WM-Blog (5): Der Beigeschmack der Tshabalala-Sauce

12. Juli 2010 | Von hofnarr.christopher | Kategorie: Sport
Es schreibt: Christopher

Es schreibt: Christopher

“31 Tage Fußball, Fußball, Fußball” sind vorbei! Ganz so “emotional” wie 2006 Horst Köhler hatte Südafrikas Präsident Jacob Zuma die Eröffnungssprache zwar nicht gehalten, ein komplett durchorganisiertes Turnier wurde es in der Folge trotzdem. Und das trotz der ach so großen Sicherheitsbedenken und trotz des frühen Ausscheidens der “bafana bafana”. Das heißt übrigens so viel wie… naja, wer das jetzt nach vier Wochen medialer Dauerbeschallung noch nicht weiß, der guckt wahrscheinlich auch am liebsten RTL II.

Alle anderen hatten dagegen in den letzten zur Regeneration eingearbeiteten spielfreien Tagen bereits die Möglichkeit, ihre Augen neu zu kalibrieren und auch andere Dinge als Fußball wieder optisch wahrnehmen zu können. Mit dem verlorenen Halbfinale der DFB-Auswahl gegen Spanien – das übrigens eine bemerkenswert ähnliche Kopie des EM-Finals von 2008 war – war die große Spannung hierzulande sowieso schon raus. Wen kümmerte es da noch, wer jetzt den Titel holte? Immerhin würde es zum ersten Mal außerhalb des Kontinents ein europäisches Team werden.

Und schon vor dem extrem fahrigen Finale Niederlande-Spanien (elf Gelbe und eine Gelb-Rote Karte gab es im Endspiel noch nie) stand fest, dass es anders als vor vier Jahren ein insgesamt verdienter Sieger würde. Selbst wenn die FIFA nach David Villas Ohrfeige in der Vorrunde eindrucksvoll belegte, dass sie sich in der Nachbetrachtung solcher Szenen doch von großen Namen blenden lässt. Spanien ist Weltmeister: Zwar siegten sie in der K.O.-Runde immer “nur” mit 1:0, doch schlussendlich waren sie allen Gegnern dabei taktisch überlegen. Genauso erhalten Thomas Müller (Bester junger Spieler) und Diego Forlán (Bester Spieler) zurecht ihre Auszeichnungen.

Die Berliner Fanmeile war auch in diesem Sommer gut besucht (Foto mit creative commons licence via flickr.com von "jhalstein")

Eine Veranstaltung zwischen Sport und Schmerz-Kommerz

Während die deutschen “Fanmeilen” vorher mal wieder den Patriotismus aus der Mottenkiste holten, feierte auch der kommerzielle Kapitalismus in Krisenzeiten ein Comeback. So verstanden das Kleingewerbe und die meisten Supermarkt-Ketten es hervorragend sich die WM zu ihrem eigenen Nutzen zu machen. In der Innenstadt verkaufte plötzlich jeder zweite Laden die Flagge Nordkoreas und der anderen teilnehmenden Nationen. Der Supermarkt, der den DFB sponsort, verteilte großzügig eine eigene Sammelbildchen-Reihe. Die war so aktuell, dass neben Michael Ballack etwa auch Thomas Hitzlsperger und Simon Rolfes noch das deutsche Trikot trugen. Immerhin machte man nicht den Fehler des serbischen Fernsehens während der Vorrundenpartie gegen Deutschland, dass Robert Enke eigentlich auch nur kurzfristig fehle

Die Angebots-Palette ergänzten “typisch afrikanische” Produkte, oder das, was man sich eben so darunter vorstellt. Manch einem Zuschauer mag die Tshabalala-Sauce da schon beim ersten Treffer des Turniers durch Chakalaka schon zum Halse heraus gehangen haben… oder so ähnlich. In Paderborn wurden kostenlose Proben einer neuen Cider-Mischung verteilt. Prima, dachten sich einige dort stationierte englische Soldaten, und nutzten die Dosen nach der Niederlage gegen Deutschland gleich mal als Wurfgeschosse.

Die WM verlässt also den “schwarzen Kontinent” wieder und mit ihr die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit. Viele Hoffnungen, die das Turnier erschaffen hatte, sind damit begraben. National gedacht steht dagegen mit der Bundesliga das nächste “Event” schon wieder vor der Tür. Die Vereine sind in ihre Vorbereitungen gestartet, nur einige WM-Fahrer genießen noch Sonderurlaub. Sicherheitsbedenken wurden überraschenderweise noch nicht laut. Dabei sollen gerade die Townships Gelsenkirchen und St. Pauli doch unter höheren Kriminalitätsraten leiden. Allerdings ist es ja nicht die erste Deutsche Meisterschaft auf diesen Terrains.

Wie über den WM-Ball “Jabulani” werden die Torhüter dafür vielleicht bald über “Torfabrik” jammern. Zum ersten Mal hat die Liga einen einheitlichen Spielball bekommen. Wurde in den Vorjahren immer je nach Ausrüster des Gastgebers mal mit Nike, Derbystar oder anderen Fabrikaten gekickt, baut Adidas seine Vormachtstellung in diesem Bereich weiter aus. Damit ist garantiert: Ball und Rubel rollen weiter.

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4 Kommentare
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  1. Ein echt guter Text, vor allem gefällt mir der zweite Teil.

    “Während die deutschen “Fanmeilen” vorher mal wieder den Patriotismus aus der Mottenkiste holten, feierte auch der kommerzielle Kapitalismus in Krisenzeiten ein Comeback.”

    Gut, dass die – wie schon richtig als “Event” bezeichnete WM – auch mal etwas kritischer betrachtet wird. (Falls es so gemeint war :p).

    Björn, dem der Hype sowas von auf die Nerven geht.

  2. Danke und ja, das war durchaus so gemeint ;-) Auch wenn ich als Fußball-Fanatiker an den (meisten) Spielen trotzdem meinen Spaß hatte!

  3. Ja ich auch, WM ist immer etwas besonderes.

  4. Am 28. August startet die Basketball-WM in der Türkei. Diese Weltmeisterschaft ist eh viel wichtiger als die der Randsportart Fußball. ;)

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