Welche Bedeutung haben Blogs in Deutschland?
16. November 2009 | Von hofnarr.florian | Kategorie: Hingesehen-FeaturesEin Blog oder auch Weblog ist ein auf einer Website geführtes und damit – meist öffentlich – einsehbares Tagebuch oder Journal. Das sagt uns Wikipedia, wenn es gefragt wird, was ein Blog ist. Doch ein Blog ist mittlerweile viel mehr. Blogs machen Politik, bilden Meinungen und kreieren Meinungsaustausch. Gerade im Rahmen der Bundestagswahlen nahm die Relevanz von Online-Medien stark zu. Wahlsendungen wie „Erst fragen, dann wählen“ stellten das Internet in den Mittelpunkt und ermöglichten Zuschauern sich auf digitalem Wege einzubringen.
Doch wie viel Einfluss haben Blogs wirklich auf die Gesellschaft? Die Leserschaft der meisten politischen Blogs ist im Vergleich zu großen Netzzeitungen und insbesondere zu Printmedien gering. Selbst große Seiten wie der Spiegelfechter oder Netzpolitik können sich nicht mit den Zugriffszahlen von Spiegel-Online oder FAZ.net messen. Obwohl die Masse der Leser verhältnismäßig gering sein mag, sollte der Einfluss der Blogosphäre nicht unterschätzt werden.
Blogs gegen Konzerne
Im Februar dieses Jahres erhielt Markus Beckedahl von Netzpolitik.org eine Abmahnung der Deutschen Bahn. Ihm wurde „Verrat von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen“ vorgeworfen, weil er ein betriebsinternes Memo der Bahn, das ihm anonym zugespielt wurde, veröffentlicht hatte. Er sollte eine Unterlassungserklärung unterschreiben. Doch der Blogger blieb stur und kämpfte gegen den Konzern.
Es folgten Wellen von Sympathiebekundungen auf Twitter und vielen Blogs. Nach einiger Zeit griffen auch die großen Medien das Thema auf. Spiegel Online veröffentlichte gleich mehrere Artikel und die taz widmete ihm eine Titelgeschichte. Der Stern interviewte Markus Beckedahl ausführlich. Schlussendlich musste sich die Deutsche Bahn geschlagen geben und zog die Abmahnung zurück.
Auch Trainer Baade geriet durch einen Blogeintrag in einen Rechtsstreit mit einem Konzern. Der Sportartikelhersteller JAKO mahnte ihn ab, nachdem er einen kritischen Artikel über das Unternehmen veröffentlicht hatte. Ihm wurde “unzulässige Schmähkritik” und „unwahre Tatsachenbehauptung“ vorgeworfen. Wieder bewiesen Blogger und Twitter-Nutzer ihren Einfluss und verbreiteten die Nachricht. Wie ein Lauffeuer sprang der Rechtsstreit erneut zu den klassischen Medien über. Wie auch im Fall der Bahn, zog JAKO gezwungener Maßen die Abmahnung zurück. Zurück blieb ein großer Imageverlust für das Unternehmen.
Michael Jäger über den Fall JAKO
Diese beiden Fälle beweisen also, dass Blogs durchaus Einfluss haben. Problematisch aber ist, dass die angesprochenen Themen erst ausreichend große Aufmerksamkeit bekamen, als sich die etablierten Medien damit beschäftigten. Twitter und Blogs alleine haben anscheinend (noch) nicht direkt genug Einfluss, um die Bevölkerung ausreichend zu informieren. Es bedarf noch des Umweges über die alten, großen Namen der Medienbranche.
Doch was muss passieren damit Blogs selbst zu den großen Medien mit Einfluss auf die gesamte Bevölkerung gehören?
1) Es muss mehr seriöse Blogs geben. Bisher kann man große Blogs, die seriösen Journalismus betreiben noch an den Fingern abzählen. In anderen Ländern, wie den z.B den USA, gibt es viel mehr solcher Blogs.
2) Die Menschen müssen sich an diese neue Form des Bürgerjournalismus gewöhnen. Dieser Prozess ist sicherlich schon im Gange. Mittlerweile haben viele Prominente Blogs oder twittern. Somit gelangen diese neuen Formen der Kommunikation und Berichterstattung auch in immer mehr Köpfe von „normalen“ Menschen, die nicht im besonderen Maße netzaffin sind. Bis Blogs aber wirklich Mainstream sind, insbesondere als Informationsmedium, ist es noch ein weiter Weg.
