Worthülsen und Personenwahl
24. September 2009 | Von hofnarr.christopher | Kategorie: PolitikEs rauschte mal wieder gehörig auf den Straßen und Plätzen Deutschlands, denn überall wurden Laternenpfähle, Bäume, Stellflächen und Zäune genutzt, um Wahlkampf zu betreiben. Von riesigen Großbildplakaten an Autobahnen und Flughäfen bis zum kleinen Aufsteller war ein Fischmarkt der Politik ausgebrochen: Wählt uns, gebt mir eure Stimme, tut dies oder jenes! Hier lest ihr meine Meinung zu den wichtigsten Slogans, die wie ich denke stellvertretend für die gesamten Kampagnen gesehen werden können. Um Inhalte ging es darin leider höchst selten.
CDU: “Wir wählen die Kanzlerin”
Es entspricht dem gesamten Wahlkampf der Union (auch wenn ich nicht in Bayern war, um CSU-Plakate zu sehen): Im Wissen um den deutlichen Vorsprung auf alle anderen Fraktionen fixiert man sich auf Angela Merkel. Man will ihre hohen Sympathiewerte im Land für sich nutzen. Sie wird als übergestellte Präsidentin dargestellt, die mit Tagespolitik eigentlich nicht viel zu tun hat.

Obamas Wahlplakate in den USA - Ikonisierung auch in Deutschland? (Quelle: guygharvey/flickr.com)
So sieht Personenwahlkampf aus. Im Gegensatz zu Barack Obama (Plakat rechts) hat Merkel aber bei weitem nicht die Strahlkraft, die den US-Präsidenten so beliebt und gefeiert machte. Gerade als größte Partei wird die CDU durch diese Vereinfachung der Verantwortung, auch inhaltlich zu überzeugen, nicht gerecht.
SPD: “Unser Land kann mehr”
Für mich ist das eine Standardversprechung, wie sie häufig aus der Politik zu hören ist. Das ist schade, denn die SPD hat noch am meisten von allen Parteien auch mit Themen(-plakaten) geworben. Um jeden Preis immer höher, immer weiter zu kommen, dieses unaufhörliche Streben gefällt mir nicht. Allerdings: Es ist wahr, dass in Deutschland aus den enormen Möglichkeiten zuletzt nicht alles herausgeholt wurde.
FDP: “Ihre Arbeit muss sich wieder lohnen”
Dieser Satz muss jedem Vollzeit-Arbeitnehmer, der am Ende des Monats wegen zu geringer Bezahlung zusätzlich staatliche Unterstützung dazuholen muss, wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen. Die FDP lehnt einen Mindestlohn ja ab. Die Zielgruppe (obere Mittelschicht, Unternehmer), bei der die Logik “Engagement führt zu Erfolg” noch funktioniert, wird dafür direkt angesprochen.
Bündnis 90/Die Grünen: “Es geht ums Ganze”
Nachdem es zur Europawahl noch kräftig “geWUMSt” hatte (Wirtschaft, Umwelt und Soziales), fallen die Grünen jetzt kaum auf. Dem Slogan fehlt das Konkrete, auch wenn der Bezug auf Umweltpolitik durch den nebenstehenden Erdball klar wird. Aber auch so: wie soll verantwortungsbewusster gehandelt werden, was sind die grünen Ziele? Das geht nicht hervor.
Die Linke: “Reichtum für alle”
Diese Parole ist besonders schön, wenn in der Nähe noch ein weiteres Linken-Plakat mit der Aufschrift “Reichtum besteuern” zu finden ist. Eine Utopie, die sich schon allein durch den Terminus “Reichtum” ausschließt, denn entweder alle haben dasselbe (und sind damit nicht reicher als andere) oder es geht eben nicht für alle. Linken-Politiker weisen gerne darauf hin, dass damit ja auch “geistiger” Reichtum wie Bildung et cetera gemeint sei – na klar, daran denkt man auch sofort bei den Worten…
Piraten: “Klarmachen zum Ändern”
Die Piraten spielen mit ihrem Namen, der jedoch immer noch einige abschrecken dürfte, die zum ersten Mal von der Partei hören. Ihr Wahlkampf ist irgendwo zwischen jugendlich und Angstmacherei (vor Komplett-Überwachung) anzusiedeln. Aber reicht ein einziges Thema, um die Wähler von sich zu überzeugen?
Von unserem Partner politik.de kommt folgende Übersicht über die Wahlplakate:
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Sehr gelungene Einschätzung!
Macht daher die Wahl der geeigneten Regierung nicht leichter.
Nunja, die FDP sagt ja nicht, für wen sich “unsere” Arbeit wieder lohnen muß. Von daher wahrscheinlich eines der Wahlplakate mit dem höchsten Wahrheitsgehalt