Wenn alle Blogger BWLer wären…
12. März 2010 | Von hofnarr.florian | Kategorie: GesellschaftWenn alle Blogger betriebswirtschaftlichen Leitlinien folgen würden, gäbe es wohl nur noch sehr wenige Blogs in Deutschland. Welches Mitglied der Blogosphäre kann schon von sich behaupten wirklich etwas über seine Arbeit im World Wide Web zu verdienen?
Viele werden mir vielleicht widersprechen und darauf hinweisen, dass die Kosten für einen Blog sehr gering sind und somit schnell Gewinne entstehen. Schließlich kostet eine Domain nur ungefähr einen Euro im Monat und ein bisschen Webspace zwei bis drei Euro. Selbst wenn der Blog einen eigenen Webserver benötigt, bleiben die Kosten unter 1.000 € im Jahr.
Einnahmen lassen sich selbst mit wenigen Besuchern recht einfach generieren. Mit Hilfsmitteln wie Google Adsense gelangt man schnell an ein paar Euro im Monat. Die Webspace- und Domainkosten, die sich bei kleinen Blogs auf ca. 50 Euro pro Jahr belaufen, sind damit recht schnell gedeckt. Selbst wenn keine Werbung geschaltet wird, sind 50 Euro Verlust für die meisten noch zu verschmerzen. Auch die Kosten eines eigenen Webservers sollten mittels Anzeigen von Adsense oder durch Direktvermarktung zu decken sein (Ihr könnt mir hier gerne widersprechen und von euren Erfahrungen berichten).
Doch sind das wirklich schon alle Kosten? Bisher habe ich noch gar nicht die Arbeitszeit, die man in einen Blog steckt, bewertet. Ich setze als kalkulativen Stundenlohn einmal 8 Euro an, die für mich als Student wohl eine durchaus realistische Alternative darstellen. Im Schnitt arbeitet ich circa eine Stunde am Tag an Hingesehen (mal mehr, mal weniger). Das macht acht Euro am Tag. Das Wochenende ist frei, also ergeben sich 40 Euro entgangener Lohn pro Woche. Macht pro Monat 200 Euro und im Jahr 2.400 Euro. Diesen Wert müsste man eigentlich noch zu den bisherigen laufenden Kosten addieren. Damit würde ich pro Monat ungefähr 40 Euro Verlust machen, wenn ich unterstelle, dass sich die anderen Einnahmen und Ausgaben ungefähr ausgleichen. Einnahmen wären in diesem Fall Werbeeinnahmen aus Adsense und ähnlichem, Ausgaben im Wesentlichen ie Serverkosten.
Investiert ein Blogger noch mehr Zeit in seine Projekte oder verdient sogar wesentlich mehr urch Werbung, würde sich die Rechnung natürlich noch entsprechend ändern. Ich denke aber, dass bei nahezu jedem Blogger mit der Ansetzung eines kalkulativen Lohns ein Verlust am Ende des Monats zu Buche stände. Ausnahmen könnten Spreeblick oder der Bildblog sein, allerdings werden die Beteiligten dieser Blogs sicherlich auch nicht reich mit ihrer Arbeit.
Zusätzlich zu den bisher genannten Kosten, könnte man noch Internetgebühren, den Kaufpreis eines Computers und diverser anderer Geräte, die für den Blogbetriebs notwendig sind (z.B Kamera oder Aufnahmegerät) über die Nutzungsdauer abschreiben. Das würde den Gewinn weiter schmälern, allerdings sind dieser Vorrausetzungen in den meisten Fällen sowieso vorhanden und müssen nicht extra für einen Blogbetrieb angeschafft werden. Ausnahmen bilden aber zum Beispiel Kameras oder Aufnahmegeräte, falls man einen Podcast produzieren möchte. In so einem Fall macht es durchaus Sinn die Kosten über die Nutzungsdauer abzuschreiben.
Doch sollte man den Nutzen eines Blogs einfach nur monetär bewerten? Anscheinend tun dies nur sehr wenige Blogger, denn sonst gäbe es nicht so viele davon. Es muss also neben dem Geld noch andere Motivationen geben. Ich habe mir ein paar Gedanken über mögliche Motive gemacht:
1) Bloggen als Hobby: Einigen Bloggern macht ihre Arbeit einfach nur Spaß und sie sehen sie gar nicht als solche an. Somit ist ihnen auch egal, ob sie damit Geld verdienen.
2) Mitteilungsdrang: Blogger haben einfach das Bedürfnis sich einer Öffentlichkeit mitzuteilen und ihre Meinung kundzutun. Das Internet bietet dafür die ideale Möglichkeit.
3) Alternativer Journalismus: Der klassische Printjournalismus deckt längst nicht alle Bereiche von Berichterstattung ausreichend ab. Hier können Blogger einspringen. Blogs sind unabhängig und können frei ihrer Meinung äußern. Gerade in Ländern, in denen Meinungsfreiheit nicht gerade großgeschrieben wird, können Blogs ein Vorreiter von Demokratie und Aufklärung sein. Sie sind eine alternative Form des Journalismus und tragen zum Pluralismus eines Landes bei. Auch hier ist Geld nicht der entscheidende Faktor.
4) Zusätzliche Qualifikation: Ein Blog kann in Einzelfällen auch der Einstieg in eine andere „Karriere“ sein. Mit seiner Arbeit im Blog kann man sich als Experte oder hauptberuflicher Journalist qualifizieren. Man sät also quasi das, was man erst später erntet.
Fazit: Für mich steht fest, dass Geld keine Motivation zum Bloggen sein kann – zumindest nicht aktuell. Es überwiegen andere Motivationen. Was ist eure Motivation zu bloggen oder widersprecht ihr mir und behauptet, dass Geld doch eine Motivation zum Bloggen sein kann?








Bloggen sollte einfach in erster linie Spaß machen denn ich denke wenn man keinen Spass daran hat hält man das Bloggen eh nicht lange aus. Gibt ja genug beispiele wo Blogs entstehen die nach kurzer Zeit einfach nicht mehr geupdated werden.
Was man aber noch mit einrechnen muss in die Rechnung sind die Einnahmen der Zukunft die durch den Longtail entstehen. Wenn du heute aufhörst mit dem Bloggen kommen sicherlich trotzdem noch einige Besucher auf deinen Blog und obwohl der Verdienst sicherlich stetig sinkt würde er über die Monate und evtl. sogar Jahre noch Einnahmen bringen obwohl man keine Zeit mehr investieren muss. Das könnte sich dann also im nachhinein doch noch rechnen.
Hm, interessanter Punkt. Ich frage mich aber, ob da wirklich noch so viele Nutzer auf die Seite kommen, damit ein nennenswerter Betrag rausspringt. Das ist ja schon schwer genug, wenn man sich ständig um neuen Content und neue Klicks bemüht.
Wirklich wertvolle Informationen, aber ob es in der Praxis bestätigt? Die Zahlen in der Theorie und den Einkünften aus Adsence – dies ist nur eine Theorie …