3) Der Weg in den Mainstream kann nur über die klassischen Medien funktionieren. Wie soll ein nicht-netzaffiner Bürger auf Blogs stoßen, wenn nicht über die klassischen Medien. Nur wenn Zeitungen, Fernsehsender oder Radio über die Blogosphäre berichten, werden die Menschen für diesen neuen Bereich des Medienzeitalters akklimatisiert und können als neue Leserschaft gewonnen werden.
4) Geht es uns zu gut? In Ländern mit Zensur haben Blogs eine viel größere Bedeutung als beispielsweise in Deutschland. Das Internet bietet Bürgern dort die Möglichkeit, sich fernab von Zensur auszutauschen und zu informieren. Blogs leisten in Aserbaidschan, China und vielen anderen Ländern das, was die klassischen Medien dort nicht leisten können. In Deutschland dagegen existiert keine Zensur und wir haben bereits einen großen Pool an unabhängigen Medien. Viele Menschen haben vielleicht gar keinen Bedarf an einem weiteren Medium.
5) Natürlich ist das alles auch eine Generationenfrage. Jungen Menschen ist das Internet leicht zugänglich und es ist ein Teil ihres Alltags. Sie sind viel eher bereit, sich auch bei Blogs zu informieren. Je älter Menschen aber sind, desto weniger haben sie etwas mit dem Internet und insbesondere mit Blogs am Hut. Zwar nutzt mittlerweile fast jeder 60-Jährige das Netz, jedoch nicht unbedingt als zweigleisiges Informationsportal. Bei der Generation meiner Eltern hört die Nutzung des Internets beispielsweise meist beim Geschenkeinkauf oder Online-Banking auf. Nachrichten lesen sie in der Zeitung oder sehen sie im Fernsehen. Hier hat die Blogosphäre noch enormes Potential, da diese Generation einem neuen Medium sicherlich nicht grundsätzlich abgeneigt ist, aber auch nicht von alleine dort hinfindet.
Halten wir also fest: Die Bedeutung von Blogs ist im Vergleich zur klassischen Zeitung, Radio oder Fernsehprogramm gering. Jedoch stieg der Einfluss in den letzten Jahren merklich. Dennoch gibt es noch enormes Potential. Die Zeit arbeitet für Blogs. In Amerika sind Blogs viel etablierter als in Deutschland und bekanntlich ist es nur eine Frage der Zeit bis ein Trend über den großen Teich auch zu uns schwappt.
Übrigens haben wir auch ein paar Interviewanfragen an Politk-Blogger geschickt, die wir hoffentlich bald hier präsentieren können.










Interessanter Artikel, der sich gut mit diesem aktuellen Thema auseinandersetzt!
Allerdings sollten gerade Blogs auch einer größeren Zahl an Nutzern zugänglich sein und sich deshalb einer möglichst verständlichen Sprache bedienen. Nicht jeder wird die Ausdrücke “nicht-netzaffin” oder
“Blogosphäre” kennen oder benutzen wollen, um mitreden zu können…
Ansonsten weiter so und Glückwunsch zur guten Idee des Newsletters!
Blogs haben nahezu keinerlei Bedeutung. Mittlerweile kann fast jeder Honk seinen eigenen Blog erstellen und das Internetz mit seiner nicht gefragten Meinung und Selbstdarstellung verseuchen. Größtenteils sind Blogs sogar sehr sinnlos, da sich lediglich ein sehr kleiner Teil der eventuell vorhandenen Leser zu einem Artikel äussert. Unabhängig vom geschriebenen Blogeintrag und den Kommentaren hat ohnehin jeder seine Meinung zu dem Thema, welches “diskutiert” wird. Insofern können Blogs mMn durchaus unterhaltsam sein und andere Sichtweise offenbaren, aber die subjektive Meinung zu einem Thema beeinflussen sie nicht.
