WM-Blog: Ribrob, Rob oder Robbery?
14. Juni 2010 | Von hofnarr.christopher | Kategorie: SportDie Spiele sind eröffnet! Seit Freitagnachmittag wird rund um die Uhr gekickt, getrötet und gefiebert. Fans aus aller Welt sind nach Südafrika gekommen und Spieler aus 32 Nationen träumen vom Titel. Hingesehen stellt die Eindrücke der ersten Tage zusammen.
In der abgelaufenen Bundesliga-Saison waren Wortspiele wie Ribrob oder Robbery in Anspielung auf Bayerns Flügelzange Franck Ribéry und Arjen Robben in aller Munde. Während Ribéry beim 0:0 seiner Franzosen gegen Uruguay blass blieb und Robben das erste “Oranje”-Spiel angeschlagen von der Bank beobachten musste, richteten sich bei der WM alle Augen auf Rob. Englands Keeper Robert Green (siehe Foto unten) nämlich sorgte mit einem schwerwiegenden Fehlgriff für den 1:1-Ausgleich der US-Amerikaner gegen seine “Three Lions”, der dem Mitfavoriten einen Auftaktsieg kostete.
Green befindet sich damit immerhin in “guter” englischer Tradition: David Seaman konnte bei der WM 2002 einen langen Freistoß von Ronaldinho nicht parieren, sodass England im Viertelfinale ausschied. Seine Nachfolger David James und Paul Robinson machten es nicht viel besser und fielen mehrfach durch grobe Patzer auf. Eben jener James steht auch diesmal wieder mit im Kader. Der junge Joe Hart (23) hingegen wartet nun auf seine Chance und könnte eine echte Alternative sein. Bei der U21-Europameisterschaft im Vorjahr glänzte er bereits, indem er sein Team im Elfmeterschießen ins Finale brachte. Das verpasste er nur aufgrund einer Gelbsperre. Auch im Kasten von Birmingham City überzeugte Hart in der vergangenen Premier League-Saison. So ist es lediglich die mangelnde Erfahrung, die den Ausschlag für Green gegeben haben dürfte, heißt es. Man wird sehen, ob Trainer Fabio Capello auch im zweiten Spiel gegen Algerien auf den West Ham-Goalie vertraut oder einen Wechsel vornimmt.
Das Thema “robbery” (Raubüberfall) in seiner englischen Bedeutung ist hingegen trotz aller Sicherheitsbedenken im Hintergrund geblieben. Es sind kleinere Vorfälle, die bisher den Eindruck des gut gelaunten Gastgeberlands etwas getrübt haben. Kurz vor dem WM-Start wurde etwa von einem Einbruch in das Quartier portugiesischer Journalisten berichtet. Die Täter wurden im Eilverfahren bereits mit harten Strafen von bis zu 15 Jahren Haft belegt.

Englands Keeper Robert Green - hier bei der Eröffnung des "Football Development Center" in Norwich (creative commons licence via flickr.com von "Norwich City College")
So gilt die Konzentration weitestgehend dem Sportlichen – von der unsäglichen und mittlerweile lästigen Vuvuzela-Diskussion abgesehen. Die ständige Thematisierung der Tröten nervt fast schon mehr als der Lärm. Überzeugen konnten auf dem Feld bisher die Südkoreaner, die taktisch sehr diszipliniert und als einheitliches Team auftraten. Die schwachen Griechen waren beim 0:2 jedenfalls klar unterlegen. Nordkorea seinerseits wird Unterstützung von chinesischen Fans erhalten. Führer Kim Jong-Il erlaubt es seiner Bevölkerung nicht auszureisen, stattdessen engagierte er Zuschauer aus dem Reich der Mitte. Ob da der Funke überspringt?
Argentinien mit Weltfußballer Lionel Messi (22) zauberte zwar phasenweise, jedoch meist erfolglos, sodass auch sie gegen Nigeria nur knapp mit 1:0 gewannen. In den ersten sieben WM-Spielen fielen gerade einmal neun Treffer. Die Rückkehr auf die WM-Bühne schaffte währenddessen nicht nur der Trainer der “Gauchos”, Diego Maradona, sondern auch Zinédine Zidane. Nach seiner roten Karte im Finale 2006 schaute sich der ehemalige Regisseur Frankreichs unter anderem das Spiel des Landes seiner Eltern an. Die “fennecs” (Wüstenfüchse) aus Algerien unterlagen allerdings mit 0:1 gegen Slowenien und haben kaum eine Chance auf das Weiterkommen. Bei beiden Teams kamen je drei Bundesliga-Akteure zum Einsatz.
Dann kam der erste Auftritt des DFB-Teams. Ohne Ballack, Rolfes, Adler, Träsch und Westermann, dafür aber mit vielen jungen Spielern stellte Australien, das erst sein Heil in der Offensive suchte und dann hinten auseinander brach, keine Hürde dar. Mesut Özil und Thomas Müller kombinierten beim 4:0 so effizient, dass selbst Miroslav Klose ein Tor erzielte. Deutschland hat so eine Duftmarke gesetzt und die Euphorie im Lande geweckt. Das alles verkäme aber zum Muster ohne Wert, wenn man die Leistung am Freitag gegen Serbien nicht bestätigen kann. Für die Serben geht es dann nach dem 0:1 gegen Ghana schon ums Weiterkommen.
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