestellungen aufnehmen und meine Zeit für einen Anruf beim Pizzabäcker opfern. Doch wie viel ist meine Zeit wert? Nun ja als Student verdient man nicht viel und so setze ich mal den Wert auf 8 € pro Stunde fest. Das ganze Prozedere der Bestellung und der Folgen dauert vermutlich eine halbe Stunde. Also betragen die damit verbundenen Zeitkosten ungefähr 4 €. Bestelle ich also eine Pizza, kostet sie mich nicht nur fünf Euro, sondern neun Euro plus 12 Cents Telefongebühren.

Dafür bekäme ich locker zwei Sixpacks Bier. Doch wieviel Nutzen spenden mir zwölf Flaschen Bier und wieviel eine Pizza? Die ersten Bier spendeten mir sicherlich einen höheren Nutzen als die folgenden. Denn das erste Goschensche Gesetz besagt:

Für alle Güter gilt, dass der Grenznutzen ceteris paribus mit steigenden Verbrauchsmengen aufgrund fallender Bedürfnisspannung abnimmt, bis schließlich ein Sättigungspunkt erreicht wird.

Okay, am einfachsten wäre es eine Nutzenfunktion abhängig von den Gütern Pizza und Bier aufzustellen. Dann leite ich diese einfach partiell nach Pizza und Bier ab und gucke wo mein Zusatznutzen pro weitere kleinere Einheit des jeweiligen Gutes größer ist.

„Florian? Wir haben Hunger!“

Verdammt jetzt habe ich schon eine halbe Stunde über diese Opportunitätskosten nachgedacht. Das hat mich also vier Euro gekostet.

„Ich nehme eine Pizza und zwei Bier!“

„Bist du sicher?“

„Nein!“

Na gut, ich geb’s auf: Man muss eben auch mal intuitiv handeln. Angeblich maximiere ich ja auch so meinen Nutzen. Sagt zumindest das zweite Goschensche Gesetz:

Menschen teilen ein gegebenes Budget so auf die Güter ihres Begehrkreises auf, dass ein Nutzenmaximum erreicht wird und der Grenznutzen des Geldes in alle Verwendungsrichtungen gleich ist.

Volkswirtschaftslehre kann so einfach sein…

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5 Kommentare
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  1. Hey, das find ich gut :) Lustig geschrieben, und informativ :D

  2. Vielleicht solltest du in Zukunftspizza investieren, auch Pizzafutures genannt, dann wird die Entscheidung evtl. einfacher. :P

    Ich beneide dich, dass du überhaupt Pizza bestellen kannst (hier ist jede Stadt zu weit weg) und die Preise in Deutschland sind auch traumhaft (verglichen mit Franzland). Eine Pizza kostet hier etwa 8 Euro (und sie kann typisch französische oder normannische Zutaten enthalten, z.B. Kartoffeln, Speck, Gruyère). Bier würde es allerdings im Tante Emma Laden (Epicerie) des Nachbarkaffs geben. Würdest du hier hinziehen, wäre dein Leben also einfacher (-grummel-).

  3. @Stanze: Es hat eben auch Vorteile in einer “Großstadt” wie Hamm zu wohnen. Man kann sogar direkt über das Internet Pizza ordern und spart sich so die Telefonkosten. :D

    Dafür kannst du vermutlich mit Fenster auf schlafen und bei mir ist das undenkbar dank einer großen Hauptstraße. ;)

  4. Oh genau mein Metier ^^
    Ich studier Wirtschaft…aber ich bin zum Glück sehr spontan und denk nicht allzu viel über Opportunitäten nach…oder vll ist das auch nicht so gut…hab andauernd Geldmangel :D

  5. Sehr guter Artikel!

    Du hättest mal unseren Entscheidungstheorie-Kurs besuchen sollen, das hätte dir sicher sehr geholfen. :P

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