Man muss seinen eigenen Blog einfach genügend “promoten”, so dass auch mal der eine oder andere qualitative Besucher vorbeischaut. Das Ding dabei ist einfach, dass Deutschland viel zu alt ist, keinen gesunden Bezug zum Internetz hat und dementsprechend mitunter sinnvolle Blogs in der Bedeutungslosigkeit versauern. Man muss aber abwarten, wo wir in ca. 10 bis 20 Jahren stehen werden, wenn das Web vollkommen veraltete Medien wie Zeitung und Fernsehen endlich abgeschafft hat…
“Abgeschafft” werden etablierte Medien wie Zeitung und TV erst dann, wenn sie keine Kunden mehr haben. Der Printbereich mag vielleicht in der Krise stecken, aber beide Medien haben noch riesigen Zuspruch, auch im Vergleich zum Internet und auch in anderen Ländern. Für mich steht ein deiner Argumentation zu oft das Wort “einfach”, denn “einfach” ist die Lage nun wirklich nicht zu erklären.
Guter Artikel! Der Einfluss von Blogs ist hierzulande derzeit wirklich noch nicht sehr groß. Aber sofern einige Onlinemedien Ernst machen und ihre Seiten kostenpflichtig werden, werden auch Blogs davon profitieren…wobei ich nicht mehr wirklich glaube, dass das eintreffen wird. Der Einfluss wird meiner Meinung nach von selbst in den nächsten Jahren weiter zunehmen.
Guter Artikel, wenn ich auch barb zustimmen muß: Sprachlich kann es besser werden.
Zum Inhalt möchte ich bemerken: Ich sehe großes Potential in Blogs, aber es wird lange dauern, bis Blogs relevanter werden. Das liegt zum einen daran, daß die “ältere” Generation lange brauchen wird, um Blogs als Informationsquelle zu entdecken, wenn es überhaupt dazu kommt. Wie man Nachrichten konsumiert ist eine langfristig erlernte Kulturtechnik, die sich nicht von heute auf morgen ändert.
Zum anderen jedoch wird die Generation, die weniger netzaffin ist, mit der Zeit schlicht aussterben und die nachfolgenden Generationen haben das Netz sehr schnell in ihre Medienwelt aufgenommen: Zählte ich noch zu der Generation, die mit 20 zur Uni kam und dort zum ersten Mal einen Internetzugang hatte, so sind die 10 Jahre jüngeren bereits mit dem Web zur Schule gegangen.
Eine Anekdote zu den noch jüngeren: Ich weiß von einem 5jährigen, der gern bei Playmobil online spielt. Ist der Computer verboten, schleicht er sich heimlich hin und weiß: Zuerst gehts über den Bookmark dahin, wo man zuerst hin muß (google) und dann schreibt man von der Playmobil-Packung Buchstabe für Buchstabe das Wort ab (er kann ja noch nicht richtig lesen und schreiben) und kommt zum Ziel. – Die Pointe ist: Das Netz gehört für diese Generation so selbstverständlich zum Leben wie alles andere.
Ich halte folgendes für sehr gut möglich: Mein Vater hat mir noch erklärt, daß als er klein war, im Dorf genau ein Telefon gab und der Bauer mit Pferd und Wagen zur Ernte gefahren ist. Diese Generation wird ihren Kindern vielleicht erzählen: “Als ich klein war, gab es noch eine Zeitung auf Papier gedruckt, die jeden Morgen von Zeitungsausträgern zu den Häusern gebracht wurde.”
Interessanter Artikel.
Die Besucherzahlen eines Blogs mit dem eines Magazins kann man aber nicht wirklich vergleichen, weil man muss eher die Besucherzahlen bestimmter Artikel vergleichen und wenn man das tut, dann führen oft ein Spiegel Artikel mit einem Blogartikel ein Kopf an Kopf Rennen.
Ich finde Blogs dürfen niemals als Hauptquelle von Informationen gelten und sich in diese Richtung entwickeln, weil die Philosophie eines Blogs, die eigene Meinung des Bloggers ist. Ein Magazin sollte aber für unabhängige Berichterstattung stehen und Fakten vertreiben, ohne zu bewerten oder zu urteilen. In Blogs teilt und urteilt der Blogger und manipuliert so die Meinung der Leser und Leute. Blogs sollten Randerscheinungen bleiben, etwas unterhaltsames, wer richtigen Journalismus betreiben will, der sollte ein Magazin gründen oder ein Online Magazin starten. Zwischen Onlinemagazin und Blogs gibt es große Unterschiede, deswegen gibt es auch verschiedene Begriffe dafür.
Magazine haben auch sowas wie Blogs, nämlich Kolumnen. Blogs sind eigentlich nichts anderes als Kolumnen.
Ich betreibe selbst einen Blog und will nicht immer damit konfrontiert werden, dass was ich schreibe 100% stimmen muss oder meine Meinung auf die Goldwaage gelegt wird.
Magazine sollten den Expertenstatus bei sich hervorheben und vermarkten. Magazine sollten der Welt zeigen, dass ihre Informationen und Berichterstattung inhaltlich und schreibtechnisch besser sind als alle Blogs der Welt. Wenn es diese Unterschiede nicht gibt würde es ein Chaos geben.
Dieses Chaos gibt es jetzt schon in leichter Form. Nehmen wir mal das Thema Schweinegrippe. Unzählige Blogs berichten und es gibt soviele verschiedene Meinungen, das verunsichert die Leser mehr. Die einen sagen das und die einen sagen dies. Wenn die Leser aber wüssten das was im Magazin XYZ wirklich 100% stimmt, oder wenigstens 90% stimmt, dann würden diese nach diesem Magazin greifen, um die Wahrheit zu erfahren. Und dann nur Blogs lesen, um sich zu unterhalten und Meinungen anderer über die Wahrheit zu erfahren.
Allgemein müssen in der Berichterstattung und im Journalismus, im Internet, neue Maßstäbe und Regeln aufgestellt werden. Ordnung muss her. Zum Wohle des Lesers, um ihn nicht zu desinformieren und zu verunsichern.
Und Blogs sollten das sein was sie immer waren. Tagebücher mit persönlichen Meinungen. Mehr nicht.
Deine Beispiele für die “Macht” von Blogs haben meiner Ansicht nach zwei Haken.
1. Die Konzerne haben die Blogbeiträge durch ihr Verhalten (Abmahnungen) erst groß gemacht.
2. Erst das Aufspringen der klassischen Medien machte die Themen mächtig.
Aus diesem Grund glaube ich, dass klassische Blogs die Medienstruktur nicht verändern, sondern nur marginal ergänzen können. Du schreibst “Ein Blog ist mittlerweile viel mehr. Blogs machen Politik, bilden Meinungen und kreieren Meinungsaustausch.” Meinem Empfinden nach trifft das auf weit mehr als 99 Prozent der Blogs nicht zu. Es gibt eine spannende Spitze des Eisbergs, aber die muss man im Blog-Meer der Belanglosigkeiten eben erst mal finden.
@Millus: Was wäre denn Hingesehen deiner Einschätzung nach? Wir bezeichnen uns selbst ja als “Blog-Magazin”, weil wir durchaus persönliche Elemente mit drinhaben (Kommentare sind aber immer gekennzeichnet), trotzdem aber einen Anspruch haben, neutral zu informieren. Da würde mich deine Meinung mal interessieren!
@Frank: Dass für die “Macht” erst Erwähnungen in den klassischen Medien nötig waren, schreibt Florian ja explizit so.
Ich denke der Einfluss von Blogs wird in zukunft deutlich steigen wenn die ersten professionellen Webauftritte dazu übergehen ihre Onlineangebote kostenpflichtig zu machen. Dann würde sicherlich mehr Leute nach kostenlosen Alternativen ausschau halten, wozu momentan ja noch keine Verlanlassung zu besteht.
@ Frank:
Zu Punkt 1): Damit hast du natürlich Recht. Diese genannten Aktionen waren für die PR des Unternehmens nachträglich und für die Klickzahlen der Blogs sicherlich förderlich. Allerdings beweist es doch auch, dass Blogs sich gegen solche Unternehmen zur Wehr setzen können und ihnen nicht hilflos ausgeliefert sind. In so fern haben Blogs eben doch eine gewisse Macht. Per Twitter und anderer Blogbeiträge verbreiten sich solche Nachrichten enorm schnell, viel schneller als über die “alten” Informationskanäle.
Zu Punkt 2): Da stimme ich Christopher zu.
@All: Vielen Dank für eure Kommentare. Es freut mich wirklich sehr, dass hier eine rege Diskussion zum Thema entstanden ist.
ich find den artikel auch interessant, allerdings sehe ich das problem der informationsüberflutung. an jeder ecke findet man nachrichten: tv, radio, zeitungen und generell im internet. seriöse journalisten muss man da erstmal ausfindig machen. son blog kann jeder beliebige eröffnen und kann da schreiben was er will
blogs sehe ich immer noch als mittel meine persönliche meinung kundzutun und das ist ein unterschied zu einem magazin (ob nun gedruckt oder online ist da ja egal), denn das soll mich informieren, so dass ich bestenfalls am ende eine eigene meinung bilden kann.
Deutschland ist in Bezug auf aktive Internetnutzung ein Entwicklungsland, genauso wie in puncto Humor, Geschmack und allgemeine Emanzipation. Daß Blogs hier nichts zu melden haben (außer vielleicht solche bezeichnend deutschen Ausfälle wie Politically Incorrect and the like), ist nur Ausdruck des generellen Elends an Bewußtsein und Aufklärung.
Ist die Ursache für die hohe Anzahl amerikanischer von Journalisten geführten Blogs nicht, dass das Zeitungssterben dort schon weiter voran geschritten ist? Müssen deutsche Medien erst noch mehr Journalisten entlassen, damit eine ähnliche Bloglandschaft entsteht?
@classless: willst du mir etwa weiß machen die USA seien ein Musterland in den von dir genannten Punkten? Ich hoffe dir ist bewusst, dass nicht jeder Blogger in Amiland von morgens bis abends Kants Lehren diskutiert, sondern, dass die alle Gesellschaftsschichten betreffende Bloglandschaft dort auch zu einem hohen Anteil Abschaum-Blogs geführt hat, die man sich hier in Deutschland lieber nicht vorstellen mag. Und ich rede hier nicht von den Blogs gelangweilter Teenager. Aber um das zu sehen müsste man ja leider seine stereotype “wir Deutsche sind alle scheiße, Amerika rult!”-Sichtweise aufgeben. Ich erinnere noch mal daran, dass Deutsch die dritt meistverbreiteste Sprache im Web ist.
Wenn ich mir gelegentlich die Statistiken meines Blogs ansehe, kann ich erkennen, wie hilflos viele Besucher auf der Website navigieren. D. h. in erster Linie die, die über die Google-Suche gekommen sind, und nicht über Netzwerke. Die ganze Struktur eines Blogs mit Links, Tags, Archiven scheint viele komplett zu überfordern.
Ich würde nicht mal sagen, dass das “Silver-Surfer” sind – aus Gesprächen mit Mittdreißigern weiß ich, wie schlecht es um deren Internetkompetenz steht. Darunter gibt es etwa Journalisten, die überhaupt keine Ahnung haben, was ein RSS-Feed ist (schade für sie).
Um an die vorherigen Kommentare anzuschließen: Diese Bildungslücke hat auch damit zu tun, denke ich, dass in Deutschland die Vorstellung, mangelnde Technikkenntnisse würden irgendwie nobilitieren, sozusagen den sog. Geistes- oder Kulturmenschen auszeichnen, verbreiteter ist als z. B. in den USA. Natürlich gibt es in den USA genügend Hass-Blogs und -Foren, aber dafür in den Kommentaren von Blogs und Ezines zum Teil Debatten auf einem Niveau, bei dem man hierzulande neidisch werden kann.
der beschriebene wandel von blogs hin zu wichtigeren informationsressourcen denke ich, kann bei weitem nicht so einfach geschehen, als dass beispielsweise klassische medien verstaerkt darauf aufmerksam machen wuerden. insbesondere zeitungen wuerden sich damit ein eigentor schiessen. die vielfalt an “serioesen” blogs in den staaten und kanada laesst sich unter anderem darauf zurueckfuehren, dass die massenmedien von ein paar grossen medienkonzernen “beherrscht” werden und sich die menschen alternative raeume schaffen muessen, um irgendwo eine meinungsvielfalt zu generieren.
in deutschland ist die informationslage gluecklicherweise noch etwas anders. ich denke , dass juergen habermas ein gutes beispiel fuer das einmischen intellektueller in das mediengeschehen ist und das passt hier ganz gut, da insbesondere anhand seiner theorie (wenn auch alten theorie, aber bis dato nicht wirklich widerlegt oder angefochten ausser mit der spiegeltheorie) der oeffentlichkeit (siehe strukturwandel der oeffentlichkeit, deliberation, diskursethik) genau zu konstruieren ist, warum blogs keine besondere wirkungskraft entfalten koennen (z.b. mangels geballter oeffentlichkeit wie sie die klassischen medien geniessen), dazu kommt eben die haltung, dass man glaubt, so etwas in deutschland nicht wirklich zu brauchen.
mit der informationslage meinte ich die zeitungen und ihre eigenen verlage
Auch von mir Widerspruch: die von Dir angeführten Beispiele beweisen nicht, dass Blogs Macht haben. Vielmehr zeigen die Beispiele, wie schnell sich Nachrichten online verbreiten können – durch soziale Netzwerke wie Twitter, Facebook und Co. Wenn ein Blog mit 20 Lesern täglich etwas meldet, interessiert das wahrscheinlich außer diesen 20 niemanden. Wenn auch nur jeder vierte allerdings selbst bloggt, das wiederum von 20 gelesen wird, bei denen jeder vierte selbst bloggt… etc. pp.
Ach ja, Deine These 5 liest sich toll, ist aber ein Vorurteil, dass durch ständige Wiederholung auch nicht besser wird: Netzaffinität ist keine Frage des Alters. Nicht jeder der Generation 50+ nutzt das Netz nur zum Einkaufen, und nicht jeder der Generation 20- bewegt sich im Netz wie der Fisch im Wasser (und was ist eigentlich mit Leuten von 20-50 wie mir?).
Ein interessantes Video zu beiden Punkten findest Du hier:http://www.50hz.de/nehmen-sie-sich-bitte-alle-30-minuten-zeit-fuer-professor-peter-kruse/
@ Daniel: Aber ist es nicht auch Macht, wenn man die Möglichkeit hat in sehr kurzer Zeit eine Nachricht extrem schnell zu verbreiten? Für ein Medium ist dies doch eigentlich die größte Macht, das es sich wünschen kann.
Zu These 5: Sicherlich gibt es auch 50-, 60- ode 70-Jährige, die sehr viel Ahnung vom Internet haben und es aktiv nutzen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Im Durchschnitt aber ist ein 20-Jähriger sicherlich deutlich aktiver im Netz als ein 40- oder 50-Jähriger. Ich möchte nichts pauschalisieren, aber wenn man die Gesamtheit betrachtet denke ich trifft These 5 zu.
Ich meine, dass der Einfluss extrem hoch ist! Und das ist gut! In meisten Fällen kann man sehr interessante und gut geschriebene Artikel finden, die von jungen Leuten mit neuen frischen Ideen geschrieben sind! Wie die Artikel in diesem Blog zum Beispiel! Weiter so!
@florian: Wenn ich in der Lage bin, Informationen schnell zu verbreiten, kann das ein Machtfaktor sein. Aber ist das nicht die “Macht” des Internets allgemein? Zudem wird nicht jede Nachricht so extrem schnell verbreitet. Gerade bei den Beispielen, die Du nennst, kommen mehrere “Nachrichtenfaktoren” zusammen: persönliche Nähe zum Thema (“das könnte mir auch passieren”), Solidarität (“ich bin auch Blogger, also muss ich hier unterstützen”) und eine ebenso gute wie einfache Story (in beiden Fällen: “David gegen Goliath” – und als Goliath hat man keine Fans).
Ich weiß nicht, ob Du Dir das Video angesehen hast, von dem ich oben den Link hinterlegt hab. Ich kann nur wiederholen: ich kann es wärmstens empfehlen. Das Problem bei Deiner These sehe ich nämlich viel mehr in der Behauptung, dass Jüngere per se das Internet aktiver nutzen und besser damit umgehen können (im Sinne von “digital natives”). Die zeitliche Nutzung des Internets ist garantiert höher, der Anteil derjenigen, die das Netz nur passiv nutzen (Google, Wikipedia, Online-Nachrichten und Blogs lediglich lesen) sollte aber auch nicht unterschätzt werden. Ich kenne z.B. genug Anfang-20-Jährige, die ebenso wenig wissen, was ein RSS-Feed ist und woher die Inhalte in der Wikipedia stammen – nur mal so als Beispiel…
Jetzt werd ich kurz zum Erbsenzähler: Ein Medium kann keine Macht haben, denn Macht ist ein soziales Phänomen. Dahinter stehen immer Personen, die diese Medien als Machtinstrumente nutzen (können)
Und wenn Du nicht pauschalisieren willst, dann tu es nicht.
Hallo,
Blogs haben trotz Twitter und Co. noch immer einen hohen Stellenwert, werden aber nie an klassische Medien herankommen. Auch im Interesse der Blogger sollte man eine klare Trennung zwischen Hobby- und Berufsjournalisten machen.
Wer bloggt, der hat einfach Lust über sich und sein Leben zu berichten. Als Journalist hat man die Aufgabe, die Bevölkerung mit lebenswichtigen Informationen zu versorgen. Beide Parteien wissen manchmal nicht so ganz wo sie hingehören
Grüße
Gretus
Der große Vorteil der Blogs ist, dass sie viel weniger von Machtstrukturen abhängig sind als klassische Medien.
<>
) anschließen:
).
Auch ich möchte dem widersprechen und mich Daniel (Namensvetter
“Auch von mir Widerspruch: die von Dir angeführten Beispiele beweisen nicht, dass Blogs Macht haben. Vielmehr zeigen die Beispiele, wie schnell sich Nachrichten online verbreiten können – durch soziale Netzwerke wie Twitter, Facebook und Co.”
Um nochmal zu deinem Satz zurückzukommen: Die beiden Fälle beweisen demnach nichts(!), sondern sie zeigen nur eine Möglichkeit. Wenn zwei Beispiele in der Wissenschaft etwas Beweisen würden, herrschte Chaos in unserer Welt (noch mehr als jetzt schon
Und noch eine kleine Anmerkung: Zeit kann nicht arbeiten.
Euer Blog ist kaputt – hier kann man ja gar nicht vernünftig zitieren.
Ich packe die Zitate mal in “Gänsefüßchen”.
– Probieren wir’s mal:
“hofnarr.christopher 17. November 2009 16:03
Für mich steht ein deiner Argumentation zu oft das Wort “einfach”, denn “einfach” ist die Lage nun wirklich nicht zu erklären.”
1.) Ich argumentiere nicht. Ich schreibe meine Sichtweise zu Themen mit denen ich meine mich auszukennen, wenn ich Lust dazu habe. Insofern trifft mein selbst genannter Punkt zu, dass man ohnehin eine fixe Meinung zu einem bestimmten Thema hat, welcher sich ganz einfach nicht wegargumentieren lässt.
2.) Erklärt habe ich die Lage doch: Deutschland ist viel zu alt und konservativ. Und damit noch für die eine oder andere Dekade abhängig von überholten Medien. Wie man einen Blog auf einfache Weise aggressiv bewirbt, sieht man doch aktuell z.B. mit eurem Account im Studi-VZ…
Zu RSS-Feeds und sozialen Netzwerken möchte ich mich jetzt nicht äußern. Dies wäre offtopic und würde den Rahmen meiner Zeit sprengen.
Ich hab deine Bezeichnung des StudiVZ mal korrigiert, denn diesen anderen Namen will ich hier nicht sehen.
Ob unser Auftritt dort nun “agressive Werbung” und Deutschland “viel zu alt und konservativ” ist, lasse ich mal dahingestellt. Zu diesen Behauptungen können sich die mitdenkenden Leser ja ihre eigene Meinung machen.
Aha, es gibt hier also auch eine Art der Zensur – interessant. Ich finde die Bezeichnung zutreffend. Aber ist ok, ist ja schließlich eure Website hier – da könnt ihr natürlich ungewünschte Ausdrücke oder ganze Beiträge umschreiben, wie es euch gefällt.
Ich hoffe es doch stark, dass sich die “mitdenkenden” Leser ihre eigene Meinung machen. Noch besser wäre es natürlich, wenn der eine oder andere dieser sich auch noch kundtäte. Interessant übrigens, dass du nicht “bilden” geschrieben hast.
Du findest einen Vergleich zwischen einer Online-Community und einem Konzentrationslager “zutreffend”? Das ist nicht nur dumm, sondern auch menschenverachtend. Solltest du diese Meinung tatsächlich vertreten, rate ich dir einen Geschichtskurs zu belegen. Den Inbegriff der organisierten Vernichtung von Menschenleben so zu banalisieren ist gefährlich.
Zensur findet hier übrigens mit Sicherheit nicht statt, sondern lediglich eine – zugegebenermaßen aufgezwungene – Einhaltung der Formen von Höflichkeit und Respekt herbeigeführt.
Für so manchen waren und sind soziale Netzwerke Killer ihrer Bewerbungen und Jobperspektiven, wenn sie aus Unwissenheit oder purer Naivität den Personalern Einblicke in ihr Privatleben geben, respektive gegeben haben. Insofern finde ich nicht, dass der Vergleich hinkt oder unangemessen ist. Ich möchte allerdings mitnichten irgendetwas gutheißen, was lange vor meiner Geburt stattfand und worauf ich keinerlei Einfluss hatte. Ob es nun “dumm” oder “menschenverachtend” ist, die Gegenwart mit der Vergangenheit zu vergleichen, das sollte dem aufmerksamen Leser ja wohl noch freistehen.
Einen Geschichtskurs brauche ich im Übrigen nicht zu besuchen, die Schule hat seinerzeit den zweiten Weltkrieg bis zum Erbrechen durchgekaut – aber das weißt du ja hoffentlich selbst.
Für mich ist eine fremde Änderung an einem meiner Postings schlicht und ergreifend eine Zensur, da gibt es nix mit “Einhaltung der Formen von Höflichkeit und Respekt” schön zu reden. Aber selbstverständlich habt ihr auf eurer Website das Recht, ungeliebte Beitrag umzuschreiben oder zu löschen – das ist gängige Praxis. Habe mir mal sagen lassen, dass die Axel-Springer-AG das genauso handhabt…
Vielleicht würde dir ein Gespräch mit Holocaust-Überlebenden, deren Nachfahren oder anderen Zeitzeugen helfen, das Wort “KZ” richtig einzuordnen…
*seufz* Habe ich bereits geführt – ich weiß bescheid. Pseudo-Altklugkeit bringt einen in einer sich rasant entwickelnden Gesellschaft aber auch nicht weiter.
Deshalb höre ich mir jetzt auch mal euren Podcast an.
[...] der Haftung im Netz am Beispiel von Weblogs von Prof. Dr. Kay-Uwe MartensWelche Bedeutung haben Weblogs in Deutschland? Analyse der deutschen Netzgemeinde Einzelnachweise? Zeitstrahl der Entwicklung der deutschsprachigen Weblogs des [...]
[...] – siehe Artikel “Welche Bedeutung haben Blogs in Deutschland?” auf Hingesehen.net Tags: blogcharts, [...]
[...] und andere nehmen die Unternehmen unter die Lupe und erhalten manchmal richtig viel Ärger (z. B. Markus Beckedahl von Netzpolitik.org). Da kann man sich nur wundern. Wer sich für Blogs interessiert Viele nützliche Infos gibt es [...]
[...] via Welche Bedeutung haben Blogs in Deutschland? – Hingesehen. [...]
Die klassischen Medien und die New Media sind zwei paar Schuhe mit eigenen Zielgruppen und jedes Medium hat seine Daseinsberechtigung. Von Zeit zu Zeit verschieben sich die Präferenzen in der Gesellschaft, aber die Gier nach Information bleibt – und die wird von allen Medien gleichermaßen befriedigt.
Also ich finde dass das Internet diese Gier viel mehr befriedigt weil es einfach viel schneller ist als zum Bleistift die Zeitungen. Da kann man sofort erfahren wenn was passiert. Insofern finde ich es nicht verwunderlich dass das Internet den anderen Medien voraus ist.
So sehe ich das auch. Und ich glaube das wird sich auch so schnell nicht ändern.
– Die Pointe ist: Das Netz gehört für diese Generation so selbstverständlich zum Leben wie alles andere.
Der Vorteil des www und damit auch der Blogs ist neben der Schnelligkeit auch die Transparenz, Offenheit und “Nicht-” Zensur. Es ist kein Wunder, weshalb Infos schneller bei Twitter sind, als in den Nachrichten. Mit blogs kann jeder alles schreiben und wenn man nicht alles glaubt, was man liest ist das Internet die beste Demokratie.
Blogs haben für mich einen sehr hohen Stellenwert. Ich lese lieber einen qualitativen Blog, als blöde C Promi Nachrichten und dergleichen!
[...] Sind Blogs wirklich schon in der Medienlandschaft etabliert? Wie groß ist der Einfluss von Weblogs wirklich? Hingesehen analysiert die Lage. http://www.hingesehen.net/welche-bedeutung-haben-blogs-in-deutschland/ [...]
Das Schicksal mischt die Karten, und wir (Blogger) spielen. Arthur Schopenhauer
Hallo Herr Lindemann,
Ihr Artikel gefällt mir sehr gut.
Schöne Grüsse aus München
Rainer Ostendorf
http://www.freidenker-galerie.de
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